Hamanns "Skandal-Buch": Darum geht's wirklich

+
Didi Hamann

London - Didi Hamanns Buch „The Didi Man“ hat in Deutschland als Vorabdruck schon hohe Wellen geschlagen. Am Mittwochabend stellte der Nationalspieler sein Werk in London offiziell vor.

Eine Lebensbeichte? Nein, sagt Didi Hamann, das sei seine Autobiografie nicht. Er setzt seine schnörkelige Unterschrift auf die erste Seite, „für Luke mit den besten Wünschen“, lacht herzlich und schüttelt dann die Hände der vielen Fans in der Londoner Waterstone's Buchhandlung. Die ganze Treppe hinunter haben sie gestanden und mit typisch englischer Geduld gewartet - schließlich war Didi Hamann als „german football legend“ angekündigt worden.

„The Didi Man - meine Liebesaffäre mit Liverpool“ ist ein Buch, das als Vorabdruck in Deutschland bereits hohe Wellen geschlagen hat. Das weiß auch Hamann, Ex-Nationalspieler, Champions-League-Sieger, eine Ikone der Scousers. „Ich wollte die vergangenen 20 Jahre aufrollen“, sagt er im SID-Gespräch, „im professionellen Leben, und die private Sache auch.“

Eben darum geht es, diese „private Sache“. Genauer gesagt: Suff und Zockerei, Exzesse in Hamanns Zeit bei Manchester City. Nach dem Scheitern seiner Ehe, schreibt er, habe er unter Schlaflosigkeit gelitten und in einer Nacht bei einer Cricket-Wette umgerechnet etwa 345.000 Euro verloren. „Das ist ein Teil meiner Vergangenheit“, sagt der 38-Jährige.

Ein Teil des Lebens, ein trauriger Teil zwischen Drinks und Spielsucht, der im Buch aber nur eine Episode ist. Langfristig, glaubt Hamann, und damit hat er wohl auch recht, werde seine Zeit beim FC Liverpool alles überstrahlen. Mit den „Reds“ gewann er 2001 den UEFA-Cup, 2005 die Champions League in diesem „Finale des Wahnsinns“ in Istanbul - gegen den AC Mailand nach einem 0: 3-Rückstand. Die Wende kam damals mit dem „Didi Man“.

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

Deshalb ist er in Liverpool eine Legende. Dennoch kann er sich eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen, er blickt auf fünf erfolgreiche Jahre bei Bayern München zurück. Derzeit arbeitet er an seiner Trainerlizenz. „Eins nach dem anderen“, sagt er, „sollte es tatsächlich mal so sein, dass ich in Liverpool oder vielleicht bei den Bayern als erster Mann bin, wäre das natürlich eine tolle Sache. Aber das ist im Moment sehr weit weg.“ Hamanns letzte Station als Trainer war der englische Fünftligist Stockport County.

Als TV-Experte - etwa für den Sportsender ESPN - behält er aber auch die Bundesliga im Blick. Den FC Bayern bezeichnet er als „wahrscheinlich am besten geführten Klub in Europa. Es ist alles da, es wird alles für die Spieler getan.“ Aber: „In Liverpool gibt es eine andere Beziehung zwischen Fans, Verein und Mannschaft.“

Das ist auch am Mittwochabend in London zu spüren, viele Reds-Fans sind gekommen. Sie klopfen Hamann auf die Schulter, sie bedanken sich, und der Deutsche, der in England verehrt wird, genießt es, schüttelt Hände, gibt Autogramme, „für Chris“. Dann verschwindet er in der Londoner Nacht. Hinter ihm steht auf einem Werbeschild: „Meet the German Scouser!“

sid

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare