Giovanni Trapattoni: "Ich bin nicht Gott"

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Giovanni Trapattoni war zwei Mal Bayern-Trainer: 1994/95 und 1996 bis 1998.

Tallin - Mit 4:0 gewann die irische Fußball-Nationalmannschaft das Play-off-Hinspiel in Estland. Damit sind die Schützlinge von Teammanager Giovanni Trapattoni fast sicher bei der EURO 2012 dabei.

Giovanni Trapattoni genoss den Triumph seiner Mannschaft eher still, während seine Spieler ausgelassen feierten. Der 72 Jahre alte Fußballlehrer führte die irische Auswahl im Play-off-Hinspiel zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine zu einem 4:0 (1:0) in Tallinn gegen Estland. „Die Katze steckt im Sack, aber der Sack ist noch nicht zugebunden“, kommentierte Trap den Kantersieg noch zurückhaltend.

Der Trainer-Routinier bewies mit seiner Entscheidung, Jon Walters erstmals in einem Pflichtspiel aufzustellen, ein glückliches Händchen. In der 67. Minute traf der Mann von Stoke City zum vorentscheidenden 2:0. „Ich bin nicht Gott, ich spreche nicht gut englisch, selbst italienisch nicht besonders, und ich mache viele Fehler“, flachste der ehemalige Münchner und Stuttgarter Bundesliga-Trainer und begründete seine Bauchentscheidung für Walters: „Aber nach 30 Jahren im Fußball verstehe ich ein wenig von der Materie. Für dieses Spiel war er genau der Richtige. Jon hat seine Qualitäten gezeigt. Wir haben alles richtig gemacht.“

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Die nun fast sichere Qualifikation für die EURO 2012 ist auch Trapattoni ein wichtiger und bedeutender Triumph. „Dieser Sieg ist einer der größten in meiner Karriere, denn ich musste hier eine neue Mannschaft aufbauen“, äußerte Trap. Letztmals waren die Iren 1988 in Deutschland bei einer EM-Endrunde dabei, die letzte WM-Teilnahme liegt auch schon neun Jahre (2002) zurück.

Die WM-Endrunde 2010 in Südafrika hatten die Iren nur durch das Handspiel von Thierry Henry gegen Frankreich denkbar knapp verpasst. In Polen und der Ukraine werden die Kicker von der grünen Insel und ihre stimmungsvollen Fans im kommenden Sommer aller Voraussicht nach dabei sein.

„Mit einem Bein und beiden Füßen bei der Endrunde“, titelte die Irish Times, nachdem die Iren in Tallinn dem Außenseiter aus dem Baltikum klar die Grenzen aufgezeigt hatten. „So ein Ergebnis hatten wir nie und nimmer erwartet“, konstatierte Doppeltorschütze Robbie Keane (71./88., Foulelfmeter). Keith Andrews (13.) hatte für das 1:0 der Gäste gesorgt. Die Esten verloren in Andrej Stepanow (35.) und Raio Piiroja (70.) gleich zwei Spieler durch Gelb-Rote Karten. Mit neun Mann waren die Hausherren vor 9500 Zuschauern am Ende chancenlos gegen die Trapattoni-Elf.

Keane erhöhte sein Trefferkonto als irische Rekord-Länderspieltorschütze auf 53. Dass die Mannschaft das 4:0 noch aus den Händen geben könnte, daran glaubt der Routinier nicht. Keane: „Wenn wir uns jetzt nicht qualifizieren, wird man uns in der Luft zerreißen.“

Die italienische Trainer-Ikone Trapattoni wird schon dafür sorgen, dass eine Spieler auch das Rückspiel entsprechend konzentriert angehen. „Wir müssen unsere Vorstellung von Freitag wiederholen. In den nächsten 90 Minuten müssen wir unseren Gegner respektieren. Sie werden mit einer anderen Mentalität, einer anderen Einstellung und einer anderen Leistung zu uns kommen“, sinnierte Trap - und dabei funkelten die stahlblauen Augen des „Mister“.

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