Facebook-Phänomen entschlüsselt

Darum lieben wir Hans Sarpei

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Hans Sarpei mit dem DFB-Pokal

München - Hans Sarpei ist das vielleicht größte Facebook-Phänomen. Warum lieben wir einen alternden Fußballer, der so wenig spielt? Eine Agentur hat den Hype entschlüsselt.

Die Leistung kann es nicht sein. Hans Sarpei hat in der vergangenen Saison kein einziges Bundesliga-Spiel für den FC Schalke 04 absolviert. In der Spielzeit zuvor waren es auch nur neun Einsätze für den Außenverteidiger.

Trotzdem lieben alle Facebook-Nutzer den 36-Jährigen, der gerade über sein Karriereende nachdenkt. Wenn er sich entschieden hat, wie es weitergeht, wird die Welt davon automatisch über das soziale Netzwerk erfahren.

Hans Sarpei ist Kult. Unzählige Facebook-Gruppen beschäftigen sich mit dem Deutsch-Ghanaer, dem in noch unzähligeren Sprüchen wie "Hans Sarpei trinkt den Wasserhahn auf Ex" übermenschliche Fähigkeiten zugeschrieben werden. Dieses Privileg hatte vor ihm Actionstar Chuck Norris inne. Jetzt lieben alle Hans Sarpei.

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Was die Viralität angeht, also die Quote aus Fans und aktiven Fans, liegt Sarpei mit 40 Prozent Welten vor dem zweitplatzierten Sportler, FC-Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger (13 Prozent). Aber warum? Die Social-Media-Experten der Kommunikationsagentur Jung von Matt haben das Facebook-Phänomen, an dem sie als Berater selbst maßgeblich beteiligt waren, untersucht.

Was war der Auslöser des Kults?

Es gibt mehrere Theorien, die versuchen, den Kultstatus Hans Sarpeis zu erklären. Erstens haben die Schalke-Blogger von web04.de den Spieler ins Visier genommen. Zweitens hat Schalkes Alexander Baumjohann Sarpei veräppelt, als er von einem vermeintlichen Wechsel seines Mitspielers zum VfL Wolfsburg und Trainer Felix Magath twitterte. Hintergrund: Hans Sarpei hatte bei Wolfsburg bereits unter Magaths Training gelitten. Drittens spielte sich Sarpei beim Champions-League-Triumph Schalkes gegen Inter Mailand im April 2011 unerwartet ins Rampenlicht. Was war also der Auslöser des Kults?

"Die Antwort auf die aufgeworfene Frage lautet: Nichts von alledem, und von allem ein wenig", heißt es in der Studie. Die drei Theorien seien "weniger Auslöser als vielmehr Dünger auf den Nährboden des Hypes". Ein wenig abstrakt erklären die Experten von Jung von Matt, dass der Kultstatus auf der Schnittmenge von Hoffnung (Was kann Sarpei leisten?) und Empörung (Warum darf/kann er das nicht zeigen?) beruht. Im Zentrum dieses Schnittfelds steht die Ironie, prägnant zusammengefasst im facebooktypischen Slogan: "Hans Sarpei gefällt das."

Wie entwickelte sich der Hype?

Der Schalke-Fan Paul Stoian hat am 13. Mai 2011 die Facebook-Gruppe "Hans Sarpei gefällt das" gegründet, die wichtigste zu Sarpei. Kurze Zeit später entstanden mehr als 700 Gruppen dieser Art, viele davon als Abwandlungen alter Chuck-Norris-Sprüche. Sarpeis persönlicher Favorit ist: "Hans Sarpei - das 'L' steht für Gefahr".

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Warum ist der Hype geblieben?

Erst an dieser Stelle kommt Sarpei selbst ins Spiel. Mehr als ein halbes Jahr, nachdem der Hype entstanden ist, tritt er zum Beispiel in Werbespots zur Thematik auf. Außerdem suchte er sich einen Social-Media-Experten aus dem Hause Jung von Matt, Raphael Brinkert. Für die Experten ist entscheidend, dass Sarpei früh begann, sportfremde Themenfelder zu erobern und er sich im Vergleich zu anderen Sportstars auch aktuellen, gesellschaftlichen Themen widmete, und das mit ironischem Augenzwinkern. Die Meinung seiner Fans ließ er als Moderator dabei stets zu. Den interaktiven Trend um seine Person verstärkte er unter anderem durch die Verlosung von "Hans Sarpei gefällt das"-Shirts. "Nach und nach entwickelte sich Sarpeis Facebook-Seite zu einer Plattform, auf der er – in mittlerweile gewohnter Sarpei-Manier – situativ Stellung zu aktuellen Ereignissen bezieht", heißt es in der Studie. Nicht zuletzt haben die Medien durch ihre Berichterstattung über den Hype Öffentlichkeit geschaffen. "Trittbrettfahrer", so nennt die Agentur Jung von Matt die Presse in diesem Zusammenhang.

Wie geht es weiter mit Hans Sarpei?

Ob er sich noch einen Verein sucht, muss der Fußballer selbst entscheiden. Was den Kultstatus auf Facebook angeht, sind sich die Experten von Jung von Matt nicht sicher: "Es bleibt die Frage, ob ein rein digitaler Sarpei nicht langfristig mediale Präsenz einbüßen müsste." Das Potenzial für die digitale Fortsetzung seiner Karriere scheint gegeben. Hans Sarpei dürfte das gefallen.

Tobias Kimmel

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