Wilde Wembley-Feier

Tremmel: "Acht Duschen - so ekelhaft"

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Gerhard Tremmel spielt bei Swansea City

London - Nach der Zuneigung der Fans hat Swansea-Torwart Gerhard Tremmel endlich auch seinen ersten Titel gewonnen. Die wilde Feierei nach dem Sieg im Ligapokal fand der Münchner aber gewöhnungsbedürftig.

Der lange Aufstieg zur Pokalübergabe auf der Wembley-Ehrentribüne kam Gerhard Tremmel unwirklich vor. „Als wir auf dem Weg nach oben waren, da habe ich gedacht: 'Ich kenn' das alles nur aus dem Fernsehen'“, schilderte Swansea Citys deutscher Fußball-Torhüter nach dem Ligapokal-Triumph. „Und wenn du dann da rauf marschierst, denkst du dir 'Oh cool'. Und wenn du dann da oben stehst, denkst du dir: 'Ah, das ist richtig geil!' Das ist ein toller Moment, das ist eingeprägt“, erzählte der 34-Jährige am Sonntagabend in den Katakomben des Wembleystadions nach dem 5:0 (2:0)-Erfolg gegen den Viertligisten Bradford City.

„Das ist mein erster Pokal - völlig egal, ob es jetzt gegen einen Viertligisten war. Das ist auf jeden Fall der größte Moment meiner Karriere“, sagte der langjährige Schlussmann von Energie Cottbus und kramte in seiner schlanken Männerhandtasche: „Scheiße, ich hab' 'ne Medaille hier irgendwo drin!!! Aber die ist ein bisschen klein, oder?“, witzelte er gelöst.

Erst knapp zwei Stunden nach dem Abpfiff entkam Tremmel im dunklen Swansea-Vereinsanzug frisch gestylt und als einer der letzten Profis dem Party-Marathon in der Umkleide. „Ich habe acht Champagner-Duschen bekommen - ich finde es so ekelhaft“, schimpfte er lachend. „Das stinkt so! Ich habe mich dann eine halbe Stunde geduscht - fünfmal die Haare gewaschen!“

Zuvor hatten die Swans-Fans auch wieder ihren Gerry-Song für den eigentlichen Ersatzkeeper und neuen Publikumsliebling geschmettert, den sie „Big G“, „Ginger Ninja“ oder „Ginger Cat“ rufen. „Ginger“ (Ingwer) nennen die Briten gern Rothaarige. In ihrem Lied verehren die Anhänger den Schlussmann gar als „Liebe meines Lebens“. Einige Fans trugen am größten Tag der Clubgeschichte extra für Wembley Gerhard-Tremmel-Pappmasken.

Und sie sangen für ihn, obwohl der deutsche 1,90-Meter-Mann vor den 82 597 Zuschauern nichts zu tun hatte. „Nach dem 3:0 und Bradfords Roter Karte war das Schaulaufen, da habe ich nur noch geguckt, dass ich nicht erfrier' da hinten, es war so kalt, ich habe ja nicht einen Ball bekommen - nichts!“, meinte Tremmel. Und der gebürtige Münchner zeigte sich „total erleichtert“, dass Swansea seiner Favoritenrolle gegen das Überraschungsteam aus Bradford gerecht wurde. Die Zwerghühner (Bantams), deren Promi-Fan der Dalai Lama ist, hatten zuvor die Premier-League-Clubs Wigan Athletic, FC Arsenal und Aston Villa ausgeschaltet.

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Aber das Happy-End war am Ende den Schwänen aus Wales vergönnt, die just zu ihrem 100-jährigen Vereinsjubiläum ihre erste größere Trophäe feierten und sich nun auch für die Europa League qualifizierten. Das rosa-weiße Maskottchen „Cybil the Swan“ überschlug sich am Spielfeldrand. Coach Michael Laudrup, der sogar bei Real Madrid im Gespräch sein soll, wurde von seinen Spielern in die Höhe geschleudert. Für Dienstag ist eine große Parade durch Swansea geplant, diese sympathische zweitgrößte walisische Stadt am Meer. „Swansea steht sowieso Kopf“, sagte Tremmel amüsiert.

dpa

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