Kuntz knipst, zuletzt trifft Lahm

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26. Juni 1996: Stefan Kuntz im Kampf gegen zahlreiche Engländer

München - Sechs Mal stand die deutsche Elf schon in einem EM-Halbfinale. Vier der Spiele gingen für das DFB-Team in die Hose. Ein Überblick.

Die Generation um Franz Beckenbauer, Günter Netzer und Gerd Müller holte 1972 den ersten EM-Titel - Oliver Bierhoff sorgte mit seinem „Golden Goal“ 1996 für den bislang letzten Triumph. Am Donnerstag kämpft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Warschau gegen Italien zum insgesamt siebten Mal um den Einzug in ein Europameisterschafts-Finale. Die Bilanz ist verheißungsvoll, denn erst ein Semifinale wurde 1988 verloren. Beim zweiten der insgesamt drei EM-Triumphe 1980 unter Jupp Derwall hatte es kein Halbfinale gegeben.

Die deutschen Halbfinal-Spiele bei EM-Endrunden:

14. Juni 1972 in Antwerpen: Belgien - Deutschland 1:2

Sechs Wochen nach dem historischen Triumph in Wembley gegen England (3:1) im EM-Viertelfinale ist Helmut Schöns Truppe mit Beckenbauer und Netzer als Strategen sowie „Bomber“ Gerd Müller vom Gastgeber nicht zu stoppen. Schon in der 24. Minute „müllert“ es in Antwerpen, in der 71. Minute erhöht der Bayern-Stürmer. Das Anschlusstor der Belgier zum 2:1 tut nicht mehr weh. Im Finale fegen Beckenbauer & Co. drei Tage später die UdSSR mit 3:0 vom Platz. „Es macht Spaß, Kapitän einer so großartigen Mannschaft zu sein“, schwärmt Franz Beckenbauer.

17. Juni 1976 in Belgrad: Jugoslawien - Deutschland 2:4 n.V.

Bevor Uli Hoeneß im verlorenen Finale gegen die Tschechoslowakei seinen Elfmeter in den Belgrader Nachthimmel knallt, „müllert“ es im Halbfinale wieder. Danilo Popivoda und Dragan D¸ajic haben die Jugoslawen nach einer halben Stunde mit 2:0 in Führung gebracht. Der eingewechselte Heinz Flohe trifft zum 1:2. Und dann kommt Dieter Müller: Der Stürmer des 1. FC Köln erzielt mit der ersten Ballberührung nach einem Eckball das 2:2. In der Verlängerung schlägt der 22-Jährige noch zweimal zu (115./119.). „Um nervös zu sein, hatte ich gar keine Zeit“, meint der Länderspiel-Debütant anschließend.

21. Juni 1988 in Hamburg: Deutschland - Niederlande 1:2

Jürgen Kohler gegen Marco van Basten - schon im Vorfeld gilt das Duell des Abwehrspielers mit dem genialen Stürmer als spielentscheidend. Und so kommt es auch: In der 89. Minute geht Kohlers Grätsche nach einem langen Ball in den Strafraum ins Leere, im Fallen erzielt van Basten für den späteren Europameister das 2:1-Siegtor. Der einzige deutsche Halbfinal-K.o. ist besiegelt. Zuvor haben Lothar Matthäus und Ronald Koeman jeweils per Elfmeter getroffen. Kohler bezeichnet den verlorenen Zweikampf als „Meilenstein auf dem Weg nach ganz oben“. Zwei Jahre später ist der eisenharte Verteidiger beim WM-Triumph in Italien auf dem Gipfel.

21. Juni 1992 in Stockholm: Schweden - Deutschland 2:3

Im Duell Gastgeber gegen Weltmeister trumpft ein kleiner Mann ganz groß auf: Thomas Häßler wirbelt die Schweden durcheinander. „Icke“ erzielt per Freistoß auch das 1:0. Karl-Heinz „Air“ Riedle trifft anschließend doppelt zum 2:0 und zum entscheidenden 3:1 (89.). Die Schweden-Treffer durch Thomas Brolin und Kennet Andersson ändern nichts mehr am Finaleinzug. Häßler wird zum besten Spieler des Turniers gewählt. Doch im Endspiel gegen Dänemarks „Spaß-Truppe“ (0:2) bleibt ihm die Krönung der eigenen Leistung mit dem Titelgewinn versagt.

26. Juni 1996 in London: England - Deutschland 1:1 n.V., 6:5 i.E.

Im Krimi von Wembley endet „Football's coming home“ für England mit Tränen. Neben Führungsfiguren wie Klinsmann und Sammer prägen Kämpfer wie Helmer, Freund und Eilts das letzte deutsche EM-Siegerteam. Alan Shearer bringt England in der 3. Minute in Führung. Stefan Kuntz, der für den verletzten Klinsmann stürmt, gleicht aus (16.). In der dramatischen Verlängerung verpasst Darren Anderton mit einem Pfostentreffer das „Golden Goal“. Im Elfmeterschießen treffen alle Schützen, bis Gareth Southgate an Andreas Köpke scheitert. Andreas Möller schießt Deutschland als letzter Schütze ins Finale. Vier Tage später darf Klinsmann nach Bierhoffs „Golden Goal“ gegen Tschechien (2:1 n.V.) aus der Hand der Königin den Pokal in Empfang nehmen.

24. Juni 2008, Basel: Deutschland - Türkei 3:2

Als sich die meisten im St. Jakob-Park bereits mit der Verlängerung gegen die Last-Minute-Türken abgefunden haben, ist Philipp Lahm zur Stelle. Entschlossen dringt der Abwehrmann in der 90. Minute in den Strafraum ein und vollstreckt zum 3:2. Die Partie in Basel scheint nach Toren von Bastian Schweinsteiger (26.) und Miroslav Klose (79.) schon entschieden, doch die Türkei schlägt zum dritten Mal im Turnier im Endspurt zurück. Auf den späten Lahm-Treffer bleibt aber selbst Fatih Terims Überraschungsteam die Antwort schuldig. Im Finale in Wien ist dem DFB-Team das Glück nicht mehr hold: Spanien verhindert mit dem 1:0-Sieg den vierten Titelgewinn für Deutschland.

dpa

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