Gratwanderung für Löw und seine Elf

Bierhoff warnt: EM-Aus kann schnell kommen

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Mahnt zur Konzentration: DFB-Manager Oliver Bierhoff

Lwiw - Obwohl die Jungs von Joachim Löw bisher auf eine optimalen EM-Ausbeute verweisen können, droht gegen Dänemark das Turnier-Aus. Manager Bierhoff warnt. Der Bundestrainer bleibt gelassen.

Joachim Löw war kurz angebunden. Der Bundestrainer musste zum Abschlusstraining seiner Mannschaft und hatte nicht viel Zeit. Aber auch in aller Kürze machte der 52-Jährige noch einmal deutlich, dass das letzte Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft am Sonntag in Lwiw gegen Dänemark (20.45 Uhr/ARD) von großer Brisanz ist.

„Die Ausgangssituation ist klar, wir sind noch nicht definitiv qualifiziert und brauchen noch einen Punkt. Wir stehen vor einem sehr kniffligen Spiel, da auch Dänemark noch eine Chance hat. Ich denke, dass die Dänen deshalb völlig befreit aufspielen und eine Sensation schaffen können“, sagte Löw - er warnte seine Mannschaft davor, das Spiel nach den beiden Siegen gegen Portugal (1:0) und die Niederlande (2:1) auf die leichte Schulter zu nehmen.

Der Bundestrainer lobte den Gegner in den höchsten Tönen: „Dänemark ist eine kompakte Einheit, die mit stoischer Ruhe ihre taktischen Aufgaben absolviert. Sie haben auch Spieler, die ein bisschen herausragen - Daniel Agger, Christian Eriksen oder Nicklas Bendtner. Aber es ist eine Mannschaft, die unglaublich gut aufeinander eingestellt ist - eine homogene, abgeklärte, reife und auch dynamische Mannschaft.“

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Dennoch sei das Ziel klar. „Wir wollen Gruppenerster werden“, sagte Löw. Der Gruppensieg sei wichtig, weil die deutsche Mannschaft dann ihr Viertelfinale in Danzig austragen könnte und bei einem Halbfinaleinzug ebenfalls in Polen (Warschau) bliebe - und nicht wieder in die Ukraine reisen müsste. Dies verdeutlichte Löw kurz vor der Abschlusseinheit seiner Mannschaft auf einem UEFA-Trainingsplatz, wo sich der Bundestrainer, der wegen einer Platzsperre das letzte Training nicht in der Arena Lwiw abhalten konnte, auch letzte Aufschlüsse für seine Aufstellung gegen die Dänen holen wollte. Denn mit welchem Personal Löw am Sonntag antritt, war auch am Tag davor noch offen.

Klar ist, dass der gesperrte Jerome Boateng auf der rechten Abwehrseite der Viererkette ersetzt werden muss. Favorit ist Lars Bender, auch wenn Löw noch eine weitere Variante ins Gespräch brachte. „Die Frage, wer beginnt, ist: Lars Bender oder Benedikt Höwedes.“ Den Schalker hatte er in den Tagen zuvor nie namentlich erwähnt, sondern gesagt: „Philipp Lahm könnte nach rechts, dafür Marcel Schmelzer links spielen. Auch eine Dreierkette und eine andere offensive Anordnung wäre möglich.“

Offen ließ Löw auch, ob Lukas Podolski (27) gegen die Dänen sein Jubiläum feiern und sein 100. Länderspiel bestreiten wird. „Wenn ich einen anderen Spieler bringe, dann, weil ich denke, dass diese Entscheidung für unsere Mannschaft und für unsere Spielweise gut ist. Wenn es eine Änderung gibt, dann aus Überzeugung“, sagte Löw und ließ damit wieder mal Raum für Spekulationen.

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Unabhängig vom Personal müsse am Sonntag das erste Etappenziel erreicht werden, betonte der Bundestrainer ungeachtet aller Rechenspiele in der Gruppe B. Gegen Dänemark nicht verlieren ist gleich „Heim“-Viertelfinale in Danzig - diese einfache Formel hat der Bundestrainer seiner Mannschaft eingehämmert.

Mit einem Sieg könnte die DFB-Auswahl nebenbei sogar noch eine Bestmarke aufstellen: Noch nie seit der Einführung des Gruppenmodus 1980 hat eine deutsche Nationalmannschaft eine EM-Vorrunde mit drei Siegen abgeschlossen. „Wir denken nicht an Rekorde, für uns zählt nur der Gruppensieg“, versicherte Teammanager Oliver Bierhoff.

Auch für die Spieler sind solche Details oder Rechenspiele nicht wichtig. Für sie zählt nur das Weiterkommen. Mario Gomez, mit drei Treffern bislang der herausragende Akteur im deutschen Team, sieht in der Gruppen-Konstellation sogar einen besonderen Reiz: „Ich finde es gut, dass wir uns nicht ausruhen können. Wir wissen, dass wir noch einen Punkt brauchen. Diesen Punkt wollen wir uns unbedingt holen, wir wollen auch das letzte Spiel in der Gruppe gewinnen.“

Dass noch etwas schiefgehen könnte, davon geht zumindest Kapitän Lahm nicht aus: „Wir haben eine hervorragende Ausgangsposition. Wir können mit einem Punkt alles klar machen, das wollen und das werden wir uns nicht entgehen lassen.“

Unterdessen warnte Mesut Özil vor Selbstgefälligkeit: „Wir haben zwei Topnationen besiegt. Trotzdem benötigen wir noch einen Punkt, um sicher im Viertelfinale zu sein. Darum werde ich mich jetzt nicht hinstellen und jubeln, wie gut wir doch sind. Gegen Dänemark müssen wir wieder alles abrufen und sehr aufpassen.“

dpa/SID

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