Heynckes, Klopp und Tuchel stärken Lahm und Schweinsteiger

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Zahlreiche Bundesliga-Größen stärken dem Führungsduo der Bayern den Rücken.

München - Die Führungsspieler-Debatte zwischen Oliver Kahn und den Bayern-Kapitänen Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger erhitzt die Gemüter. Die Meinungen der Fußball-Prominenz driften dabei auseinander.

Die kritisierten Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger geben sich in der von Oliver Kahn angestoßenen Führungsspieler-Debatte im deutschen Fußball ungerührt. Rückendeckung bekommt der ehemalige Nationaltorhüter aber nun von ganz oben: “Ich kann Kahn verstehen. Unsere Mannschaften haben international immer nur dann Titel geholt, wenn starke Persönlichkeiten auf dem Platz standen, die ihren Mitspielern auch notfalls in den Hintern getreten haben“, sagte Bayern Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer der “Bild“-Zeitung. Man brauche gerade dann Führungsspieler, “wenn es nicht läuft. Wie zum Beispiel bei Bayerns Auftaktniederlage gegen Gladbach.“

Beckenbauer, Rehhagel und Overath pro Kahn

Führungsspieler müssen zur Not “den Erfolg erzwingen“, forderte der Weltmeister von 1974, und bekam prominenten Beistand. “Eine Mannschaft ohne Führungsspieler ist keine Mannschaft“, sagte etwa Wolfgang Overath, Präsident des 1. FC Köln: “Jede Mannschaft braucht einen Führungsspieler, der den Ton angibt.“ Auch der ehemalige Bayern-Trainer Otto Rehhagel sieht eine Notwendigkeit von Leitwölfen in einer Mannschaft: “Diese Leute werden wegen ihrer Klasse erkannt und benannt“, sagte der 73-Jährige, gab aber mit dem Blick auf die ehemaligen Bayern-Kapitäne Kahn und Stefan Effenberg zu, dass die “außergewöhnlichen Spieler meist nicht die Einfachsten“ seien.

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Kahn hatte mit der öffentlichen Kritik an Nationalmannschaftskapitän Lahm und dessen Stellvertreter Schweinsteiger die Diskussion um die Notwendigkeit von “Leitwölfen“ erneut entfacht. Die Bayern-Kapitäne, denen Kahn vorgeworfen hatte, oftmals Konsens und Anpassung zu suchen, statt die Mitspieler anzutreiben, haben sich von den Vorwürfen distanziert. “Ich habe keine Wut. Was irgendein ehemaliger Spieler in irgendeinem Blog sagt, interessiert mich nicht, interessiert Bastian nicht und die Mannschaft nicht“, sagte Lahm, Schweinsteiger schoss gegen seinen einstigen Mitspieler gar zurück: “Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass Oliver früher nichts mehr gehasst hat als die Kritik von Ex-Kollegen, die über die Medien ausgeübt wird. Von so einem großen Spieler erwarte ich, dass er sich an seine Worte erinnert“, sagte der 27-Jährige der “Bild“-Zeitung.

Klopp: “Idealerweise fünf oder sechs Führungsspieler“

Nicht nur Bayern-Trainer Jupp Heynckes stellte sich vor seine beiden Kapitäne, auch der ehemalige Weltmeister Paul Breitner hatte für Kahns Äußerungen wenig übrig. “Führungsspieler à la Kahn oder Effenberg sind nicht mehr zeitgemäß“, sagte der 59-Jährige. Der Wandel des Fußballs habe dafür gesorgt, dass sich “die Ansprüche und Anforderungen an die Spieler gewaltig verändert“ hätten. Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp sprach von “idealerweise fünf, sechs Spielern in der Mannschaft, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“. Diese Funktion üben Lahm und Schweinsteiger laut Heynckes bestens aus: “Sie hauen intern schon mal dazwischen. Man braucht nicht immer nach draußen zu poltern, um wahrgenommen zu werden“, sagte der 66-Jährige.

Vor allem die Definition des Wortes “Führungsspieler“ sorgt für weitere Diskussionen. “Die Frage ist doch, was überhaupt ein Führungsspieler ist. Einer, der die Kollegen auf dem Platz lauthals zusammenstaucht? Oder einer, der eine Mannschaft führen kann?“, fragte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Mannschaften wie Champions-League-Sieger FC Barcelona bräuchen sicherlich “keine Leute, die andere permanent zur Schnecke machen“. Auch der Mainzer Trainer Thomas Tuchel warnte davor, sich bei der Beurteilung über andere “von dem Bild in der Öffentlichkeit leiten zu lassen“.

dapd

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