Grings im Interview: "Der Druck ist da!"

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Inka Grings (l.) lauert auf den Titel

München - Im Interview spricht Nationalspielerin Inka Grings über ihre Gefühle vor der Frauenfußball-WM - und die drei Zutaten für einen Erfolg.

Jetzt wird’s ernst! Noch achtmal schlafen, dann ist es so weit: Anpfiff der Frauen-WM! Am Donnerstag glückte die Generalprobe: 3:0 im Test gegen Norwegen. Treffer landeten Simone Laudehr und Alex Popp. Eine dicke Chance hatte auch Inka Grings (32), Deutschlands erfolgreichste Torschützin. Wessen Rekord sie knacken will? Und ob es ein zweites Sommermärchen geben kann? Lesen Sie selbst…

Nach drei Monaten Vorbereitung auf diese WM zunächst mal die Gute-Laune-Frage: Können Sie Ihre Mitspielerinnen überhaupt noch sehen?

Grings (lacht): Die Gefahr besteht, dass man es leid ist. Aber im Ernst: Das Programm war gut durchorganisiert, sodass wir immer kurz vor dem Koller nach Hause gefahren sind. Der Gute-Laune-Faktor hat nicht gelitten.

Was hat Silvia Neid Ihnen denn bei den Lehrgängen eingeflößt?

Grings: Vor so einem Ereignis muss sie nicht mehr viel einflößen. Bei uns sind alle hoch motiviert und konzentriert – wir haben intensiv daran gearbeitet, dass das Zusammenspiel zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff passt.

Welche Gefühle überwiegen denn jetzt: Vorfreude? Druck? Nervosität?

Grings: Eine Mischung aus allem. Der Druck ist da, keine Frage. Aber ich sehe ihn als positiv an. Denn diese Aufmerksamkeit, die wir jetzt bekommen, wollten wir ja auch haben. Umso schöner ist es, das hier mitzuerleben. Und klar, Nervosität gibt es auch…

Wie viele Tore können Sie uns versprechen?

Grings: Hoffentlich so viele, dass es reicht, um Weltmeister zu werden!

Wissen Sie denn überhaupt, wie viele Tore Sie schon in der Bundesliga geschossen haben?

Grings: Lassen Sie mich nicht lügen: 352? Kann das sein?

Kommt hin.

Grings: Und der Rekord von Gerd Müller liegt bei 365, oder?

Wieso, jagen Sie den?

Grings: Ja. Der ist realistisch, denke ich.

Die beste Torschützin sind Sie jedenfalls jetzt schon. Dennoch denken bei Frauen-Fußball die meisten zunächst an Birgit Prinz…

Grings: Das stimmt schon. Ich glaube, sie hat das Glück gehabt, das ich nicht hatte. Sie ist meistens von Verletzungen verschont geblieben und war deswegen auf jedem Turnier immer voll präsent.

Also kommt die Aufmerksamkeit vor allem durch die Turniere zustande?

Grings: Ja, natürlich! Die internationale Bühne ist das Sprungbrett.

2004 wollten Sie nach einer Verletzung aufhören. Sie haben sich aber doch zurückgekämpft. Was war dafür ausschlaggebend?

Grings: Auf jeden Fall die Unterstützung von außen – gerade in der Anfangsphase, als ich einfach keine Kraft mehr hatte. Ich hatte fantastische Menschen in meiner Familie, die mich aufgebaut haben. Und wegen meines Willens und Ehrgeizes habe ich es dann auch gepackt.

Vermitteln Sie Wille und Ehrgeiz auch in Ihrem Buch?

Grings: Ja, das gibt im Sport den Ausschlag darüber, was man erreichen kann. Denn Talent alleine reicht nicht.

Was sind denn die wichtigsten Tipps, die Sie für die Mädchen bereit halten?

Grings: Das fängt logischerweise beim Fußballspezifischen an, wie man einfach, effektiv Gegnerinnen ausspielt. Dann gibt es zum Beispiel noch Tipps zur Ernährung, was ich sehr wichtig finde – und dann plaudert die Inka noch ein bisschen was über sich aus. Ein Rundum-Paket!

So schön ist der Frauenfußball

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Dürfen auch Jungs ins Buch schauen?

Grings: Unbedingt! Fußball ist ein Sport für alle. Die Jungs sollten sich auch nicht davon abhalten lassen, das Buch zu lesen, nur weil der Umschlag pink ist!

Sehen Sie sich als Botschafterin für den Frauen-Fußball?

Grings: Ich bin mir bewusst, dass ich gerade für junge Spielerinnen eine Vorbildfunktion habe. Aber ob ich Botschafterin bin, müssen andere beurteilen.

Ziemlich gute Werbung für Ihren Sport wäre ein Sieg bei der Heim-WM. Was sind denn die drei Zutaten für einen Erfolg?

Grings: Eine professionelle, durchdachte Vorbereitung, für einen selber der Spaß am Fußball – und dass die Harmonie in der Mannschaft stimmt.

Glauben Sie an ein zweites Sommermärchen nach 2006?

Grings: Das wollen wir nicht vergleichen. Wir wollen es fortsetzen – und ich bin davon überzeugt, dass es klappt, weil es das Highlight in Deutschland sein wird. Wenn es drauf ankommt, fiebert jeder mit. Fußball ist so wunderbar, deswegen wird sich Deutschland wieder von der besten Seite präsentieren.

Auch mit Männern auf der Tribüne?

Grings: Ganz sicher! Das ist etwas für die ganze Familie.

Interview: mic (tz)

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