Hildebrand: "Heute würde ich es anders machen"

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Timo Hildebrand (l.) im Schalke-Training neben Mathias Schober

Gelsenkirchen - Timo Hildebrand hat eine emotionale Rückkehr in den deutschen Fußball gefeiert. Der Neu-Schalker hat auch gleich seinen bisherigen Karriereverlauf analysiert.

Timo Hildebrand genoss die strahlende Herbstsonne über der Ruine des alten Parkstadions sichtlich. Überglücklich hechtete der ehemalige Nationaltorhüter den Schüssen hinterher, jede Ballberührung ein Hochgenuss. “Es war schon sehr emotional. Ich habe zwar nicht mit den Tränen gerungen. Aber es fällt von einem schon einiges ab“, sagte der Schlussmann nach seinem ersten Mannschaftstraining bei Schalke 04. Neben ihm übten am Montag zwar nur Ergänzungsspieler, Raul & Co. hatten nach dem 1:0 (0:0) am Vortag bei Bayer Leverkusen frei, aber Hildebrand war wieder in seinem Element. Endlich.

Am vergangenen Freitag hatte der 32-Jährige bei den Gelsenkirchenern einen Vertrag bis zum Saisonende erhalten. Stark leistungsbezogen und ohne Optionen. Aber immerhin die Chance auf einen Neuanfang - nach vier Monaten Arbeitslosigkeit. “Da trainiert man für sich allein, ohne Perspektive. Dass es mental schwer ist, ohne Job zu sein und sich nicht hängen zu lassen, erklärt sich von selbst“, sagte Hildebrand nach seiner Rückkehr in den Profi-Betrieb.

Meister 2007, dann ging es bergab

Rein äußerlich ist es der Hildebrand, den die Fans kennen. Er hat immer noch dieses Jugendliche in seinen Gesichtszügen. Die 32 Lenze sind dem in Worms gebürtigen Keeper nicht anzusehen. Dafür aber große Dankbarkeit. “Ich glaube, dass er über seinen Zustand im Vorfeld nicht glücklich war. Ein Sportler hinterfragt seine Leistung immer. Und wenn es um die Verträge geht und man nicht in der Verlosung ist, ist das schwierig“, sagte Manager Horst Heldt der Nachrichtenagentur dapd am Rande der einstündigen Einheit am Montag.

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Heldt wurde als Sportdirektor des VfB Stuttgart 2007 zusammen mit Hildebrand deutscher Meister. Es war für den Torhüter der Höhepunkt nach einem bis dahin steilen Aufstieg: 1999 von Ralf Rangnick zu den Profis geholt, dann von Felix Magath geschliffen, 2006 beim Sommermärchen im deutschen Kader, sieben Länderspiele. Im Sommer 2007 dann aber die rückblickend falsche Entscheidung: Wechsel nach Valencia, Turbulenzen im Klub, einen Publikumsliebling Namens Santiago Canizares vor der Nase, Bank, Tribüne, Aus. Es ging weiter zu 1899 Hoffenheim. Dann der Transfer zu Sporting Lissabon, der nur touristischen Wert hatte. Ab 1. Juli 2011 war Hildebrand arbeitslos.

Am Mittwoch in Schalkes U23

“Ich wollte damals den Schritt ins Ausland gehen, um Erfahrung zu sammeln. Heute würde ich es anders machen“, sagte Hildebrand. Die vier Jahre, die seitdem vergangen sind, sind an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Sie haben aber auch seinen Charakter reifen lassen. “So eine Situation erdet einen sehr. Man kommt auf den Boden zurück. Man bekommt einen ganz anderen Blick auf die Dinge. Das tut jedem Menschen gut, egal wie schwer es ist“, sagte Hildebrand. Vieles, was er an diesem erfrischenden Herbsttag formulierte, verriet Demut.

Eine Option im Vertrag, etwa auf Weiterbeschäftigung, habe er nicht gewollt. Genauso wenig eine Einsatzgarantie. “Ich bin nicht so vermessen zu erwarten, dass ich sofort spielen muss. Ich muss arbeiten und mich dem Trainer anbieten. Was im Sommer ist, wird man sehen“, sagte Hildebrand. Bei Huub Stevens ist nach der Verletzung von Stammkeeper Ralf Fährmann Vertreter Lars Unnerstall erste Wahl. Der hielt Schalkes Tor in der Europa League bei AEK Larnaka (5:0) und in der Bundesliga am Sonntag in Leverkusen sauber. Hildebrand wird Mittwoch für die Schalker U23 gegen Standard Lüttich spielen, Unnerstall im DFB-Pokal in Karlsruhe.

Keeper sieht Vaterfreuden entgegen

Forderungen, Sticheleien oder was sonst noch zum Profi-Repertoire im Haifischbecken Bundesliga gehört, scheinen nicht mehr die Sache von Hildebrand zu sein. Er hat Rangnick eine Email geschickt und dem an einem Erschöpfungssyndrom leidenden Schalker Ex-Trainer gute Besserung gewünscht. “Er hat geantwortet und mir viel Glück auf Schalke gewünscht. Das war eine nette Geste“, sagte Hildebrand. Sein Glück scheint derzeit vollkommen, er sieht Vaterfreuden entgegen. Seine Freundin ist im achten Monat schwanger. Hildebrand: “Hoffentlich kommt das Kind vor dem Wintertrainingslager. Als Geburtstermin ist der 11. Januar ausgerechnet.“

sid

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