Gewalt in der Bundesliga: Fotografen schlagen Alarm

Frankfurt/Main - Fotografen als Prügelknaben! Seit Monaten werden sie bei ihrer Arbeit in den Stadien beschimpft, bespuckt und beworfen. Nachdem es bereits erste Verletzte gab, setzen sie sich nun zur Wehr.

Die Angst sitzt den Fotografen direkt im Nacken: Die massive Gewalt in den Stadien der Fußball-Bundesliga greift nun auch auf die Knipser am Spielfeldrand über. „Die tätlichen Angriffe auf die Fotografen haben in letzter Zeit leider deutlich zugenommen. Wir wünschen uns deshalb, dass bei den Attacken gegen Fotografen genauso vorgegangen wird wie bei Angriffen auf Schieds- und Linienrichter. Auch die Ordner dürfen nicht länger wegschauen. Denn wir sind auch nur Menschen und möchten nur unseren Job machen“, sagte Markus Gilliar, Fotografensprecher im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS), dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Neben den mittlerweile fast schon üblichen Attacken auf die Schiedsrichter und die Polizei haben die gewaltbereiten Fans in der Bundesliga offenbar neue Opfer gefunden. Seit Monaten werden die Fotografen bei ihrer Arbeit in den Stadien beschimpft, bespuckt und beworfen. „Irgendwann trifft es im Innenraum mal einen 13 Jahre alten Balljungen, der schwer verletzt wird. Das muss verhindert werden“, sagte Gilliar.

Verletzte gab es bereits. So erlitt ein Fotograf der Agentur Getty Images beim Relegationsspiel im Mai zwischen dem VfL Osnabrück und Dynamo Dresden ein schweres Schleudertrauma, nachdem er mit seinem Stativ in der Hand von mehreren Dynamo-Hooligans bei einem Platz-Sturm einfach über den Haufen gerannt wurde.

„Ich war vier Wochen krankgeschrieben. Die Gewalt nimmt nicht nur zu, sie wird vor allem auch immer brutaler. Wir sind das Feindbild der Ultras“, sagte der Fotograf aus Wuppertal, der aus Angst vor tätlichen Angriffen namentlich nicht genannt werden will: „Wir werden ja bereits im Stadion massiv bedroht. Wenn wir die Fans fotografieren, werden wir bespuckt, bepöbelt und beworfen.“ Ein Frankfurter Kollege der Nachrichtenagentur Reuters, der auch anonym bleiben möchte, wurde in Hoffenheim von Dortmunder Fans attackiert. „Auf dem Weg von der Fluchtreppe hat mir ein Fan eine abgebrochene, spitze Fahnenstange ins Gesicht geworfen. Die Stange traf mich ganz knapp unter meinem Auge, ich hatte eine Platzwunde“, sagte der langjährige Fotograf, der sich in den Bundesliga-Stadien mittlerweile wie Freiwild vorkommt: „Keiner der Ordner hat in irgendeiner Form reagiert.“ Der Dortmunder Manager Michael Zorc habe sich zwar kurz entschuldigt, ansonsten habe es aber keine Reaktion vom Verein gegeben. „Ich habe keine Anzeige erstattet, was im Nachhinein sicher ein Fehler war“, meinte der Fotograf.

Lars Baron hatte derweil Glück, dass beim Spiel zwischen dem BVB und Köln nicht er selbst, sondern nur seine Kameratasche nach einem Wurf mit Pyrotechnik brannte. „Das ist dann natürlich sehr gefährlich, weil eine unheimliche Hitzeentwicklung entsteht“, sagte der Getty-Fototgraf, der allerdings auch seine Kollegen mit in die Verantwortung nahm: „Man kann aber auch den Frust einiger Anhänger verstehen, wenn die eigene Mannschaft 0:3 hintenliegt und ein Fotograf mit Weitwinkel aus einem Meter in den Fanblock hält. Das muss natürlich auch nicht sein“, sagte Baron.

Dennoch wollen die Fotografen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) anregen, dass Vereine in Zukunft nicht nur für Attacken der Fans auf Schieds- und Linienrichter sowie für das Abbrennen der Pyrotechnik bestraft werden. Das Augenmerk der DFB-Sportgerichtsbarkeit soll sich auch auf die restlichen Arbeiter im Innenraum beziehen. „Die Personen, die im Innenraum arbeiten, sollten alle geschützt werden“, sagte Gilliar.

SID

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