Mr. Sportschau wird 85 - "Viele Neue reden zu viel"

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Ernst Huberty

Frankfurt - Sportschau-Legende Ernst Huberty wird am Mittwoch 85. Er spricht über seine Arbeit als Moderatoren-Ausbilder und erklärt, dass die meisten neuen Kandidaten zu viel reden.

ARD-Legende Ernst Huberty erfreut sich auch an seinem 85. Geburtstag bester Gesundheit, Sorgen macht sich der gebürtige Trierer vor dem Wiegenfest am Mittwoch (22. Februar) nur um seine geliebte Sportschau. Denn nach der mit Spannung erwarteten Vergabe der Bundesliga-Medienrechte Mitte April könnte die wohl berühmteste Fußball-Sendung Deutschlands der Geschichte angehören. Bei Huberty, der 1961 die erste Ausgabe der Sportschau moderierte, weckt das böse Erinnerungen.   

Und zwar an den erstmaligen Verlust der Übertragungsrechte an die „Privaten“ Ende der 80er Jahre. Zunächst landeten die Rechte für den Quotenbringer Fußball-Bundesliga bei RTL und Sat.1, später bei Premiere, heute Sky. „Das war, als ob dir jemand das Herz herausreißt. Es kam einem Erdrutsch gleich“, sagte Huberty im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) und fügte an, dass er sich erneut Sorgen um die Zukunft der Sportschau mache.

Das war in den 60er Jahren noch ganz anders. „Sportschau“-Zeit war eine heilige Zeit, Konkurrenz war weit und breit noch nicht in Sicht. „Zwischen sechs und sieben Uhr durfte niemand anrufen, nicht mal die Erbtante,“ sagte Heribert Faßbender, als WDR-Sportchef 24 Jahre lang auch verantwortlich für die „Sportschau“. In Erinnerung ist, dass die Mutter nicht kochte an diesem Abend. Statt warmen Essens gab es die „Sportschau“.

Und dann hatte der charmante Herr Huberty seinen Auftritt. Immer freundlich lächelnd, immer wie aus dem Ei gepellt, zur Sommerzeit auch mal in einem schneeweißen Anzug, dazu sein tiefliegender Klappscheitel als Markenzeichen. Ihm, dem „Mister Sportschau“, war es zu verdanken, dass die Hausfrau bei einem „Eckenverhältnis“ nicht mehr an einen Scheidungsgrund dachte.

Und Huberty wäre aus diesem Grund auch lieb gewesen, wenn viel eher eine Frau die Sportschau moderiert hätte. „Dass die ARD in ihrer 'Sportschau' erst nach 38 Jahren durch Anne Will mit einer Frau präsentiert wurde, war ein Fehler und viel zu spät“, sagte Huberty, der den Frauen in der Redaktion aber auch eine Teilschuld an dieser späten Entwicklung gab: „Frauen, die gut waren, haben es uns nicht leicht gemacht. Viele, die infrage gekommen wären, trauten sich nicht, sie haben gesagt 'oh, das ist eine Männer-Domäne, gerade die Sportschau mit ihrem Fußball'. Gut, wenn man den einfachen Weg gehen will, sagt man irgendwann: dann machen es halt die Männer.“

Frauen als fachkundige Moderatorinnen sind insbesondere beim Pay-TV-Sender Sky mittlerweile Normalität. Und einige davon sind bei Huberty in die Schule gegangen, wie auch Reinhold Beckmann oder Johannes B. Kerner.

„Ich habe fast alle Leute bei Premiere, heute Sky, und Sat.1 gecoacht. Reinhold Beckmann gehört dazu, mit Johannes B. Kerner habe ich gearbeitet, mit Oliver Welke und Monica Lierhaus - um nur die Prominenten zu erwähnen. Ich könnte 50 oder 60 Namen nennen“, sagte Huberty, der noch heute Moderatoren ausbildet: „Den meisten Kandidaten musste vor allem beigebracht werden, weniger zu reden. Am schwierigsten waren hier übrigens Kollegen, die Erfahrung vom Rundfunk hatten. Die mussten ja immer ein Bild aufbauen. Der Fernsehzuschauer hat das aber ja längst.“

sid

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