Geheim-Datenbank: Dresdens Transfer-Kniff

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Dresden-Coach Ralf Loose

Dresden - Zweitligist Dynamo Dresden geht bei seinen Transfers ungewöhnliche Wege - und hat vor allem ein Land im Visier. Trainer Ralf Loose pflegt seine Datenbank eigenhändig.

French Connection auf Sächsisch: Trainer Ralf Loose von Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden hat Frankreich zu seinem bevorzugten Jagdgebiet erklärt und bereits sieben Profis aus dem Nachbarland zum achtmaligen DDR-Meister geholt. Mithilfe des „Savoir-vivre“ des ehemaligen Welt- und Europameisters soll am Samstag auch ein Sieg gegen Tabellenführer Eintracht Braunschweig (13.00 Uhr/Sky und Liga total!) gelingen.

„Ich bin nicht auf Frankreich festgelegt, aber die Arbeit in den französischen Nachwuchszentren ist federführend“, sagte Loose dem Sport-Informations-Dienst (SID). Nachdem er 2008 beim FC Augsburg entlassen wurde, hospitierte der gebürtige Dortmunder beim FC Metz und bei Olympique Marseille, schaute Spiele im ganzen Land. Das Netzwerk entstand, seit Jahren pflegt Loose seine Datenbank eigenhändig.

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Ganze 15 Minuten brauchte er beispielsweise, um Mickael Pote - aktuell mit fünf Toren einer der besten Zweitliga-Stürmer - zu entdecken. Der bullige Angreifer kam bei einem Gastspiel Nizzas in Auxerre zu einem Kurzeinsatz. Sofort notierte sich Loose den Namen des gebürtigen Beniners. Er passte perfekt ins Beuteschema: „Wir gehen an die Spieler ran, die in ihren Vereinen nicht so zum Zug kamen und zeigen ihnen eine gute Perspektive auf. Allein mit Geld können wir nicht punkten.“

Der Plan geht auf. In den letzten zwei Spielen gegen Erzgebirge Aue (3:1) und den 1. FC Köln (1:1) standen alle sieben Profis aus Frankreich auf dem Rasen. In der Abwehr baut Dynamo mit Cheikh Gueye (26), Romain Bregerie (26, beide Metz) und Vujadin Savic (22, Girondins Bordeaux) ein Bollwerk mit Frankreich-Erfahrung auf. Im Mittelfeld räumt Anthony Losilla (26, Stade Laval) auf. Und in der Offensive erhält Pote Unterstützung von Idir Ouali (24, Le Mans) und Lynel Kitambala (23, AS Saint-Etienne).

„Es war ein Glücksfall, dass einerseits die Qualität passte, dann auch die Verträge ausliefen und wir uns finanziell einigen konnten“, sagte Loose. Der Verein treibt unterdessen die Integration mit vielen Maßnahmen voran: Teamabende mit und ohne Familien, ein Mannschaftsausflug zum Schloss Moritzburg, Sprachunterricht, Einzel- und Gruppengespräche. „Wenn mehrere Spieler aus einer Nation stammen, bildet sich für sie schneller eine Wohlfühl-Atmosphäre“, sagte der Coach. Der 49-Jährige profitiert davon, dass Sportdirektor Steffen Menze ebenfalls gute Kontake nach Frankreich unterhält: „Wir tauschen unsere Erkenntnisse aus und suchen dann die beste Lösung für Dynamo“, so Loose.

Für die Zukunft schließt der Dynamo-Coach weitere Frankreich-Neuzugänge allerdings zunächst einmal aus: „Perspektivisch müssen wir versuchen, die Ausländeranzahl eher zu minimieren und es wird sich zeigen, ob wir auch bei deutschen Spielern finanziell mithalten können.“ Erste Versuche scheiterten aber: Im Sommer holte sich Dresden, das mit einem Etat von rund 6,2 Millionen Euro arbeitet, auf dem nationalen Transfermarkt viele Absagen.

Loose nennt daher ausgerechnet den Ligakonkurrenten und Ost-Rivalen Energie Cottbus als Vorbild: „Sie haben es geschafft, mit ausländischen Spielern konkurrenzfähig zu bleiben, sich wirtschaftlich entwickelt und punkten nun auch bei deutschen Talenten.“ Gut möglich, dass Dynamo im Sommer ohnehin reagieren muss: Bei vier der sieben vorherigen Frankreich-Profis läuft der Vertrag am Saisonende aus. Andere Klubs haben ihre Begehrlichkeiten bereits signalisiert.

sid

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