Griff ins Leere: Torfrau Bardsley setzt englische Tradition fort

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Spielerinnen der Frauen-Nationalmannschaft aus Mexiko ließen sich nach dem Unentschieden gegen den Favoriten aus England feiern.

Wolfsburg - Wie die Männer, so die Frauen: Mit einem Patzer in „bester“ englischer Torhüter-Tradition hat Karen Bardsley den Geheimfavoritinnen von der britischen Insel den WM-Auftakt gründlich verdorben.

Beim 1:1 (1:1) gegen Mexiko ließ die 26-Jährige vom US-Klub Sky Blue einen haltbaren Distanzschuss von Monica Ocampo (33.) passieren und weckte Erinnerungen an ihre männlichen Pendants wie David Seaman oder David James. „Da hatte ich wohl etwas Glück“, sagte Angreiferin Ocampo mit einem Lächeln.

Jubel, Kampf und ein Griff ins Leere: England-Mexiko 1:1

Jubel und ein Griff ins Leere: England-Mexiko 1:1

Während die Engländerinnen nach Schlusspfiff rat- und wortlos vom Spielfeld schlichen, ließ sich der Außenseiter aus Mittelamerika ausgiebig feiern. Mit einer couragierten Leistung hatte das Team um Spielmacherin Maribel „Marigol“ Dominguez die Herzen der 18.702 Zuschauer in Wolfsburg erobert und sich den ersten Punkt seiner WM-Geschichte redlich verdient. „Das ist ein großer Tag für den mexikanischen Fußball“, sagte Nationaltrainer Leonardo Cuellar. In der Schlussphase hatte seine immer mutiger aufspielende Mannschaft sogar den Siegtreffer auf dem Fuß.

England dagegen kam mit den Temperaturen von bis zu 27 Grad kaum zurecht und verzögerte am Ende immer wieder das Spiel. Dabei war das Team von Nationaltrainerin Hope Powell, das den bislang einzigen Vergleich beider Teams deutlich 5:0 gewonnen hatte, durch einen Kopfball von Fara Williams (27.) durchaus verdient in Führung gegangen. Doch anschließend knüpften die „Löwinnen“ an die schwachen Leistungen aus der Vorbereitung an. Dort hatten sie zuletzt 0:2 gegen Australien und 0:3 gegen Nordkorea verloren.

Als Strafe folgte der Ausgleich durch Ocampo, die prompt zur Spielerin des Spiels gewählt wurde. „Dieses Tor war etwas ganz Besonderes, weil es uns in der WM gehalten hat. Es bedeutet mir sehr viel, schließlich war es erst Mexikos zweites Tor bei einer WM“, sagte die Torschützin. Englands Trainerin Powell gab zu: „Der Ball hat geflattert, aber sie hätte ihn halten können.“

In der Wolfsburger Arena hatten die Engländerinnen dominant begonnen, ohne sich jedoch große Torchancen zu erspielen. Englands Star Kelly Smith hatte mit einem Schuss in der siebten Minute noch die beste Möglichkeit. Die Mexikanerinnen konnten sich fast nicht mehr aus der eigenen Hälfte befreien und mussten nach einer Ecke das Gegentor hinnehmen. Mit einem Kopfball über die Torhüterin und alle Abwehrspieler hinweg erzielte Williams das 1:0.

Auch danach dominierten die Favoritinnen das Geschehen, völlig überraschend fiel jedoch der Ausgleich. Bei den Engländerinnen schlichen sich jetzt vermehrt Fehler ein, die die Mittelamerikanerinnen nach der Pause fast ausgenutzt hätten. Nach einem Handspiel schoss Dominguez einen Freistoß nur knapp am Tor vorbei (49.)

Zudem hatten die Außenseiterinnen Pech, dass Schiedsrichterin Silvia Reyes aus Peru in der 60. Minute einen klaren Strafstoß nicht gab. Das Wolfsburger Publikum schlug sich daraufhin auf die Seite der Mexikanerinnen und bejubelte jeden ihrer Angriffe. Im Anschluss entwickelte sich eine ausgeglichene Begegnung, ohne dass sich allerdings eine Mannschaft weitere klare Torchancen erspielen konnte.

Beste Spieler der Mexikanerinnen waren Ocampo und Dominguez, bei den Engländerinnen überzeugten mit Abstrichen Williams und Eniola Aluko.

SID

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