Heftige Schiri-Schelte von Bilic

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Slaven Bilic

Posen - Kroatiens Nationaltrainer Slaven Bilic rüffelt Schiedsrichter Webb nach dem 1:1 gegen Italien heftig - und spricht gar von einer „Bevorteilung“ des Gegners durch den englischen Referee. Muss er nun Konsequenzen fürchten?

Slaven Bilic steht mal wieder im Mittelpunkt. Mit einer heftigen Schelte am englischen EM-Schiedsrichter Howard Webb hat der kroatische Nationaltrainer für Aufsehen gesorgt. „Alles, was er konnte, gab Webb für Italien“, urteilte der 43 Jahre alte Sprücheklopfer nach dem 1:1 seiner Kroaten am Donnerstagabend gegen die Azzurri - und sprach gar von einer „Bevorteilung“ des Gegners.

Der kantige Coach echauffierte sich vor allem über eine Szene nach knapp 60 Minuten, als der Italiener Thiago Motta den Kroaten Nikica Jelavic unmittelbar vor einem Eckball im Strafraum niederrang. Webb zückte sogar Gelb für Motta - ließ dann aber lediglich den Eckstoß ausführen, anstatt Elfmeter zu geben. „Ein klarer Strafstoß“, befand Bilic. Und beteuerte dann: „Ich bin mir da sicher.“

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Auch am Freitag, einen Tag danach, hatte er sich noch immer nicht beruhigt. „Immer, wenn die Italiener die Hand gehoben haben, hat Webb auf sie gehört“, grantelte Bilic im EM-Quartier in Warka.

Es ist nicht das erste Mal, dass Webb heftig in die Kritik gerät: Der Referee hatte sich beispielsweise wegen mehrerer strittiger Situationen im WM-Finale 2010 zwischen Spanien und den Niederlanden einiges anhören müssen. Vor allem aber ist es längst nicht das erste Mal, dass Hobby-Rocker Bilic mit forschen Äußerungen abseits der fußball-typischen Phrasen- und Diplomatensprache auffällt.

„Ich kann die Menschen nicht verstehen, die die Leistungen der Schiedsrichter nicht kommentieren möchten“, klagte Bilic. Als Trainer sei auch er von den Referees abhängig. „Direkt nach dem Spiel haben mich einige Leute aus Kroatien angerufen, und die sagten mir, dass es ein klarer Elfmeter an Jelavic war“, wetterte er verbittert.

„Vielleicht ist das subjektiv, aber ich habe das Recht, unglücklich zu sein“, sagte Bilic. Sogar das Zustandekommen der italienischen Freistoß-Führung durch Andrea Pirlo zog er hinterher in Zweifel - obwohl Ivan Rakitic Stürmer Mario Balotelli ziemlich eindeutig an der Strafraumgrenze gelegt hatte.

Ob Bilic nun Sanktionen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) drohen, ist ebenso unklar wie das Motiv für seine Ausraster - wenn es denn eins gibt. Für spontane Unmutsbekundungen ist Bilic eigentlich nicht bekannt, eher passt taktisches Kalkül zur Vita des promovierten Juristen. Vielleicht wolle er vor dem abschließenden Vorrundenspiel gegen Spanien am Montag noch mal von seinem Team ablenken, um den Spielern eine konzentriertere Vorbereitung zu ermöglichen, spekulierten kroatische Medienvertreter am Freitag.

dpa

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