Guardiola dämpft rosarote Bayern-Stimmung: "Viel Arbeit"

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Josep Guardiola mahnt, die Bayern müssten noch viel arbeiten. Foto: Maurizio Gambarini

Berlin (dpa) - Ausgerechnet Pep Guardiola dämpfte die Münchner Feierstimmung schon in der Vorweihnachtszeit. "In der zweiten Halbzeit haben wir gemerkt: Wir haben viel Arbeit", erklärte ein nachdenklicher Bayern-Coach nach einem 1:0-Pflichtsieg bei Hertha BSC.

Nachdem die Chefs die Zukunft ihres Vereins auf der großen Bayern-Versammlung mit Rekordzahlen in rosaroten Farben gemalt hatten, meldete der wichtigste Mitarbeiter zumindest noch ein bisschen notwendige Plackerei und Mühsal an. "Wir sind erst im November. Wir haben noch viele Dinge zu verbessern", sagte Guardiola.

Ein wenig beschlich die Beobachter in den Katakomben des Berliner Olympiastadions der Eindruck, die zunächst dominante, dann eher mit halber Kraft verwaltete Vorstellung seines Teams am 13. Bundesliga-Spieltag habe dem Fußball-Lehrer Guardiola in die Karten gespielt. Die Bayern-Mitglieder berauschten sich am verkündeten Konzern-Umsatzrekord von 528,7 Millionen Euro und einem Gewinn von 16,5 Millionen Euro aus der Spielzeit 2013/14.

Sportlich ist der Vorsprung auf die folgenden Clubs schon vier Runden vor dem Hinrunden-Abschluss so groß, dass nur noch über eine noch frühere Meisterfeier als in der Vorsaison diskutiert wird. "Wir arbeiten auch jeden Tag dafür, dass es uns in der Zukunft weiter gut geht", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in Berlin.

Da passte es dem Cheftrainer, dass er wieder einmal mahnen konnte: "Jedes Spiel ist schwer." Um die interne Spannung auch auf nationaler Bühne aufrechtzuerhalten. Allerdings hätte es nach 80 Prozent Ballbesitz und gleich sieben, acht dicken Torchancen weit höher für den FC Unbezwingbar der Bundesliga stehen müssen. "Es ist dann immer gefährlich, wenn du nur 1:0 führst", meinte Guardiola und bemängelte eine verloren gegangene Kultur und Spielweise nach der Pause. "Vielleicht waren wir nach 70 Minuten in Unterzahl in Manchester ein bisschen müde, unser Spiel war ein bisschen langsamer."

Doch das sechste Saisontor von Arjen Robben nach 27 Minuten reichte in der mit 76 197 Zuschauern ausverkauften Arena zum 16. Sieg der Bayern im 20. Saison-Pflichtspiel. Die erst spät mutiger werdenden Herthaner vermochten es nicht, die ganz kleinen Wackler der Bayern auszunutzen. "Der Trainer hat in der Pause gesagt, dass wir zu viel Respekt haben", berichtete der zum Innenverteidiger umgeschulte Jens Hegeler: "Die zweite Hälfte hat gezeigt, dass mehr drin war."

Aber bei einer Aktion von Salomon Kalou, einem 35-Meter-Freistoß von Ronny und vor allem der letzten Schusschance von John Anthony Brooks fehlten die letzte Konsequenz "und auch ein bisschen Glück", bemerkte Hertha-Coach Jos Luhukay: "Das Ergebnis ist schade für uns, für die fast 80 000 im Stadion. Mit einem Punkt hätten wir gut leben können." Das 2:1 vor fast sechs Jahren bleibt das letzte Erfolgserlebnis gegen die Bayern. So nimmt die Hertha bei weiter 14 Zählern nur "neue Hoffnung" (Luhukay) mit ins schwere Restprogramm des Jahres 2014.

"1:0 - das passiert schon mal, wir können nicht immer top spielen", bemerkte Robben zum Abschied aus Berlin. Gern würde er mit seinen Kollegen im kommenden Jahr zum Champions-League-Finale und DFB-Pokalendspiel nochmals hier spielen. Hinter diesen Zielen steht auch bei Guardiola alles andere zurück. Das Angebot von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zu einer noch längeren Zusammenarbeit bei der Mitgliederversammlung hat für ihn keine obere Priorität. "Wir haben Zeit, um dieses Thema zu besprechen", sagte der Spanier.

Guardiola nahm die Funktionsstörungen in Hälfte zwei ein Stück mit auf seine Kappe. Zunächst hatte er den Matchwinner im Quintett seiner überragenden Offensivkräfte zentral gestellt. "Ungefähr" als Raute skizzierte Robben das Zusammenspiel mit Frank Ribery, Mario Götze, Thomas Müller und Robert Lewandowski. Später wechselten Robben und Götze wieder die Positionen. "Das war keine gute Entscheidung", räumte der Bayern-Trainer ein. Auch für ihn bleibt also genug Arbeit.

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