Heynckes' Schatten ist Dutts Problem

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Ein Szene aus der vergangenen Saison: Robin Dutt (l.) war noch Trainer in Freiburg, Jupp Heynckes in Leverkusen.

Leverkusen - Robin Dutt musste zuletzt verstärkt Kritik bei Leverkusen einstecken. Der Trainer ist noch nicht so richtig bei Bayer angekommen. Sind die Fußstapfen seines Vorgängers Heynckes zu groß?

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Robin Dutt ist auf der großen Champions-League-Bühne noch ein Namenloser. Diese Erfahrung musste der Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen beim ersten Auftritt in der Königsklasse vor gut zwei Wochen beim 0:2 beim FC Chelsea machen. Als der 46-Jährige nach dem Abpfiff an der Stamford Bridge das obligatorische "shake hands" mit Chelsea-Teammanager Andre Villas-Boas machen wollte, kam Dutt ausgerechnet sein Star-Spieler Michael Ballack dazwischen. Der ehemalige deutsche Nationalmannschaftskapitän hielt einen netten Plausch mit dem Portugiesen, den er noch aus gemeinsamen Zeiten bei den "Blues" unter Chefcoach Jose Mourinho kennt. Dutt stand wenige Meter entfernt und wirkte ein wenig deplatziert.

Natürlich handelte es sich nur um eine Momentaufnahme, aber irgendwie war das Bild in London symptomatisch für den ehrgeizigen und ambitionierten Bayer-Trainer. Der Werksklub setzte große Hoffnungen in den Fußballlehrer, der für eine Ablösesumme von geschätzt einer Million Euro vom Ligakonkurrenten SC Freiburg aus dem bis 30. Juni 2012 laufenden Vertrag herausgekauft worden war.

"Heynckes hat die Messlatte sehr hoch gelegt"

Doch auch drei Monate nach seinem Amtsantritt unterm Bayer-Kreuz ist der gebürtige Kölner Dutt in Leverkusen noch nicht so richtig angekommen. Am Mittwochabend steht der nächste Champions-League-Auftritt der Leverkusener an: Dutts Team empfängt den belgischen Meister KRC Genk (20.45 Uhr/Sky)

Der lange Schatten seines Vorgängers Jupp Heynckes, der die Rheinländer in der vergangenen Saison zur Vizemeisterschaft geführt hatte, bereitet ihm Probleme. "Jupp Heynckes hat die Messlatte sowohl menschlich als auch sportlich verdammt hoch gelegt. Ich glaube sogar, dass es einfacher ist auf einen Trainer wie Louis van Gaal zu folgen als auf Jupp Heynckes", sagte Dutt im Sport1-Doppelpass am vergangenen Sonntag. Da lag die 0:3-Klatsche bei Tabellenführer Bayern München mit Heynckes gerade 15 Stunden zurück.

Die zugegeben ersatzgeschwächt angetretenen Bayer-Kicker waren noch gut bedient. Es hätte - so das allgemeine Empfinden - viel schlimmer ausgehen können, wenn der Rekordmeister wirklich Ernst gemacht hätte. Inzwischen werden in Leverkusen sogar schon Parallelen zu Bruno Labbadia gezogen, der auch mit großen Vorschusslorbeeren seinen Dienst bei Bayer antrat, aber am Ende scheiterte.

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Dutt verteidigt seinen Weg und will nicht mit dem 20 Jahre älteren Bayern-Chefcoach verglichen werden: "Mein Ansatz ist ja ein komplett anderer. Leverkusen hat sich nach Jupp Heynckes bewusst für einen komplett anderen Trainertypen entschieden. Dass dann im Übergang die neuen Wege erst ankommen müssen, ist total normal." Gemessen wird Dutt aber am Erfolg, und der ist mäßig. Pokal-K.o. beim Zweitliga-Aufsteiger Dynamo Dresden (3:4 n.V.) nach einer 3: 0-Führung, zuletzt drei Pflichtspielniederlagen in Folge mit 1:9 Toren. Und was fast noch schlimmer ist für die Bayer-Fans: Der Vizemeister rangiert in der Bundesligatabelle hinter dem Erzrivalen 1. FC Köln, der die Bayer-Asse vor heimischer Kulisse mit 4:1 düpierte.

Dutt hat sich mit ungeschickten Aussagen und Verhaltensweisen in die Enge getrieben. "Wer für einen Champions-League-Klub spielt, für den ist es eine Ehre, auf der Bank sitzen zu dürfen", sagte er beispielsweise und stieß den damaligen Ergänzungsspieler Ballack ganz schön vor den Kopf. Außerdem schloss Dutt aus, dass Ballack und Kapitän Simon Rolfes gleichzeitig in der Bayer-Mannschaft stehen, weil sie zu ähnliche Spielertypen seien. Auch diese Ansage war nicht mehr als eine Worthülse. Wenig später spielten beide Seite an Seite.

Angreifbar machte sich Dutt auch zuletzt durch unnötige Fehler in punkto Mannschaftsaufstellung. So verheizte er erst am vergangenen Samstag gegen die Bayern ohne Not den 18-jährigen Danny da Costa als Gegenspieler von Franck Ribery. Dieser Fauxpas bedeutete weiteres Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

sid

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