Ballack schimpft weiter - Löw bleibt cool

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Der Abschied fällt Michael Ballack schwer. Er wehrt sich gegen die Darstellung von DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Leverkusen - Michael Ballack schickt wegen seiner Ausbootung massive Vorwürfe in Richtung des Bundestrainers. Joachim Löw teilte indes mit, dass er zu seinen Aussagen stehe.

Der Rosenkrieg zwischen Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Löw eskaliert: Während Löw auch am Sonntag an seiner Darstellung der Gespräche mit dem Capitano festhielt, warf der wütende Ballack dem Bundestrainer und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Verfälschung der Tatsachen vor. "Ich finde es schade, jetzt erneut Aussagen lesen zu müssen, die nicht der Wahrheit entsprechen und auf die ich reagieren muss. Es war klar und unmissverständlich von beiden Seiten vereinbart, dass ich meine Entscheidung, zurückzutreten, in Ruhe in der Sommerpause selbst verkünden darf“, teilte der 34 Jahre alte ehemalige Nationalmannschaftskapitän am Sonntag in einer persönlichen Erklärung, die dem SID vorliegt, mit.

Bundestrainer Löw reagierte am Sonntagabend erneut gelassen auf die neuerlichen Vorwürfe von Ballack. Löw untermauerte, dass er dem Mittelfeldspieler in dem Gespräch am 30. März unmissverständlich klar gemacht hatte, dass er nicht mehr mit ihm plant: „Ich habe die Erklärung von Michael gelesen und kann nur wiederholen: Ich stehe weiterhin zu meinen Aussagen“, sagte Löw.

Ballack wirft dem DFB vor, die Inhalte eines Gesprächs von ihm mit Löw Ende März verfälscht wiedergegeben zu haben. „Wenn der Bundestrainer Wolfgang Niersbach erzählt haben sollte, er habe bei unserem Gespräch am 30. März zu mir gesagt: 'Micha, das war s für dich und lass das jetzt mal sacken', oder 'Ich plane nicht mehr mit dir', dann ist das schlichtweg nicht wahr. Das genaue Gegenteil war der Fall“, teilte Ballack mit.

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

Er wollte, so der 34-Jährige weiter, seinerzeit von Löw wissen, wie er in Zukunft mit ihm plane. „In diesem Gespräch vermittelte er mir, dass er mich nach meinen Verletzungen wieder auf einem guten Weg sieht und durchaus daran glaubt, dass ich es in jedem Fall noch einmal schaffen kann, in die Nationalmannschaft zurückzukehren; dass ich ein Kämpfertyp sei. Er hat mich motiviert und aufgefordert, nicht hinzuschmeißen“, berichtete der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen.

Niersbach hatte Samstag erklärt, dass Ballack seit dem 30. März gewusst habe, dass seine Nationalmannschaftskarriere vorbei sei. Erst im Mai sei bei ihm, so Ballack, endgültig der Entschluss gereift, zurückzutreten. „Diese Überlegung teilte ich dann dem Bundestrainer und auch Wolfgang Niersbach mit. Ich hielt einen Zeitpunkt im Sommer für angemessen“, so Ballack, „wir vereinbarten, dass ich in der Sommerpause meinen Rücktritt selbst bekannt geben dürfe.“

Ein genaues Datum, geschweige denn eine Frist, hätten dabei nie zur Debatte gestanden. Er habe erst unmittelbar vor der Pressemitteilung des DFB am vergangenen Donnerstag erfahren, „dass der Bundestrainer 'nicht mehr mit mir plant'“. Dies sei konträr „zu unserer Absprache“ erfolgt. Dabei habe er unmittelbar vor seinem Urlaubsende gestanden und sei seit Sonntag wieder „uneingeschränkt erreichbar“ gewesen.

Löw wollte indes dem aussortierten Leverkusener offenbar eine goldene Brücke bauen, damit dieser in den „Klub der Hunderter“ aufsteigt. „Wir haben ihm sogar angeboten, sowohl gegen Uruguay als auch gegen Brasilien zu spielen, um somit am 10. August in Stuttgart die außergewöhnliche Zahl des 100. Länderspiels zu erreichen. Einen Einsatz gegen Uruguay wollte Michael aber nicht, weil ihm die Zahl nicht so wichtig war, dass er sie unter allen Umständen erreichen wollte - so jedenfalls hat er es mir vermittelt“, sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach auf dfb.de.

Ballack, der nach DFB-Angaben seit dem 30. März von dieser Idee wusste, lehnte aber ab. Am 29. Mai hatte es das Benefizspiel gegen den WM-Vierten Uruguay (2:1) in Sinsheim gegeben.

Löw hatte am Freitag gelassen auf die Vorwürfe und Attacken von Ballack, der sich bis zuletzt Hoffnungen auf eine Teilnahme an der EURO 2012 in Polen und der Ukraine gemacht hatte, reagiert. „Ich weiß genau, was in meinen Gesprächen mit Michael besprochen wurde. An meinen Aussagen wird sich nichts ändern“, ließ der 51-Jährige über den DFB mitteilen. Ballack hatte Löw „Scheinheiligkeit“ vorgeworfen und das ihm angebotene Abschiedsspiel gegen Brasilien in Stuttgart als eine „Farce“ bezeichnet.

Die Aussagen sorgten nicht nur beim Bundestrainer, sondern auch bei Niersbach für Irritationen. „Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis, schon gar nicht für Begriffe wie 'Scheinheiligkeit' und 'Farce', die er in diesem Zusammenhang gewählt hat“, sagte Niersbach, der in den vergangenen Wochen offenbar die Rolle des Vermittlers übernommen hatte.

Völler: "Nicht mit Ruhm bekleckert!"

Bayer-Sportchef und Ex-DFB-Teamchef Rudi Völler beklagte sich am Sonntag auf der Saisonauftakt-Pressekonferenz in Leverkusen über die Scharmützel: „Alle Beteiligte, ich betone alle, haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Es ist nicht so durchgeführt worden wie wir das bei Bayer Leverkusen gewohnnt sind und wie es eigentlich funktionieren soll. Aber es ist nunmal so gelaufen, das muss man akzeptieren.“

Aus Niersbachs Sicht „sind alle Gespräche absolut korrekt und fair verlaufen. Der Bundestrainer hat Michael bei einem Treffen am 30. März klar gesagt, dass er nicht mehr mit ihm plant.“ Für Michael Ballack sei dies sicher eine schwierige Situation gewesen, „denn er selber hat ja darauf gesetzt, nach seinen schweren Verletzungen doch wieder in die Nationalmannschaft zurückzukehren“, so Niersbach. Dieser Version widerspricht Ballack vehement. Niersbach sei außerdem bei keinem einzigen Gespräch von ihm mit Löw dabei gewesen.

Allerdings hatte selbst der nicht gerade als Ballack-Freund geltende Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff in einer TV-Sendung gewettet, der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler würde wieder für die DFB-Elf auflaufen. Diese und andere öffentliche Aussagen aus DFB-Kreisen hatten Ballack offenbar veranlasst, auch in den letzten Monaten noch an ein Comeback in der Nationalelf zu glauben.

sid

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