Vor Helsinki: Schalke glaubt an Kantersieg

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Jefferson Farfan (l.) und Raul sind wieder frohen Mutes

Mainz - Nach dem Ende der Spekulationen um Raul und der furiosen Aufholjagd beim FSV Mainz 05 ist bei Schalke 04 rechtzeitig vor dem Rückspiel gegen HJK Helsinki der Mut zurückgekehrt.

Eine kurze Umarmung mit Trainer Ralf Rangnick nach dem Abpfiff war noch der größte Gefühlsausbruch des spanischen Weltstars Raul. Als ob während der 90 Minuten zuvor, kurz vor der Partie und in den vergangenen Wochen nichts passiert wäre, schlenderte das einstige Real-Ass in die Kabine, überließ dem hinterhereilenden Mainzer Torwart Heinz Müller sein Trikot und schrieb nach dem Duschen noch ein paar Autogramme.

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Ganz so unaufgeregt wie der 34-Jährige nahmen die restlichen Protagonisten von DFB-Pokalsieger Schalke 04 das furiose 4:2 (0:2) beim FSV Mainz 05 und das Ende der Spekulationen um Raul allerdings nicht hin. Die Profis wie die Verantwortlichen waren im Anschluss an den ersten Sieg nach einem Zwei-Tore-Rückstand seit dem 5:3 gegen die SpVgg Unterhaching vor über zehn Jahren und dem damit verbundenen Titel „Meister des Herzen“ spürbar aufgekratzt. Die blamable Vorstellung im Play-off-Hinspiel zur Europa League bei HJK Helsinki (0:2) war vergessen, rechtzeitig vor dem Rückspiel am Donnerstag (20.15 Uhr/WDR) kehrte der Mut zu den Königsblauen zurück.

„Wer in Mainz vier Tore nach einem 0:2-Rückstand in einer Halbzeit schießen kann, kann auch zu Hause gegen Helsinki vier Tore in 90 Minuten schießen“, sagte Rangnick voller Zuversicht. Manager Horst Heldt schlug in dieselbe Kerbe. „Ein 0:2 aufzuholen war wichtig mit Blick auf das Spiel am Donnerstag. Das ist gut für die Moral“, äußerte der zweimalige Nationalspieler.

Gegen den finnischen Rekordmeister dürfen sich die Schalker allerdings eine erste Hälfte wie in Mainz nicht leisten. „Wir haben in der ersten Halbzeit gespielt, als ob wir gerade aus dem Flieger aus Helsinki ausgestiegen wären. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir richtig um die Ohren kriegen, wenn wir so weiterspielen“, kommentierte Rangnick die Vorstellung seiner Schützlinge im ersten Durchgang. Mit dem 0:2 vor 34.000 Zuschauern in der ausverkauften Mainzer Arena durch die Treffer von Andreas Ivanschitz (8.) und Elkin Soto (12.) waren die Gäste noch gut bedient.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs feierte Jefferson Farfan sein Comeback nach über sechswöchiger Verletzungspause und führte Schalke mit einer ganz starken Leistung zum Sieg. Der Niederländer Klaas-Jan Huntelaar (57.), Kapitän Benedikt Höwedes (64.), Joel Matip (82.) und der Ex-Mainzer Christian Fuchs (90.) besiegelten die Niederlage der Mainzer, die zuvor saisonübergreifend fünf Siege in Folge eingefahren hatten.

Auch Raul hatte durch die Vorarbeit zum Tor Huntelaars seinen Anteil am Erfolg. „Er war 90 Minuten sehr engagiert. Die Vorarbeit zu unserem ersten Tor hat er richtig gut gemacht. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass er vergangene Saison so viele Tore gemacht hat“, sagte Rangnick über seinen Star, mit dem er wenige Stunden vor der Partie ein klärendes Vier-Augen-Gespräch geführt hatte.

„Wir haben über verschiedene Dinge gesprochen haben. Aus meiner Sicht gab es keine Probleme. Und er hat auch gesagt, dass er nichts zu bemängeln hat. Wir sind so verblieben, dass wir uns zukünftig regelmäßig austauschen - ob es was zu bereden gibt oder nicht“, verriet Rangnick: „Es hat nur Vorteile, dass die Spekulationen der letzten Wochen, die uns die Arbeit nicht erleichtert haben, nun aufhören. Ich habe immer gesagt, dass ich froh bin, wenn er bleibt.“

Und wiederum stieß Heldt in dasselbe Horn. „Ich bin froh, dass jetzt alles geklärt ist. Die Spekulationen haben ein Ende und Ruhe kann einkehren. Und Ruhe braucht unser junges Team“, sagte der Manager, der sich bereits am Samstagabend mit Raul auf einen Verbleib verständigt hatte - sehr zur Freude von Lewis Holtby. „Raul ist ganz wichtig für uns. Er ist ein Weltklasse-Spieler. Es ist eigentlich eine Frechheit, dass ich als 20-Jähriger ein Urteil über ihn abgebe“, äußerte der frühere Mainzer.

Ein erstaunliches Urteil gab FSV-Trainer Thomas Tuchel über sich selbst ab. Der Coach, dessen Team mit einem Erfolg die Tabellenführung behauptet hätte, offenbarte die selten gewordene Gabe der Selbstkritik und übernahm die Verantwortung für die Niederlage. „In der zweiten Hälfte wäre es angebracht gewesen, wir hätten uns komplett aufs Kontern verlegt und 20 Meter tiefer gestanden. So würde ich es im Nachhinein lösen. Aber ich habe es nicht gemacht. Und deshalb geht es mit Sicherheit auch auf meine Kappe“, sagte der Coach, der zuvor alle vier Duelle gegen Rangnick gewonnen hatte.

sid

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