HSV befürchtet Rekord-Minus: 24 Millionen Euro

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Baustelle HSV: Den Klub erwartet ein Minus von 24 Millionen Euro.

Hamburg - Die finanzielle Schieflage des Hamburger SV ist anscheinend bedrohlicher als erwartet. Das Minus überschreitet die 20-Millionen-Euro-Grenze.

Die wirtschaftliche Lage des Hamburger SV ist möglicherweise noch deutlich prekärer als erwartet. Nach Informationen des Radiosenders NDR 90,3 aus Kreisen des Fußball-Clubs steuert der HSV im laufenden Geschäftsjahr auf den Rekordverlust von 24 Millionen Euro zu. Bisher war ein Minus von rund 15 Millionen Euro erwartet worden. „Ich weiß nicht, wo das herkommt und werde irgendwelche Zahlen, die in die Welt gesetzt wurden, nicht weiter kommentieren“, sagte Clubchef Carl Edgar Jarchow dazu am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings geht auch der Vorstandsvorsitzende schon länger von einem „Minus im zweistelligen Millionenbereich“ aus.

Fest steht, dass der HSV nach Defiziten von 4,9 (2010/11) und 6,6 Millionen Euro (2011/12) zum dritten Mal in Serie ein Geschäftsjahr tief in den Miesen beenden wird. Dass der Traditionsclub die Lizenz für die nächste Saison dennoch ohne Auflagen erhalten hat, ist seiner Liquidität zu verdanken. Denn zum Nachweis seiner Zahlungsfähigkeit stehen dem Club allein aus einer im Vorjahr erzielten Fan-Anleihe 17,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Die Liquidität wird nicht gefährdet sein“, hatte Jarchow bereits Anfang März verkündet.

Die aktuelle Bilanz aufbessern könnte neben Spielerverkäufen ein neuer Vermarktervertrag mit der Agentur Sportfive, der vor dem Abschluss stehen und fünf Millionen Euro in die Kasse spülen soll. „Auch dazu kann ich erst etwas sagen, wenn es etwas zu vermelden gibt. Aber natürlich beschäftigen wir uns mit verschiedenen Alternativen, um das zu erwartende Minus zu reduzieren“, so Jarchow.

Die Hauptursache für die erneute wirtschaftliche Schieflage ist im sportlichen Bereich zu finden. Trotz des knapp verhinderten Abstiegs im Sommer hatten sich die Verantwortlichen einen strikten Sparkurs auferlegt. Der aber war nach dem Fehlstart des im Umbruch steckenden Teams rasch hinfällig: Vor Schließung des Transferfensters Ende August wurden gut 20 Millionen Euro in die Nachkäufe Milan Badelj, Petr Jiracek und Rafael van der Vaart gesteckt. Um die 13,5 Millionen Euro für Letzteren finanzieren zu können, stellte Milliardär Klaus-Michael Kühne dem klammen HSV ein Darlehen in Höhe von acht Millionen Euro zur Verfügung. Das muss aber verzinst zurückgezahlt werden.

Die aus sportlicher Sicht richtige Entscheidung, die mit dem Sprung vom letzten auf den achten Tabellenplatz abzulesen ist, hat wirtschaftlich heftige Folgen. Die von Jarchow und Trainer Thorsten Fink in Aussicht gestellte Verstärkung des Kaders scheint angesichts der roten Zahlen infrage gestellt. Wahrscheinlicher ist, dass sich der Club zur Konsolidierung von Spielern wie Heung Min Son trennen muss. Auch hier ist klar: Sollte der HSV-Toptorjäger (11 Treffer) seinen Vertrag (bis 2014) nicht vorzeitig verlängern, will der Verein ihn für einen zweistelligen Millionen-Betrag verkaufen.

„Fakt ist: Wir wollen Son an uns binden und versuchen, den Vertrag zu verlängern“, sagte Jarchow. Wenn das nicht möglich sei, werde es zum Transfer kommen: „Kein Verein will einen Spieler ablösefrei gehen lassen, kein Verein kann es sich erlauben, Millionen zu verschenken.“

dpa

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