Mail-Appell vom Investor

Magath schon gegen Bayern auf der HSV-Bank?

+
Felix Magath.

Hamburg - Im Aufsichtsrat des Hamburger SV laufen offenbar weiter Bestrebungen, Felix Magath (60) gegen Bayern München als neuen starken Mann an der Spitze des Traditionsklubs zu installieren.

Der Hamburger SV steht mit der Partie gegen Bayern München vor dem größten Pokalknaller seit fünf Jahren, aber kaum jemanden im Norden interessiert's. Beim Bundesliga-Dino tobt seit Tagen ein Machtkampf unglaublichen Ausmaßes. Der Aufsichtsrat will mindestens den halben Vorstand aus dem Amt jagen, um anschließend Trainer Bert van Marwijk auszuhebeln. Felix Magath soll bereitstehen.

Sein Vertrauter, der in der Schweiz lebende Milliardär Klaus-Michael Kühne, hat ihn laut „Hamburger Abendblatt“ in einem Brief aufgefordert: „Geben Sie sich einen Ruck. Werden Sie Sportdirektor und Trainer beim HSV - dann wird alles gut!“ Am Dienstag verhandelte Magath nach Angaben seines Managements jedoch nicht mit dem HSV. Er sei bei einem sozialen Termin, hieß es.

Während van Marwijk mit seinen Profis das Defensiv-Konzept gegen die übermächtigen Bayern einübte, wurde spekuliert, Magath könnte bereits beim Pokalspiel auf der HSV-Bank sitzen. Das Prozedere für den Umsturz im Verein dürfte einmalig in der deutschen Fußball-Landschaft sein.

Der Vorstand um Chef Carl Jarchow und Sportdirektor Oliver Kreuzer ist gegen eine sofortige Trennung von van Marwijk und spricht ihm zumindest bis zum Abstiegsgipfel gegen den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig am Samstag das Vertrauen aus. Der Aufsichtsrat will van Marwijk sofort entlassen, darf das aber nicht. Denn das operative Geschäft obliegt einzig und allein dem Vorstand.

Also muss der Vorstand weg, den der Rat selbst installiert hat. Bei der Verpflichtung von Sportchef Kreuzer vor acht Monaten war dasselbe Gremium noch Feuer und Flamme und gab dem Ex-Profi einen Dreijahresvertrag. Kühne, der dem HSV bei der Installation Magaths angeblich Millionenbeträge zukommen lassen will, hat Kreuzer vor Monaten als Drittliga-Manager verunglimpft. Auch der Vereinsvorsitzende Carl Jarchow ist weder Kühnes noch Magaths Freund.

Werden zwei Vorstandsmitglieder entlassen, muss das Vierergremium mit Vertrauten des Aufsichtsrats aufgefüllt werden. Denkbar: Magath zieht als neuer Sportchef und Trainer gemeinsam mit einem Aufsichtsratsmitglied in das Gremium ein. Dann entlässt der Vorstand van Marwijk. Selbst bei einem Abstimmungspatt von 2:2 gibt das Votum des Vorstandschefs den Ausschlag.

Der zerstrittene HSV-Aufsichtsrat manövriert sich weiter ins Abseits. Er darf laut Satzung nicht in das operative Geschäft eingreifen, hält sich aber nicht daran. Mit seinem neuen Chef Jens Meier verhandelt er mit einem Coach und organisiert den Rauswurf des bisherigen Trainers. Eigentlich müsste ein Aufschrei durch die Mitgliedschaft des Vereins gehen. Sie hat den Aufsichtsrat gewählt und damit ein Mandat erteilt. Der Name Magath aber elektrisiert die Mehrheit der 72 000 Mitglieder. Der 60 Jahre alte Unterfranke hat sich in Hamburg mit dem Tor zum Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1983 ein Denkmal in Hamburg gesetzt. Ihm wird auch der Klassenverbleib des Tabellenvorletzten aus der Hansestadt zugetraut.

Derweil fordert HSV-Urgestein Willi Schulz das Team auf, sich auf Fußball zu konzentrieren. Das Spiel gegen die übermächtigen Münchner am Mittwoch (20.30 Uhr) dürfe nicht abgeschenkt werden. „Sie sollten zusehen, dass sie eine gute Figur abgeben, dann läuft es auch drei Tage später in Braunschweig besser“, sagte der 75-Jährige. „Eine Überraschung ist im DFB-Pokal immer mal möglich“, ergänzte der erfahrene Ex-Profi mit dem Spitznamen „World-Cup-Willi“. Zuletzt warf der HSV die großen Bayern 1988 aus dem Pokal - im Viertelfinale!

Karl-Heinz Rummenigge rechnet trotz Krise und Führungschaos auch diesmal mit Widerstand. „Das ist die große Gefahr, dass alle den HSV gegen Bayern München schon aufgegeben haben, weil die Mannschaft die letzten drei Spiele gegen nicht so namhafte Gegner 0:3 verloren hat“, sagte der Bayern-Chef. Pep Guardiola bereitet die große Unruhe bei den Hanseaten ein mulmiges Gefühl. „Die Situation macht sie noch gefährlicher“, sagte der Bayern-Trainer am Dienstag in München. Das Viertelfinale am Mittwoch sei wie ein Endspiel: „Morgen können wir keinen Titel gewinnen, aber wir können einen Titel verlieren.“

Kaltz: "Ich habe wenig Hoffnung"

Manfred Kaltz verliert zunehmend den Glauben an einen Klassenerhalt des Hamburger SV. „Ich habe wenig Hoffnung“, sagte der 61-Jährige bei Sport 1. Es gehe seit Jahren stetig bergab, fügte Kaltz an, der als Spieler insgesamt 581-mal in der Bundesliga für den HSV aufgelaufen war: „Es war absehbar. Irgendwann summiert sich alles zu einem großen Felsblock. Insofern ist das für mich nichts ganz Neues, was da passiert.“

Kaltz ist sich zudem nicht sicher, ob Felix Magath den Klub retten könnte. „In dieser Situation wird es für jeden schwer, egal, wer da kommt“, sagte der frühere Nationalspieler: „Man muss auf jeden Fall etwas machen, aber mit dieser Mannschaft wird es auch ein Magath schwer haben.“

Der HSV rangiert auf Rang 17 der Tabelle und hat die abgelaufenen sechs Bundesliga-Duelle allesamt verloren. Teile des Aufsichtsrats wollen Magath als Nachfolger für Trainer Bert van Marwijk und Sportdirektor Oliver Kreuzer verpflichten.

Auch Hitzfeld sorgt sich

Ottmar Hitzfeld, Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, ist von der Situation um den Bundesligisten Hamburger SV geschockt, glaubt aber, dass Bert van Marwijk der richtige Trainer ist, um die Hanseaten aus der Krise zu führen. „Das ist eine dramatische Entwicklung beim HSV. Die Mannschaft ist total verunsichert und hat wenig Glaube an sich selbst. Jetzt steht man am Rande des Abgrunds“, sagte Hitzfeld gegenüber Sky Sport News HD: „Bert van Marwijk ist ein erfahrener und routinierter Trainer, der am richtigen Ort ist. Jetzt braucht er noch das nötige Schlachtenglück. Er ist für mich der richtige Mann.“

dpa/sid

HSV-Fans belagern Spielerparkplatz: Bilder

HSV-Fans belagern Spielerparkplatz: Bilder

Mehr zum Thema

Kommentare