Bayern-Präsident in Moser-Laune

Hoeneß: "Das ist doch alles Käse!"

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Uli Hoeneß (Archivfoto)

München - Der Streit zwischen Trainer Heynckes und Sportvorstand Sammer ist offiziell beigelegt, ein Startrekord aufgestellt. Dennoch zeigte sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach dem Sieg über Hoffenheim in Mecker-Laune.

Nein, zum offiziell beigelegten Streit zwischen Trainer Jupp Heynckes und Sportvorstand Matthias Sammer wollte sich Uli Hoeneß nicht äußern. „Nur zum Spiel, bitte!“, sagte er nach dem souveränen 2:0 (1:0)-Sieg von Bayern München gegen 1899 Hoffenheim. Die Reporter kamen der Aufforderung nach, aufgeregt hat sich Hoeneß aber trotzdem. „Ihr alle schaut immer in eure Computer rein“, warf er einem Reporter an den Kopf, der ihn auf den Startrekord des FC Bayern angesprochen hatte. „Das ist doch alles Käse!“

Sieben Siege in sieben Bundesliga-Spielen, 21 Punkte, 21:2 Tore - alles Käse? „Mich interessiert nur die Differenz zwischen Platz eins und zwei. Das ist maßgeblich für meine Laune“, moserte der Präsident weiter. Wer ihn hörte, musste annehmen, dass die Bayern Platz eins nur aufgrund der besseren Tordifferenz behauptet hatten. Doch es war wohl weniger der - beruhigende - Blick auf die Tabelle, der Hoeneß umtrieb, als die unruhige Woche mit der Champions-League-Niederlage bei Bate Borissow und dem Zwist zwischen Kumpel Heynckes und Sammer.

Die beiden Protagonisten des verbalen Scharmützels bejubelten die beiden Tore von Franck Ribery (19., 47.) demonstrativ gemeinsam. Zum Streit, der am Mittwoch beim Friedensgipfel mit Moderator Karl-Heinz Rummenigge beigelegt worden war, wollten sie sich aber nicht äußern. Sammer verließ die Arena lächelnd, aber kopfschüttelnd. „Nein. Nein, nein. Einen schönen Abend“, sagte er. Jedes Wort, das war ihm klar, wäre zu viel gewesen.

Rummenigge sprach von einem „sehr guten, sehr offenen und sehr ehrlichen Gespräch“ zwischen den Streitenden. „Ich habe absolut den Eindruck, dass die Sache erledigt ist und die Medien gut beraten sind, den Kleinkrieg zu beenden. Bei uns intern ist das kein Thema mehr“, ergänzte der Vorstandschef. Heynckes und Sammer „gehen harmonisch und vertrauensvoll miteinander um“. Deshalb könne man „das zu den Akten legen“. Bis zum nächsten Knall eben.

Immerhin: Auf den sportlichen Bereich hatte das Verbal-Duell der sportlich Verantwortlichen keine negative Wirkung. Hoeneß war „sehr zufrieden“ mit dem Auftritt gegen Hoffenheim, den die Mannschaft am Sonntag auf der Wiesn feiern durfte.

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Der alles überragende Ribery („Ich trinke nur Apfelschorle, das ist besser für mich“) betonte, die Mannschaft habe „gut reagiert“ auf die Niederlage in Minsk und die negativen Begleiterscheinungen. Die jüngste Kritik von Sammer rückte er aber noch einmal zurecht. „Immer 100 Prozent - das geht nicht. Wir haben viele Spiele, viele Flüge. Das ist nicht einfach.“

Problematisch ist für den FC Bayern der Blick in die Statistik: Wann immer eine Mannschaft mit sieben Siegen startete (Bayern 1995, Kaiserslautern 2001, Mainz 2010) wurde Borussia Dortmund deutscher Meister. „Wir feiern ja auch nicht“, sagte Rummenigge. Und Heynckes meinte: „Ja, aber was ist, wenn wir auch das achte Spiel gewinnen?“

Dieses findet am 20. Oktober in Düsseldorf statt. Doch selbst ein weiterer Sieg bei der Fortuna dürfte Computer-Liebling Hoeneß nicht nachhaltig beruhigen. „Was nutzt der beste Start der Geschichte, wenn du am Ende nicht deutscher Meister wirst?“

Hoffenheim hat ganz andere Sorgen. Noch immer belastet das Team der schwere Unfall von Boris Vukcevic. „Hut ab vor der Truppe, wenn man bedenkt, was in der vergangenen Woche alles passiert ist“, sagte Trainer Markus Babbel deshalb nach der ersten Niederlage nach drei Spielen mit sieben Punkten: „Auf der Leistung kann man aufbauen.“

Das sah auch Manager Andreas Müller so: „Bayern München ist ein riesiges Kaliber, mit das beste in Europa. Die Mannschaft hat sich gut verkauft.“ Eine Chance hatte sie aber nie.

sid

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