Preetz nach Selbst-Interview in der Kritik

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Michael Preetz hat auf der Webseite von Hertha BSC ein kurioses Interview veröffentlichen lassen

Berlin - Manch einer glaubte an einen Aprilscherz. Michael Preetz, Manager von Hertha BSC, führte am Sonntag auf der vereinseigenen Internetseite ein Interview - quasi mit sich selbst!

Nach einigen pathetischen Worten zum Einstieg („Hertha - das ist unser Leben“) griff er angebliche Fragen der Medienvertreter auf, die er unmittelbar nach dem bitteren 1:4 gegen den VfL Wolfsburg am Samstag noch nicht hatte beantworten wollen. Preetz, der als Krisenmanager wie schon in der Abstiegssaison 2009/10 oft abtaucht und keine gute Figur abgibt, erntet für diese Aktion Hohn und Spott.

„Preetz' Gaga-Brief an die Fans“, schrieb das Berliner Boulevardblatt B.Z. auf seiner Titelseite. Selbst viele Anhänger schütteln nur den Kopf. „So schlimm ist es schon, man führt Selbstgespräche und stellt sie ins Netz...“, schrieb ein User auf der Facebook-Fanseite des Klubs.

Preetz' Selbst-Interview weckt Erinnerungen an die legendäre Pressekonferenz von Klaus Augenthaler vor fünf Jahren. Der damalige Trainer des VfL Wolfsburg hatte sich selbst vier Fragen gestellt, diese beantwortet und anschließend zur Verblüffung der anwesenden Journalisten das Podium wieder verlassen. Neun Tage später trennten sich Augenthaler und der VfL.

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Auch der Stuhl von Michael Preetz wackelt, im Falle eines zweiten Abstiegs unter seiner Leitung dürfte der ehemalige Torjäger kaum noch zu halten sein. Zur Verteidigung des Managers muss man sagen, dass die Fragen im fingierten Interview durchaus den Kern trafen. Doch seine Antworten waren kaum mehr als Durchhalteparolen.

„Die Partien gegen Mainz und Wolfsburg haben gezeigt, das wir auf dem richtigen Weg sind“, schrieb der 44-Jährige. Über möglichen Folgen eines Abstiegs wollte er nicht nachdenken: „Darauf werde ich keine Antwort geben, weil ich immer positiv denke. Für Hertha, für unsere Fans, für das gemeinsame Ziel, das immer Bundesliga heißen wird!“

Eines kann man Preetz nicht vorwerfen: mangelnde Identifikation mit der Hertha, für die er in 227 Spielen 93 Tore erzielt hat, so viele wie kein anderer. Preetz leidet wie ein Hund, wenn es der Hertha schlecht geht. Das dürfte auch ein Grund sein, warum es Preetz nach Niederlagen oft große Überwindung kostet, Stellung zu beziehen. Professionell ist das jedoch nicht. Wenn sich schon wie nach der Pleite gegen Wolfsburg die Spieler einen Maulkorb verpassen, dann sollte zumindest der Sport-Geschäftsführer Rede und Antwort stehen - und zwar nicht nur sich selbst.

Der Druck auf Preetz dürfte sich durch das erneute Abtauchen nur noch verstärkt haben. Nach der Lügen-Affäre mit Markus Babbel und dem großen Missverständnis mit Michael Skibbe ist sein sportliches Schicksal eng mit dem Gelingen der „Mission Otto Rehhagel“ verbunden. Mit der Verpflichtung des 73-Jährigen ist er bewusst volles Risiko gegangen. Scheitert Rehhagel, dürfte auch die Zeit von Preetz bei Hertha abgelaufen sein. Deshalb stärkte der Manager dem Trainer-Methusalem den Rücken: „Wir haben noch sechs Partien, und ich bin überzeugt, dass es dem Trainerteam gelingen wird, die Spieler nach der großen Enttäuschung wieder aufzurichten.“

sid

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