Hildebrand: "In meiner Kategorie der einzige"

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Timo Hildebrand.

Frankfurt -Der vereinslose Fußball-Torwart Timo Hildebrand bleibt trotz bisher erfolgloser Vereinssuche selbstbewusst. Der ehemalige VfB-Keeper wartet aber auf das richtige "Bauchgefühl".

Timo Hildebrand hat mehr Freizeit, als ihm lieb ist. Immerhin nutzt er sie, zum Beispiel als “Bildungspate“ für Jugendliche in seiner Wahlheimat Stuttgart. Dort sagte er einmal: “Jeder hat eine Perspektive und bekommt irgendwann seine Chance.“

Auf seine eigene wartet er bisher vergeblich. Fußball-Torwart Hildebrand ist arbeitslos, mittlerweile seit fast fünf Monaten. Der siebenmalige Nationalspieler hält sich als Trainingsgast beim Zweitligisten Eintracht Frankfurt fit und hofft auf eine neue Anstellung.

Die Karriere von Timo Hildebrand verlief lange geradlinig. Mit 20 Jahren feierte er 1999 beim VfB Stuttgart sein Bundesligadebüt. Es folgten erfolgreiche Jahre, er war Teil des Sommermärchens 2006 und hatte mit starken Paraden großen Anteil an der Meisterschaft für den VfB 2007. Auf dem Höhepunkt wechselte er nach langem Transferpoker zum FC Valencia in die spanische Primera Division: “Ich wollte den Schritt damals gehen“, sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. “Mit dem heutigen Abstand würde ich das wahrscheinlich nicht mehr machen.“

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In Valencia musste er sich mit Publikumsliebling Santiago Canizares duellieren und litt unter der sportlichen Talfahrt des Traditionsvereins. Hildebrand konnte sich nicht als Nummer eins etablieren und kehrte im Januar 2009 in die Bundesliga zurück. In Hoffenheim blieb er nur anderthalb Jahre, es folgte ein “Seuchenjahr“ bei Sporting Lissabon. Er lief ein einziges Mal für den portugiesischen Verein auf. “Dort habe ich keine Chance bekommen“, sagt Hildebrand.

Dem 32-Jährigen ist bewusst, dass die nächste Station funktionieren sollte: “Mir bleiben nicht mehr so viele Jahre als Aktiver.“ Es ist eine der wichtigsten Phasen seiner Karriere, darum zögert er. “Ich will nicht sagen, dass ich wählerisch bin, aber aufgrund meiner Vergangenheit suche ich mir ganz genau aus, was zu mir passt.“ Er rechnet damit, dass spätestens bis zur Winterpause das richtige Angebot kommt: “Das Bauchgefühl muss stimmen.“

USA, Russland oder Asien keine Option

Also heißt es für ihn weiter warten. Sein Name fällt immer, wenn sich ein Torhüter verletzt oder die Vereinsverantwortlichen die nötige Qualität in ihren Reihen vermissen. “Ich bin in meiner Kategorie sicher der einzige auf dem Markt“, sagt der gebürtige Hofheimer selbstbewusst. Wenn am Wochenende die Fans in die Stadien strömen, hat der Bundesliga-Rekordhalter mit 884 Minuten ohne Gegentor jedoch frei.

Seine Jobaussichten in der Bundesliga erschwert, dass die Trainer verstärkt auf eine andere Kategorie Torhüter setzen. Gladbachs Marc-André ter Stegen, Hannovers Ron-Robert Zieler oder Leverkusens Bernd Leno sind Vertreter einer jungen und starken Torwartgeneration. “Das macht es schwer“, sagt der 32-Jährige.

Für den Gefühlsmenschen Hildebrand wäre der erneute Gang ins Ausland eine der letzten Optionen. Er lebt mit seiner schwangeren Freundin in Stuttgart, ihr gehört die Werbeagentur, die hinter seiner Website steht. “Ich werde bald Vater und kann mir nur schwer vorstellen, unsere Zelte hier ganz abzubrechen und in die Staaten, Russland oder nach Dubai zu gehen.“ Momentan pendelt er zwischen Stuttgart und dem Elternhaus in Worms, in der Nähe von Frankfurt.

“Manchmal besser nichts sagen“

Die Situation als arbeitssuchender Profi ist für Hildebrand nicht neu. Auch nach Ende seines Engagements in Hoffenheim musste er sich in Geduld üben. “Da beschäftigt man sich jetzt schon eher damit, was nach der Karriere kommt.“ Hildebrand interessiert das Engagement im sozialen Bereich. Ob als Bildungspate oder bei der “Strahlemann-Initiative“, die Jugendlichen den Übergang vom Schul- ins Arbeitsleben erleichtern soll: “Das passt wie die Faust aufs Auge. Ich bin ja auch arbeitssuchend“, sagt der Profi und lacht.

Das Lachen weicht aber schnell einem Stirnrunzeln. Die zurückliegenden fünf Jahre, in denen er vom Nationaltorwart zum schwer Vermittelbaren wurde, haben ihn eingeschüchtert. “Manchmal ist es besser, einfach nichts zu sagen. Die Verantwortlichen gehen so oder so ihren Weg“, sagt Hildebrand mit Blick auf seinen Abschied aus Hoffenheim. Dort hatte er Verantwortung übernehmen wollen, es mit seiner Kritik jedoch übertrieben. “Ich muss daran glauben, dass wieder andere Tage kommen“, diesen Satz sagt er mehrfach im Gespräch.

Während die Eintracht- Keeper schon unter der Dusche stehen, schmeißt sich Gastspieler Hildebrand den Flanken und Schüssen der Offensivspieler in den Weg. “Sich von Niederlagen nicht deprimieren lassen, an sich glauben.“: Das ist Hildebrands Botschaft an Jugendliche. Und es ist das, was er sich selbst jeden Tag aufs Neue als Profi auf Arbeitssuche beweisen muss.

dapd

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