DFB greift durch: Geisterspiel für Rostock

+
Am 19. November war es zu Ausschreitungen gekommen

Rostock - Turbulenter Tag für Hansa Rostock: Der Zweitligist hat in Wolfgang Wolf einen Nachfolger für Peter Vollmann präsentiert. Der Einspruch gegen ein “Geisterspiel“ scheiterte dagegen. Hansa berät nun über einen erneuten Einspruch.

Hansa Rostock ist in den Schlagzeilen wie in besten Bundesliga-Zeiten. Erst präsentierte der stark abstiegsgefährdete Fußball-Zweitligist am Mittwoch Wolfgang Wolf als Nachfolger seines tags zuvor entlassenen Trainers Peter Vollmann. Wenige Stunden später stand fest: Dem Neuen droht bei seinem Heimdebüt ein Spiel vor leeren Rängen. Hansas Einspruch gegen einen Antrag des DFB-Kontrollausschusses, nach den Ausschreitungen im Nordderby gegen den FC St. Pauli ein Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu bestreiten, wurde abgeschmettert.

Entgegen ersten Aussagen hatten die Rostocker am Mittwochabend noch keine Entscheidung über einen Einspruch gegen das DFB-Urteil über die Austragung eines Heimspiels ohne Zuschauer getroffen. Der Verein berate noch über die weitere Vorgehensweise, sagte ein Hansa-Sprecher. Zunächst hatte Hansa mitgeteilt, gegen das vom DFB-Sportgericht gefällte Urteil keinen Einspruch einlegen zu wollen.

Sollte diese Aussage Bestand haben, würde Hansa das Heimspiel am 18. Dezember gegen Dynamo Dresden vor leeren Rängen bestreiten. Es wäre das zweite “Geisterspiel“ in der 2. Bundesliga nach der Partie Alemannia Aachen - 1. FC Nürnberg am 26. Januar 2004. Das Spiel wurde ohne Zuschauer wiederholt, weil Wolfgang Wolf, damals Trainer beim “Club“, von einem Wurfgegenstand am Kopf getroffen worden war.

Für die Rostocker bringt das Spiel ohne Zuschauer finanzielle Einbußen in sechsstelliger Höhe, für alle Beteiligten aber auch weniger Aufregung. Die zurückliegenden Vergleiche zwischen den beiden ehemaligen DDR-Oberligisten waren wiederholt von Auseinandersetzungen rivalisierender Fans begleitet.

Die Rostocker hatten gegen den Antrag des Kontrollausschusses in erster Instanz am vergangenen Freitag fristgerecht Einspruch eingelegt. Das geforderte Strafmaß sei “unverhältnismäßig und nicht zweckdienlich“, sagte Hansas Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann danach. Mit einem “Geisterspiel“ würden die Ursachen der kriminellen Handlungen weder bekämpft noch gelöst, betonte der 42-Jährige.

Das Duell der beiden Nordclubs stand am 19. November kurz vor dem Abbruch, nachdem im Hamburger Fanblock bengalische Feuer abgebrannt worden waren. Rostocker Anhänger schossen daraufhin Leuchtraketen in den Gästeblock. Hansa Rostock sprach in dem Zusammenhang bisher weit über 50 bundesweite Stadionverbote aus. Insgesamt sind gegen über 70 Personen Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Der FC St. Pauli wurde wegen der Vorkommnisse zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt. Das Strafmaß wurde laut DFB-Mitteilung von 20 000 Euro im ursprünglichen Antrag des Kontrollausschusses reduziert, da neues Beweismaterial nachgewiesen habe, dass keine diskriminierenden Rufe der Gäste-Fans vorlagen. “Dank unseres Einspruchs wurde ein angemessenes Strafmaß festgelegt“, sagte Paulis Präsident Stefan Orth.

Hansas neuer Trainer Wolf verbreitete bei seiner Vorstellung Zuversicht. “Ich bin überzeugt davon, dass wir mit harter Arbeit unser gemeinsames Ziel Klassenerhalt erreichen können“, sagte er. Am Mittwochnachmittag leitete der 54-Jährige das erste Training in Vorbereitung auf das Auswärtsspiel am Freitag in Paderborn.

Der neue Chef-Übungsleiter erhält zunächst einen Vertrag bis Saisonende. Dieser verlängert sich im Falle des Ligaverbleibs automatisch um ein Jahr. “Wolfgang Wolf war unser Wunschtrainer und erster Ansprechpartner. Er hat uns mit seiner Art und seinen Vorstellungen überzeugt. Er passt zu Hansa und unserer Philosophie“, sagte Rostocks Manager Stefan Beinlich über den Ex-Profi.

Der gebürtige Pfälzer verfügt über große Erfahrungen im Trainergeschäft. In der Bundesliga trainierte er den VfL Wolfsburg, den 1. FC Nürnberg und den 1. FC Kaiserslautern. Zuletzt war Wolf bis zum Februar dieses Jahres beim Drittligisten Kickers Offenbach tätig. Hansa hatte Vollmann am Dienstag wegen der anhaltenden sportlichen Talfahrt mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Der Traditionsverein liegt bei Ligahalbzeit auf Abstiegsrang 17 und hat mit elf Punkten so wenige Zähler auf seinem Konto wie noch nie in seiner Ligageschichte.

Brandgefährlich: Fans außer Kontrolle

Strec
dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare