Ribery "weltklasse" - Robben angefressen

Höhenflug: Bayern kann sich nur selbst stoppen

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Franck Ribéry (l.) lieferte gegen Manchester eine Weltklasseleistung ab, Arjen Robben musste bis kurz vor Schluss von der Bank mitfiebern.

München - Bayern hat durch ein 2:0 gegen Manchester City in der Champions League seine Ambitionen eindrucksvoll untermauert. Vor allem Franck Ribery verkörpert derzeit den Aufschwung unter Trainer Heynckes.

Als Franck Ribery in der 90. Minute von Krämpfen geplagt vom Feld humpelte, erreichte die Euphorie ihren Höhepunkt. Die Zuschauer erhoben sich und huldigten dem überragenden Franzosen frenetisch. Ribery war beim 2:0 (2:0) von Bayern München gegen Manchester City trotz des Doppelpacks von Mario Gomez der gefeierte Held und steht exemplarisch für den fast schon beängstigenden Höhenflug des deutschen Rekordmeisters unter Trainer Jupp Heynckes. "Was im Moment passiert, ist unglaublich", sagte Ribery am Mittwochmittag, nachdem er, berauscht von einem großartigen Spiel, erst um fünf Uhr morgens hatte einschlafen können.

Doch auch nach der Champions-League-Gala gegen die laut Präsident Uli Hoeneß "absolute Weltklasse-Mannschaft" aus England, nunmehr zehn Pflichtspiel-Siegen in Serie und inzwischen beeindruckenden 928 Minuten ohne Gegentor verloren Verantwortliche und Spieler des FC Bayern nicht die Bodenhaftung. "Wir haben uns wunderbare Voraussetzungen geschaffen. Wir tun aber gut daran, step by step zu denken. Es geht erst ab dem Achtelfinale so richtig los. Die Titel werden im Mai vergeben und nicht im September", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel in der "Todesgruppe" A.

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Auch Sportdirektor Christian Nerlinger zeigte sich bei aller Freude über das "überragende Ergebnis" realistisch. Auf die Frage nach dem Traum vom Heimfinale in der Königsklasse am 19. Mai 2012 antwortete er trocken: "So weit denken wir noch nicht. Wir denkenan das Spiel am Samstag in Hoffenheim." Zwar könne sich der FC Bayern in der Bundesliga "in dieser Form nur selbst gefährden", ergänzte Kapitän Philipp Lahm, "aber in der Champions League gibt es eben Barcelona, Real oder ManU. Die gilt es zu schlagen."

Doch mittlerweile sehen sich die Bayern, die am 18. Oktober beim SSC Neapel ihr nächstes Gruppenspiel bestreiten müssen, mindestens auf Augenhöhe mit den ganz Großen. „Wir sind in Sichtweite“, betonte Ribery, „das ist im Moment die beste Bayern-Mannschaft, in der ich gespielt habe.“ Und selbstverständlich sei es sein „Traum, die Champions League zu gewinnen“. Der Weg dorthin ist noch lang, aber auch Nerlinger konstatierte: „Die Entwicklung ist sehr positiv. Wir haben die erste Standortbestimmung bravourös gemeistert.“

Für den Aufschwung der Bayern gibt es viele Gründe - einer davon ist unbestritten Franck Ribery. "Der Franck ist in einer Form, die er halten muss. Er ist für uns unersetzlich und wäre auch für jede andere Mannschaft unersetzlich", lobte Torschütze Gomez, der in der 38. Minute und in der Nachspielzeit der ersten Hälfte getroffen hatte. Für Heynckes war Ribery schlicht "weltklasse".

Auch Lahm nannte explizit den 28 Jahre alten Franzosen, als es um das derzeitige Erfolgsrezept der Münchner ging. „Es arbeiten alle vorbildlich in der Defensive, auch ein Franck Ribery. Er marschiert 85 Minuten von vorne nach hinten und gliedert sich ein. Das ist der Unterschied.“

Heynckes hat es nach der Ära Louis van Gaal geschafft, nicht nur den sensiblen Ribery wieder einzugliedern. Vor allem stabilisierte der 66 Jahre alte Coach die im vergangenen Jahr höchst anfällige Defensive, die zuletzt beim 0:1 zum Bundesligastart gegen Borussia Mönchengladbach am 7. August einen Gegentreffer hinnehmen musste - und dies trotz ständig wechselnder Besetzung.

Dass selbst eine mit zahlreichen Stars besetzte Millionen-Truppe wie Manchester City derzeit nur etwa eine halbe Stunde mit den anfangs etwas nervösen Münchnern mithalten kann, kommt für Heynckes nicht von ungefähr. "Wir haben einen super Teamgeist, sind sehr harmonisch, sehr ballsicher, haben eine gute Raumaufteilung, einer ist für den anderen da", sagte er.

Doch auch beim erfahrenen Münchner Trainer hielt sich die Euphorie in Grenzen. "Wir sind noch nicht am Ende des Weges. Wir können das nicht genießen. Wir genießen das irgendwann, wenn wir wissen, dass wir erfolgreich sind." Das heißt, wenn der FC Bayern Titel geholt hat.

Heynckes hat momentan sogar Luxusprobleme. So durfte der erst von einer Verletzung genesene Arjen Robben nur knapp drei Minuten ran. Nach der späten Einwechslung für Ribery war der Niederländer entsprechend angefressen. "Ich kann verstehen, dass ein Spieler mit seiner Klasse immer spielen will, aber ich gehe kein Risiko ein, wenn ein Team so harmoniert", sagte Heynckes, der bei den Bayern derzeit alles im Griff zu haben scheint.

So konnte Hoeneß weit nach Mitternacht zufrieden den Heimweg antreten - in dem Wissen, dass auch die Millionen-Investitionen eines Scheichs aus Abu Dhabi keinen Erfolg garantieren. "Ich habe gehört, dass wir auf Manchester neidisch sein sollen. Das Wort Neid kenne ich überhaupt nicht. Manchester hat eben diesen Weg gewählt. Ich bin glücklich, dass wir mit unserer Methode so weit gekommen sind."

sid

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