Hertha schmeißt Babbel raus - Kommt Skibbe?

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Markus Babbel

Berlin - Die Zeit von Aufstiegstrainer Markus Babbel bei Hertha BSC ist abgelaufen: Am Sonntag gab der Berliner Fußball-Bundesligist die sofortige Trennung vom 39 Jahre alten Chefcoach bekannt.

Nach heftigen Dissonanzen zwischen Manager Michael Preetz und Babbel am Samstag am Rande des Punktspiels zwischen 1899 Hoffenheim und der Hertha (1:1) hatte sich der Trainerwechsel bereits abgezeichnet. Durch seine Aussagen am Sonntag hat sich Babbel endgültig ins Abseits gestellt.

Als Nachfolger Babbels bei der „alten Dame“ ist Michael Skibbe im Gespräch. Der ehemalige DFB-Trainer Skibbe betreut derzeit noch den türkischen Erstligisten Eskisehirspor. Für eine Freigabe müssen die Berliner eine Ablöse zahlen. Letzte Station des 46 Jahre alten Skibbe in Deutschland war Eintracht Frankfurt. Bei den Hessen wurde er am 22. März dieses Jahres nach ausbleibenden Erfolgen entlassen. Mit Skibbes Nachfolger Christoph Daum stieg die Eintracht ab.

Die gegenseitigen Schuldzuweisungen von Preetz und Babbel am Samstag in Sinsheim waren derart heftig, dass sich ein Rauswurf des Cheftrainers noch vor dem DFB-Pokalspiel am Mittwoch gegen den 1. FC Kaiserslautern angedeutet hatte. Am Sonntag setzten sich Klubpräsident Werner Gegenbauer und Manager Preetz zusammen und berieten über mögliche Konsequenzen. Zuvor hatte Babbel auf seinen Standpunkt beharrt und weitere Gespräche zu dem Thema mit Preetz abgelehnt. Zudem ließ er verlauten: „Ich habe ein dickes Fell.“

Der Coach erklärte, dass er dem Verein bereits Anfang November mitgeteilt habe, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Preetz betonte dagegen, dass er von Babbel erst am vergangenen Dienstag darüber informiert worden sei. Für Hertha-Präsident Werner Gegenbauer ist Babbel der Lügenbaron.

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„Die Geschichte, die Babbel erzählt, ist nicht das, was Michael Preetz Stein auf Bein schwört. Demnach hat Markus Babbel Michael Preetz am Dienstagabend zum ersten Mal darüber informiert, dass er den Vertrag nicht verlängern will. Wir sollten uns nicht durch Baron-Münchhausen-Geschichten die Arbeit der letzten eineinhalb Jahren kaputt machen“, sagte Gegenbauer, der am Sonntag noch immer noch angefressen war: „Dass die sportliche Führung von Hertha BSC als Lügner dargestellt wird, das ist ein Witz, ein schlechter.“

Babbel beharrte jedoch auf seiner Version. „Jeder, der mich kennt, weiß: Wenn ich etwas sage, dann ist es auch so. Wenn jemand eine andere Meinung hat, dann hat er vielleicht nicht richtig zugehört“, äußerte der gebürtige Münchner. Der Konter von Preetz ließ nicht lange auf sich warten. „Ich habe nichts überhört, ich habe noch kein Problem mit den Ohren“, sagte der Sportchef: „Das Ganze ist höchstärgerlich.“

Seit Wochen hatte Babbels Hinhaltetaktik für Unmut gesorgt. Entgegen aller Erwartungen ließ der 39-Jährige Ende November auf der Mitgliederversammlung die Chance ungenutzt, seine Vertragsverlängerung anzukündigen. Stattdessen wollten sich Klub und Trainer erst bis zum Start der Rückrunde am 21. Januar 2012 wieder zu dem Thema äußern.

In den letzten Wochen verschärfte sich der Ton in der Debatte um die ungeklärte Zukunft Babbels. Der Europameister von 1996 verspielte durch sein fehlendes Bekenntnis bei Medien und Fans täglich an Kredit. Doch trotz aller Kritik blieb Babbel stur bei seiner Linie. Er wolle sich Weihnachten erst mit seiner Familie in München beraten und dann dem Verein seine Entscheidung mitteilen. Erst am Samstag in Sinsheim machte er seinen Abschied am Saisonende erstmals publik.

Seine Arbeit in Berlin konnte sich sehen lassen. Trotz der riesigen Erwartungen führte Babbel die Mannschaft in der vergangenen Saison zum sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga und etablierte sie in der Hinrunde im Mittelfeld. Durch Auswärtssiege beim deutschen Meister Borussia Dortmund (2:1) und Ex-Meister VfL Wolfsburg (3:2) hatten die Herthaner die Erwartungen sogar weit übertroffen und in der Hauptstadt einen neuen Hertha-Boom ausgelöst. In Sinsheim glichen die Herthaner einen 0: 1-Rückstand durch Roman Hubnik (90.+1) in der Nachspielzeit aus.

SID

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