Götze: Vom neuen "Messi" zum Rüpel

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Mario Götze flog vom Platz

Leverkusen - Dortmunds Nationalspieler Mario Götze wurde zu einem der Hauptdarsteller des Bundesliga-Spitzenspiels bei Bayer Leverkusen. Der 19-Jährige sah die erste Rote Karte in seiner spektakulären Karriere.

Vom neuen „Messi“ zum Fußball-Rüpel: Mario Götze stand wie versteinert auf dem Rasen und verstand die Fußball-Welt nicht mehr, als ihm FIFA-Referee Wolfgang Stark die Rote Karte entgegenstreckte. Für den 19-Jährigen eine Situation, die er bisher in seiner steilen Karriere nicht kannte und die sich nicht nur Mitspieler bislang nicht vorstellen konnten. Der introvertierte und geerdete Sympathieträger von Borussia Dortmund und auch der Nationalmannschaft soll derart ausgerastet sein? Das kann nicht sein.

Denn bisher waren es allenfalls die Gegenspieler wie der Leverkusener Michal Kadlec im Spitzenspiel gegen den deutschen Meister (0:0), die nach rüden Attacken gegen den technisch versierten und gewandten Mittelfeldspieler vorzeitig zum Duschen mussten.

Das erste „Rot“ seiner Karriere in seinem 42. Bundesligaspiel (bisher insgesamt zwei Gelbe Karten) wegen angeblichen Nachtretens gegen den Leverkusener Hanno Balitsch in der 77. Minute war umstritten und sorgte somit für reichlich Diskussionsstoff. Besonders Trainer Jürgen Klopp sprang für seinen Jungstar energisch in die Bresche: „Der Junge ist 19 Jahre. Seit 13 Jahren wird er in harte Zweikämpfe verwickelt, und er hat noch nicht einmal nachgetreten. Warum sollte er heute damit anfangen?“

Mehr noch: Götze soll, Zeitlupen-Aufnahmen im Fernsehen zufolge, auch noch in Richtung Balitsch gespuckt haben, was das Bild der Öffentlichkeit von Götze völlig auf den Kopf stellen würde. Klopp: „Er hat nicht nachgetreten und wenn die Jungs mal auf den Platz spucken - man schwitzt ja schließlich auch.“ BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke meinte: „Wer Mario als Spieler kennt, der weiß, dass er so etwas nie machen würde.“

Für Referee Stark war die Sache in einem Interview im ZDF-Sportstudio klar: „Nach einem Zweikampf tritt er nach. Er trifft ihn zwar nicht, aber das ist nicht ausschlaggebend. Und was erschwerend dazu kommt: Er spuckt in Richtung Gegenspieler. Da bleibt einem Schiedsrichter keine andere Wahl.“

Letztendlich konnte auch Balitsch die Entscheidung nicht mehr ändern. „Ich habe nichts wahrgenommen. Das war ein normaler Zweikampf. Ich habe auch den Schiedsrichter gefragt, warum er die Rote Karte zeigen würde, da sei doch nichts gewesen“, meinte der Leverkusener Einwechselspieler.

Bayer-Coach Robin Dutt äußerte im ZDF eine andere Vermutung: „Vielleicht musste er vom Platz, weil Mats Hummels vorher nicht vom Platz musste.“ Und spielte auf eine Situation in der 62. Minute an, als Renato Augusto wenige Zentimeter vor der Strafraumgrenze über die Beine des gelb-vorbelasteten Hummels segelte.

„Wenn der Schiedsrichter pfeift, dann muss er mich runterstellen. Aber er hebt ab, weil er sich den Ball zu weit vorgelegt hat und noch etwas aus der Situation rausholen wollte. Ich habe ihn während der Aktion vielleicht leicht an der Fußspitze touchiert. Der Schiri war sich wohl nicht ganz sicher und hat sich für einen Kompromiss entschieden“, sagte der Dortmunder Innenverteidiger. Stark erklärte nach Studium der TV-Bilder, dass er zwingen hätte Gelb-Rot zeigen müssen.

Glück für Hummels, während Götze als Rotsünder am Montag zum Treffpunkt der Nationalmannschaft fahren wird. Spätestens dort wird er auch das Strafmaß erfahren. Klopp: „Darauf bin ich sehr gespannt.

SID gb rd

sid

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