Hohn und Spott für Schauspieler de Camargo

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Roman Hubnik (r.) und Igor de Camargo. Kurz nach dieser Szene ließ sich der Gladbacher theatralisch fallen.

Berlin - Nach seiner spektakulären Schauspiel-Einlage beim Spiel in Berlin muss sich Gladbachs Igor de Camargo jede Menge Spott anhören. Bei Hertha BSC findet man's dagegen nicht lustig.

Die Fans schrien „Schieber, Schieber!“, Michael Preetz verpasste sich aus Selbstschutz einen Maulkorb - dafür platzte dem völlig aufgewühlten Trainer Michael Skibbe der Kragen. 99 quälend lange Minuten war das Pokal-Viertelfinale zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach ein trostloser Langweiler, doch dann erhitzte im „Gefrierschrank“ Olympiastadion ein Nasenstüber mit fatalen Folgen die Gemüter.

„Ach du lieber Gott! So eine Entscheidung habe ich ja noch nie erlebt! Die geht auf keine Kuhhaut“, wetterte Skibbe nach dem unglücklichen 0:2 (0:0, 0:0) nach Verlängerung der Berliner gegen die „Fohlen“ und nahm sich Schiedsrichter Felix Brych zur Brust: „Er ist auf einen Bauerntrick reingefallen. Es ist ganz, ganz bitter, dass wir aufgrund eines unfassbaren Fehlers aus dem Pokal geflogen sind.“

Folgendes war passiert: Nach einem Foul an Roman Hubnik im Berliner Strafraum lief der Hertha-Verteidiger wütend auf Igor de Camargo zu, bis die Köpfe der Zankhähne nur noch Zentimeter voneinander entfernt waren. Als de Camargo dann seinen Kopf senkte, berührte seine Stirn die Nase Hubniks. Grund genug für den Gladbacher, sich fallen zu lassen und oscarreif den „sterbenden Schwan“ zu spielen. Schiedsrichter Brych stand etwa 30 Meter entfernt, entschied jedoch sofort auf Platzverweis und Elfmeter gegen Hertha. Filip Daems verwandelte sicher (111.), in der Nachspielzeit (120.+2) stellte der eingewechselte Oscar Wendt den Endstand her.

Nach dem Spiel wollte sich Schiedsrichter Brych nicht mehr äußern, laut Berlins Manager Preetz, der nach dem Abpfiff auf den Münchner einredete, sei er jedoch „einigermaßen entsetzt über seine Entscheidung“ gewesen. Doch davon konnte sich Hertha nichts kaufen. Die Spieler fühlten sich betrogen, um den Traum vom ersten Pokalfinale im eigenen Stadion und um den Befreiungsschlag nach drei Rückrundenpleiten. Mittelfeldspieler Andreas Ottl sagte mit bitterböser Ironie in die Kamera: „Ich wünsche Igor de Camargo auf diesem Weg gute Besserung.“

Der belgische Nationalspieler muss sich auch im Internet Hohn und Spott gefallen lassen. Direkt nach dem Abpfiff wurde eine Facebook-Seite mit dem Namen „Pass auf, sonst lässt sich Igor de Camargo auch in deinem Strafraum fallen“ gegründet, die sich großer Beliebtheit erfreut. Dort wird der Stürmer nicht nur übel beschimpft, sondern auch als Oscar-Gewinner für seine schauspielerische Glanzleistung abgebildet.

In all der berechtigten Aufregung um die Fallsucht des Gladbachers geriet jedoch in den Hintergrund, dass Hubnik selbst die spielentscheidende Szene ausgelöst hatte. „Wir spielen ein Viertelfinale, da muss jeder wissen, dass man da so nicht hingehen darf“, sagte Ottl und übte Kritik an seinem Mitspieler.

Mit der dummen Aktion hatte Hubnik der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen, denn bis dahin war Hertha vor 47.465 Zuschauern von zwei schwachen Mannschaften die bessere gewesen. „Wir wollten Geschichte schreiben, jetzt müssen wir den Abstiegskampf annehmen“, sagte Mittelfeldabräumer Peter Niemeyer mit Blick auf das wichtige Auswärtsspiel am Samstag beim VfB Stuttgart. Sollte der Aufsteiger dort die fünfte Pflichtspielniederlage unter Skibbes Leitung kassieren, dürften die Diskussionen um den glücklosen Trainer wieder in den Vordergrund rücken.

Die Gladbacher wussten, dass sie nur mit viel Glück weiter vom vierten Pokaltriumph der Klubgeschichte träumen dürfen. „Das war sehr schwer für uns, Hertha war sehr gut organisiert“, analysierte Trainer Lucien Favre. Der ehemalige Hertha-Coach befürchtet, sein Team könnte vor dem Liga-Topspiel am Samstag gegen Schalke 04 zu viel Kraft verloren haben: „Es wird schwer, sich rechtzeitig zu erholen. Und Schalke ist stark.“

sid

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