Hallo Bundesliga, Jürgen am Apparat!

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Jürgen Klinsmann setzt auf "deutsche" Spieler

Philadelphia - „Deutsche“ Spieler stellen beim ersten Länderspiel unter Jürgen Klinsmann die zweitgrößte Gruppe im Kader der Fußball-Nationalmannschaft der USA. Es könnten noch mehr werden.

Gut möglich, dass bei Ralf Rangnick, Mirko Slomka oder Dieter Hecking bald häufiger Telefonanrufe mit der Vorwahl „001“ eingehen. Bis zum Beginn der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien im Juni des nächsten Jahres will Jürgen Klinsmann wissen, auf wen er sich verlassen kann bei seiner geplanten Neuausrichtung der Fußball-Nationalmannschaft der USA. Bisher stehen Kandidaten aus der Bundesliga oben auf seiner Liste, sechs „Deutsche“ hatte er für sein erstes Länderspiel am Mittwoch in Philadelphia gegen Mexiko nominiert. Ob das so bleibt, hängt erst mal auch von Armin Veh oder Benno Möhlmann ab.

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„Ich bin gerade dabei, ein Struktur aufzubauen“, erklärt Klinsmann vor dem ersten Länderspiel seiner Amtszeit. „Die Kontaktaufnahme zu den Trainern wird erst mal das Wichtigste für mich sein, aber wir müssen auch Leute aufbauen in Deutschland, in Europa, die unsere Spieler regelmäßig beobachten.“ Auf seiner Seite des Atlantiks hat Klinsmann in der Tat schon ein paar Scouts, sie achten auf die mexikanische Liga, und so ist womöglich kein Zufall, dass vier der von ihm nominierten US-Nationalspieler dort spielen. „Die mexikanische Liga ist sehr stark“, sagt Klinsmann - und sie spielt vor der Haustür.

Mit Steven Cherundolo hat Klinsmann selbst zwei Mal gesprochen zwischen seiner Vorstellung und der Nominierung. „Nur kurz, wir hatten nicht so viel Zeit“, sagte der Routinier von Hannover 96. Klinsmann hat ihn kurz vorher im Auditorium des Traingsgeländes der Footballmannschaft der Philadelphia Eagles einen Teil des „Rückgrat“ seiner Mannschaft genannt, Cherundolo darf also erst mal selbstbewusst auftreten. „Die wissen, was ich kann“, sagt er cool, „und ich kann der Mannschaft immer noch helfen“, ergänzt der 32-Jährige. Mirko Slomka wird vermutlich eher selten von Klinsmann hören. Erst mal.

Denn mit Dieter Hecking, Trainer des 1. FC Nürnberg, hat Klinsmann vor dem vergangenen Wochenende auch schon gesprochen. Klinsmann hatte zunächst Timothy Chandler berufen. Doch der aufstrebende Rechtsverteidiger war angeschlagen, er flog nach seinem Bundesliga-Einsatz bei Hertha BSC Berlin (1:0) dann doch nicht in die „City of Brotherly Love“. „Wir haben aber vereinbart, dass Timmy zu den beiden nächsten Spielen kommt“, berichtet Klinsmann. Die wären am 2. September in Los Angeles gegen Costa Rica und am 6. September in Brüssel gegen Belgien. Chandler, 21 Jahre alt, spielt auf der Position von Cherundolo.

Als Sonderfall wird einstweilen Michael Bradley behandelt. Dem Sohn seines geschassten Vorgängers Bob Bradley will Klinsmann über die Nationalmannschaft „einen neuen Start“ ermöglichen. Er habe darüber mit Lucien Favre gesprochen, erzählt der US-Nationaltrainer, „Gladbach plant derzeit ohne ihn, aber dennoch bestätigen sie, dass er einen hervorragenden Job im Training macht, dass er in jedem Training alles gibt.“ Aber, er spiele nicht, und auch Ricardo Clark sei bei Eintracht Frankfurt eben nicht zum Einsatz gekommen, weiß Klinsmann. Er hat Bradley und Clark trotzdem mal eingeladen.

Sehen wollte Klinsmann auch Jermaine Jones, der sich am ersten Bundesliga-Spieltag in die Anfangsformation von Ralf Rangnick bei Schalke 04 gekämpft hat, oder Edson Buddle, der vor seinem Wechsel zum FC Ingolstadt im vergangenen Winter ein treffsicherer Stürmer in der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) war. Sie gehören wohl zu den Spielern, von denen er sagt, er wolle sie kennenlernen, „auch mit ihren Problemen.“ Viele Alternativen hat Klinsmann nicht. „Aber wir fangen ja gerade erst an“, sagt er lachend, „und Amerika hat unglaubliche Ressourcen.“

Vielleicht wird Klinsmann deshalb eines Tages nicht mehr „+49“ vorwählen.

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