Gomez-Blessur trübt Bayern-Freude

Villarreal - Dem FC Bayern ist ein Traumstart in die Champions League geglückt. Doch Mario Gomez' Verletzung trübt die Stimmung. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge tritt auf die Euphoriebremse.

Mario Gomez stand in den Katakomben, fasste sich an die rechte Leiste und zog ein Gesicht, als machte sich dort ein lästiges Insekt zu schaffen. „Ein Ziehen“ habe er da gespürt, berichtete er mit schmerzverkrümmter Miene. „Das ist bitter, weil ich voll im Saft stand“, sagte Gomez über die erneut aufgebrochenen Adduktorenprobleme, die die Freude von Bayern München über den Traumstart in die Champions League mit dem 2:0 (1:0) beim FC Villarreal trübten.

Der zuletzt überragende Stürmer wird im wichtigen Auswärtsspiel am Sonntag bei Schalke 04 wohl fehlen - wie Abwehrspieler Daniel van Buyten, der erneut über Achillessehnenschmerzen klagte. Während die Kollegen den ersten Erfolg in Spanien seit zehn Jahren am Donnerstag beim lockeren Auslaufen im sonnigen Valencia genossen, wurden die traurigen Rekonvaleszenten im Hotel behandelt.

Besonders schwer wiegt der Umstand, dass beide Spieler die jeweils gleiche Verletzung erst vor wenigen Tagen überwunden hatten. „Solche Spieler verlierst du ungern“, sagte Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger ernst. Immerhin: Längere Pausen befürchtet Trainer Jupp Heynckes nicht, Christian Nerlinger nannte die Blessur von Gomez „nichts Ernsthaftes“.

Lieber wollte der Sportdirektor ohnehin über die „sehr überzeugende Partie“ vor 19.168 Zuschauern sprechen, die Toni Kroos (7.) und der für van Buyten gekommene Rafinha (76.) mit ihren Toren entschieden hatten. „Die Entwicklung der Mannschaft ist sehr erfreulich“, sagte Nerlinger, das spanische Sportblatt Marca schrieb gar, die starken Bayern hätten ihre „Kandidatur auf den Titel“ eingereicht. Kapitän Philipp Lahm ergänzte: „Wenn wir konzentriert bleiben, haben wir eine rosige Zukunft vor uns.“

Mit Blick auf den „wunderbaren Start“ mit Platz eins in der schweren Gruppe A und eingedenk des Endspielortes München meinte auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Bankettrede: „Ich hoffe, die Reise wird lang, um am Ende das, wovon wir alle träumen, Wirklichkeit werden zu lassen.“

Bevor Rummenigge im Salon 1 das Buffet mit Paella Valenciana und Seehecht in grüner Sauce frei gab, fielen aber auch ihm offenbar wieder die Blessuren ein, und er ergänzte: „Wir tun gut daran, bescheiden zu bleiben. Wir haben schwere Spiele vor uns, die Schlagzahl bleibt hoch.“ Nach Schalke kommt Bayer Leverkusen, dann Manchester City, das nur 1:1 gegen den SSC Neapel spielte. Angesichts dieser Gegner beunruhigt die personelle Lage, vor allem im Angriff.

Superstar Arjen Robben fehlt auf unbestimmte Zeit, Ivica Olic ebenfalls. Zwar hat Franck Ribery in Villarreal erneut stark aufgespielt, doch wenn Gomez ausfällt, muss wie in der zweiten Hälfte in Villarreal Nils Petersen ran. Der 22 Jahre alte Angreifer vergab in seinem ersten Champions-League-Spiel gleich drei gute Chancen. „Ich hätte gerne mein erstes Champions-League-Tor gemacht, dann wäre der Druck etwas von mir abgefallen“, sagte er.

In der Liga hat Petersen schon getroffen, beim 7:0 am vergangenen Samstag gegen den SC Freiburg setzte er den Schlusspunkt. Franz Beckenbauer hat der Neuzugang von Energie Cottbus aber noch nicht überzeugt. „Petersen hätte heute Torschützenkönig der Champions League werden können, so viele Chancen hatte der. Er ist sicher ein großes Talent, aber Talent reicht beim FC Bayern nie“, sagte der „Kaiser“. Petersen selbst meinte, er freue sich „über jede Minute, die mir der Trainer gibt“, doch genau darin sieht Beckenbauer ein Problem: „Er staunt immer noch über die Welt, in der er ist. Er muss egoistischer werden.“

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Rächt sich jetzt, dass die Bayern sich gegen weitere Klassespieler wie den Freiburger Papiss Demba Cisse entschieden? „Wir haben einen guten Kader, das sah man, als Rafinha reinkam“, sagte Schweinsteiger. Außerdem können die Bayern auf ihre kompakte Defensive bauen, Torhüter Manuel Neuer hat seit 658 Minuten keinen Gegentreffer mehr kassiert. „Die Null steht, auch wenn der Gegner gute Torchancen hat. Das ist ein gutes Gefühl für mich und beruhigt mich“, sagte Neuer in Villarreal, wo er zwei Mal stark pariert hatte.

Doch Neuer weiß auch: „Dieses Gegentor wird irgendwann fallen.“ Schon auf Schalke, bei seinen früheren Kumpels, wo er „nicht unbedingt“ einen herzlichen Empfang erwartet? „Wir versuchen, es so lange wie möglich hinauszuzögern.“

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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