Herbstmeister - na und? Bayern wollen Vorsprung

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Mario Gomez hat gegen seinen Ex-Klub gleich zwei Mal getroffen

München - Der inoffizielle Herbstmeistertitel ist dem FC Bayern nach dem Sieg in Stuttgart herzlich egal. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge denkt bereits einen Schritt weiter.

Arjen Robben wollte schnell nach Hause. Der niederländische Flügelstürmer des FC Bayern München rannte also in hohem Tempo durch die Mixedzone im Bauch der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena, als wollte er einen weiteren Gegenspieler abschütteln. Doch weder seine Schnelligkeit noch die Tatsache, dass er es sich auf dem Fahrersitz des Busses bequem machte, nutzte ihm etwas: Auch Robben musste auf den Mann des Spiels warten: auf Mario Gomez.

Doch an seinem alten Arbeitsplatz ließ sich der 26 Jahre alte Stürmer viel Zeit. Hier ein Schwätzchen, dort ein lockeres Gespräch mit einem bekannten Gesicht. Acht Jahre verbrachte er beim VfB Stuttgart, ehe sich der Nationalspieler 2009 dem deutschen Rekordmeister anschloss. Dass Gomez ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zwei Tore erzielte, die dem FC Bayern bereits vor dem letzten Spieltag der Hinrunde praktisch die erste Herbstmeisterschaft seit vier Jahren bescherte, war nichts Besonderes mehr. Der Mann von der Schwäbischen Alb hat bereits siebenmal gegen seinen Exklub getroffen. In nur sechs Pflichtspielen.

Rummel um seine Person war Gomez unangenehm

“Man sieht, dass er verdammt gut ausgebildet wurde“, sagte VfB-Manager Fredi Bobic. Mit einem Lächeln fügte er hinzu: “Aber er sollte sich abgewöhnen, gegen uns Tore zu schießen.“ Gomez selbst war die Aufgeregtheit um seine Person eher unangenehm. Er wollte zu seiner Vergangenheit beim VfB nicht groß etwas sagen. Auch nicht dazu, ob er in der Form seines Lebens sei. Er hat diese Frage schon so oft gehört. Er ist ihr längst überdrüssig. Gomez hat bereits in der vergangenen Saison 28-mal in der Bundesliga über einen Treffer gejubelt. Er muss niemand mehr etwas beweisen.

Dabei hätte der Abend für den Deutsch-Spanier unangenehm verlaufen können. Gomez vergab in der fünften Minute eine Riesenchance, als er drei Meter vor dem leeren Tor am feinen Zuspiel von Robben vorbei gerutscht war. “Das war eine Tausendprozentige“, sagte Gomez selbst. Groß geärgert habe er sich allerdings nicht. Er hat genug Vertrauen in seine Qualität - und bereits 15 Saisontore.

Auch seine übrigen Mitspieler haben sich von dem 0:1-Rückstand durch Christian Gentner nicht beirren lassen. Deutlich entgegen kam den Gästen dabei natürlich auch die Tatsache, dass die zunächst ebenbürtigen Stuttgarter fast eine Stunde in Unterzahl spielen mussten. Linksverteidiger Cristian Molinaro hatte nach zwei schnellen Fouls gegen Robben die Gelb-Rote Karte gesehen. Während sich vor allem Bobic über den Platzverweis (“Wenn die Theatralik von Robben nicht gewesen wäre, hätte es auch keine Gelbe Karte gegeben“) ärgerte und Trainer Bruno Labbadia sogar von der “spielentscheidenden Szene“ sprach, hielten sich die Bayern-Verantwortlichen nicht lange damit auf.

Uli Hoeneß: “Wir sind Herbstmeister“

“Wir sind Herbstmeister, was soll ich dazu noch groß sagen“, sagte beispielsweise Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Die Tatsache, dass sie nur noch ganz theoretisch von der Tabellenspitze verdrängt werden können war den Bayern sehr wichtig. “Wir waren ja schon länger nicht mehr vor der Winterpause ganz oben“, sagte Philipp Lahm genüsslich.

Doch ein Vorsprung von drei Punkten und ein um zehn Treffer besseres Torverhältnis gegenüber Meister Borussia Dortmund stellt den Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge nicht ganz zufrieden: “Wir müssen jetzt noch gegen Köln gewinnen und uns einen noch größeren Vorsprung erspielen.“

Nach der titellosen vergangenen Saison sehnen die Bayern die Meisterschaft förmlich herbei. Jedes Zeichen, dass in diese Richtung deutet, nehmen die Münchner gerne mit. Ein solches ist zum Beispiel auch der Umstand, dass die Mannschaft von Jupp Heynckes die erste Partie in dieser Saison für sich entschied, nachdem sie in Rückstand gelegen war. “Das ist wichtig für den Kopf“, befand Thomas Müller.

Mario Gomez wollte den Erfolg gegen den VfB allerdings nicht überbewerten. “Der Sieg bedeutet mir gar nichts. Man hat gesehen, wie schnell das geht. Letzte Woche waren wir Dritter und die Deppen der Nation, jetzt sind wir Erster und so gut wie Herbstmeister.“ Sagte es und verschwand zwei Stunden später im Inneren des Busses. Durch den Hintereingang.

dapd

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