Hiddink: Das reizt mich an Machatschkala

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Guus Hiddink beim Training

Machatschkala - Jetzt hat es Startrainer Guus Hiddink nach Russland zum neureichen Klub Anschi Machatschkala verschlagen. Und das erst in zweiter Linie wegen des Geldes, sagt er.

Ein freundschaftlicher Schulterklopfer hier, eine herzliche Umarmung da: Die Stimmung war prächtig, als Trainer Guus Hiddink seine Schützlingen vom neureichen russischen Fußball-Erstligisten Anschi Machatschkala begrüßte. Auch den Spielern war die Freude über die in der vergangenen Woche besiegelte Zusammenarbeit mit dem charismatischen Niederländer anzumerken. Roberto Carlos, der zwischen 1998 und 1999 bei Real Madrid unter dem 65-Jährigen gespielt hatte, trällerte gar ein Liedchen, ehe sich der brasilianische Ex-Weltmeister und Hiddink in die Arme fielen.

Bei der ersten Ansprache an sein Team hingen die Spieler dann förmlich an den Lippen des neuen Coaches. „Ich danke den Leuten, die mir diese Gelegenheit gegeben haben“, sagte Hiddink: „Ich weiß um die Ambitionen des Vereins und werde alles versuchen, um ihnen gerecht zu werden.“

Machatschkala, Aufsteiger von 2009, ist seit Januar 2011 im Besitz des milliardenschweren Suleiman Kerimow. Die spektakulären Verpflichtungen der Weltstars Carlos und Samuel Eto'o ließen schon bald keinen Zweifel daran, dass der Oligarch mit dem Klub aus der russischen Republik Dagestan in der Premier Liga vorne mitmischen will.

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Dessen ist sich auch Hiddink bewusst. „Meine Aufgabe wird sein, Anschi für den Kampf um die Qualifikation für die Europa League zu rüsten. Das könnte noch klappen“ sagte der Startrainer des Tabellensiebten dem kicker. Dafür muss sich Anschi in den verbleibenden zwölf Spieltagen der Meisterrunde auf Rang fünf vorarbeiten, den mit einem Vorsprung von drei Punkten auf Machatschkala derzeit Rubin Kasan einnimmt.

Ein Blick auf die Vita von Hiddink verrät, dass ihm ein solches Unterfangen durchaus gelingen könnte, war er doch bereits mehrfach für einen Überraschungscoup gut. Bei der WM 2002 führte er Co-Gastgeber Südkorea sensationell auf den vierten Platz. Gleiches war ihm vier Jahre zuvor mit seinem Heimatland geglückt.

Bei der WM 2006 sorgte Hiddink dann in Deutschland mit Australien für Furore. Mit Russland scheiterte er bei der EM 2008 erst im Halbfinale am späteren Europameister Spanien. Und auf Vereinsebene holte er 1988 mit dem PSV Eindhoven das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Europapokal der Landesmeister. Bei Real Madrid und in der Türkei, wo er im vergangenen Herbst die Qualifikation zur EM in Polen und der Ukraine verpasste, versagte seine Magie aber auch.

Für Hiddink steht in Russland aber nicht allein der sportliche Erfolg im Vordergrund. „Der bedeutendste Faktor für mich ist, dass der Klub Pläne zur Entwicklung des Fußballs in der Region erstellt. Das ist genauso wichtig wie gute Resultate mit der ersten Mannschaft“, zitiert die Vereins-Homepage den Trainer, der zugleich als Vizepräsident agiert.

Die Grundlage für Spitzenergebnisse legt der Verein aber nicht in Dagestan, sondern nahe Moskau, wo das Trainingszentrum von Anschi steht. Spieler wie Trainer haben ihre Zelte daher in der russischen Hauptstadt und nicht im nördlichen Kaukasus aufgeschlagen. Zu den Heimspielen geht es dann jeweils per Flieger in das zwei Flugstunden entfernte Machatschkala.

Die Vergütung habe für Hiddink übrigens eine untergeordnete Rolle gespielt, wie er wissen ließ. Gerüchten zufolge bekommt er für sein Engagement pro Jahr ein fürstliches Salär von zehn Millionen Euro. Allerdings läuft Hiddinks Kontrakt erst einmal nur bis zum Saisonende im Mai mit einer Option auf ein weiteres Jahr.

Trägt die Aufbauarbeit von Hiddink Früchte, wird Dagestan vielleicht häufiger mit erfreulichen Schlagzeilen in Verbindung gebracht werden. Bislang machte die Region eher mit politisch motivierten Anschlägen unrühmlich auf sich aufmerksam. Carlos ist jedenfalls von einem Aufschwung überzeugt. „Er ist ein perfekter Stratege und wird uns Energie einflößen“, sagte der 38-Jährige.

Einen ersten Beweis kann Hiddink am 3. März antreten. Dann tritt Anschi beim Tabellendritten Dynamo Moskau um den ehemaligen deutschen Nationalspieler Kevin Kuranyi an.

sid

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