Hildebrand plötzlich wieder gefragt

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Timo Hildebrand klärt einen hohen Ball

Gelsenkirchen - Am Sonntag gegen Wolfsburg musste er ran, weil Unnerstall sich verletzte. Nun will Schalkes Torwart Timo Hildebrand zeigen, dass auf ihn Verlass ist. Ein neuer Vertrag winkt.

Als es plötzlich soweit war, beschlich selbst einen Routinier wie Timo Hildebrand die Nervosität. “Als ich hörte, dass ich spielen soll, musste ich erstmal zur Toilette. Die Anspannung war ziemlich groß“, gestand der 32 Jahre alte Torhüter von Schalke 04 nach seinem 260. Bundesliga-Einsatz. Weil Lars Unnerstall beim Sturz nach einem Zusammenprall mit dem Wolfsburger Stürmer Mario Madzukic (36. Minute) eine Schultereckgelenksprengung erlitt, durfte Hildebrand am Sonntag zur 2. Spielhälfte gegen den VfL (4:0) ran.

“Lars hatte signalisiert, dass es nicht mehr geht“, berichtete Hildebrand, dessen unverhofftes Comeback für ihn einen leicht faden Beigeschmack hat. “Natürlich ist es nie schön, von der Verletzung eines Torwartkollegen zu profitieren. Ich wünsche Lars, dass er schnell wieder gesund wird.“

So ist das Geschäft, gerade bei den Torleuten, die nicht so schnell ausgetauscht werden wie Feldspieler. Unnerstall selbst rückte beim Revierclub auch erst zwischen die Pfosten, als die eigentliche Nummer 1, Ralf Fährmann, im vorigen Herbst durch einen Kreuzbandriss ausgebremst wurde. Schalke reagierte mit der Verpflichtung des vereinslosen Hildebrand. Der Schachzug erwies sich als klug.

“Es hat sich bestätigt, dass es richtig war, Timo zu verpflichten“, sagte Huub Stevens. Der Trainer ist froh, einen solch erfahrenen Keeper in der Hinterhand zu haben. Manager Horst Heldt hatte sich seinerzeit schnell an den Schlussmann erinnert, dessen Künste er aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten zu schätzen wusste.

Nach Hildebrands mäßigem Intermezzo bei Sporting Lissabon war er ablösefrei zu haben. Das Risiko war gleich null, und Schalke war laut Heldt für “alle Eventualitäten“ gerüstet. “Das war eine Win-win-Situation. Er hat von uns die Möglichkeit bekommen, und Timo hat sie wahrgenommen.“

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Nun also das Bundesliga-Comeback nach 672 Tagen. Seine bis dato letzte Erstligapartie hatte der gebürtige Wormser am 18. April 2010 für Hoffenheim gegen Dortmund (1:1) bestritten. “In der Bundesliga zu spielen ist etwas ganz anderes als in Haifa, wo es um nichts mehr ging“, verwies Hildebrand auf sein bisher einziges Spiel im Profiteam. Zuvor hatte er sich in fünf Regionalliga-Einsätzen mit der Schalker Reserve Spielpraxis verschafft und geduldig auf seine Chance gewartet - ohne Druck auszuüben oder sein Mitwirken einzufordern. “Er hat sich stets sehr fair verhalten“, bestätigte Heldt.

Klar, dass der ehrgeizige Ex-Nationaltorwart (7 Länderspiele) nun seine Chance nutzen will. Beim Kampf um die Nummer 1 werden die Karten neu gemischt. “Natürlich hat er den Ehrgeiz“, meine Heldt, “jetzt hat er die Chance, sich anzubieten.“ Vielleicht sogar für einen neuen Vertrag über das Saisonende hinaus? “Sicherlich“, meinte der Manager. Bisher habe man darüber aber nicht konkret gesprochen. “Er ist nun wieder im Geschäft und kann sich in den Fokus rücken.“

Gelegenheit sich auszuzeichnen und Punkte zu sammeln für die Fortsetzung seiner Karriere, wird Hildebrand reichlich bekommen - vermutlich sogar bis zum Saisonende. Denn Unnerstall, der nicht operiert wird, fällt mindestens vier bis sechs Wochen aus. Fährmann ist auf einem guten Genesungsweg, hat aber noch nicht wieder mir dem Stevens-Team trainiert. Schon am Donnerstag stehen mit dem Europa-League-Rückspiel gegen Viktoria Pilsen in der Arena und dem Hit beim FC Bayern am Sonntag große Bewährungsproben an. “Da werde ich sicher mehr zu tun bekommen“, sagte Hildebrand voller Vorfreude. “Spiele in München sind immer etwas ganz Besonderes.“

dpa

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