Borussen zahlen Lehrgeld

Gladbach freut sich auf die Europa League

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Gladbach-Coach Lucien Favre

Kiew - Borussia Mönchengladbachs Comeback auf der europäischen Bühne nach 16 Jahren findet nur in der zweiten Klasse statt. Trotzdem kehrten die Rheinländer erhobenen Hauptes aus der Ukraine zurück.

Bis zu 15 Millionen Euro Einnahmeverlust durch das Aus in der Champions-League-Qualifikation sollen sich für Borussia Mönchengladbach als Investition in die Zukunft erweisen. „Wir freuen uns auch auf die Europa League. Dort können wir als Mannschaft weiter wachsen“, sagte Kapitän Filip Daems nach dem beachtlichen, letztlich aber wertlosen 2:1 (0:0)-Erfolg im Play-off-Rückspiel der Königsklasse bei Dynamo Kiew (Hinspiel: 1:3).

Auch wenn bei der Rückkehr der Rheinländer auf die europäische Bühne nach 16 Jahren der Wunsch nach Duellen mit den ganz Großen wie FC Barcelona, Real Madrid, Juventus Turin oder Manchester United unerfüllt blieb, hofft man im Borussen-Lager doch weiter auf große Namen.

„Inter Mailand als Gruppengegner - das wäre doch ein Hammer“, sagte Stürmer Mike Hanke zur Gruppen-Auslosung im „kleinen Europacup“ am Freitag in Monte Carlo. Auch ein Wiedersehen mit dem englischen Ex-Rekordmeister und alten Widersacher FC Liverpool (Europapokal-Finale 1977 und -Halbfinale 1978) liegt im Bereich des Möglichen.

Das „Wunder von Kiew“ war nach einem Eigentor von Jewhen Chatscheridi (70.) und einem Treffer durch Juan Arango (78.) zum Greifen nahe. Erst Dynamos Anschlusstreffer durch Ideye Brown (88.) bedeutete die Entscheidung.

Zwar verbuchte Sportdirektor Max Eberl, der nunmehr mit nur rund 1,5 Millionen Euro Antrittsgage statt mit 8,6 Millionen Euro an Champions-League-Fixprämien kalkulieren darf, das Gesamtergebnis zunächst auch als Lehrgeld: „Wir sind jetzt etwas bedröppelt, das Hinspiel steckt uns in den Kleidern.“ Zugleich allerdings verband der Ex-Profi die Umkehrung des Negativtrends aus dem deprimierenden Hinspiel mit viel Optimismus: „Wir haben Vieles richtig gemacht und den deutschen Fußball gut vertreten.“

Auch Routinier Martin Stranzl verdeutlichte die bereits erkennbaren Fortschritte gegenüber der unglücklichen Hinspiel-Niederlage: „Wir haben viel ruhiger gespielt als vorige Woche. Wenn unsere vielen jungen Spieler aus solchen Erfahrungen lernen und sich weiterentwickeln, sind unsere Aussichten nicht schlecht.“

Schlecht dürfte sich in Kiew allerdings Borussias Rekordeinkauf Luuk de Jong gefühlt haben. Nach seinem letztlich entscheidenden Eigentor im Hinspiel wirkte der 12-Millionen-Euro-Stürmer im EM-Finalstadion noch immer wie ein Fremdkörper in Gladbachs dominierender Elf. Er war 18 Minuten vor dem Abpfiff ausgewechselt worden.

Trainer Lucien Favre sah denn auch nach dem Schlusspfiff mit Blick auf den niederländischen Torjäger seine aufsehenerregende Analyse aus dem Hinspiel bestätigt: „Ich wollte das Rückspiel noch einmal sehen, aber jetzt bin ich sicher: Uns fehlt im Angriff noch die Durchschlagskraft.“

Favre plädierte nach dem ersten herben Rückschlag in seiner rund 18-monatigen Amtszeit und vor dem rheinischen Bundesliga-Derby am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf allerdings auch für Ruhe: „Wir müssen sehen, wo wir herkommen. Vor nur etwas mehr als einem Jahr standen wir mit einem Bein in der 2. Liga. Wir haben wichtige Spieler verloren und müssen eine neue Mannschaft aufbauen.“

Die Europa League soll dabei nur eine Nebenrolle spielen: „Unsere Lebensversicherung ist die Bundesliga.“

sid

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