2:8 gegen ManU! Briten-Presse zählt Wenger an

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Nach dem 2:8-Debakel gegen ManU wird Arsene Wenger von der britischen Presse hinterfragt.

London - Nach dem 2:8 bei Manchester United, der höchsten Pleite seit 115 Jahren, ist beim FC Arsenal nichts mehr, wie es war. Der Weg des Teammanagers Arsene Wenger wird erstmals in aller Deutlichkeit hinterfragt.

Teammanager Arsene Wenger fand es „beschämend“, und Kapitän Robin van Persie hatte „keine Entschuldigung“: Das 2:8 (1:3)-Debakel beim englischen Fußball-Rekordmeister Manchester United, die höchste Pleite seit 1896, hat den ruhmreichen FC Arsenal in seinen Grundfesten erschüttert. Wenger, seit 15 Jahren bei den Gunners, musste sich gar fragen lassen, ob es nicht an der Zeit sei, abzutreten. Das wäre noch vor Tagen undenkbar gewesen.

„Nein, ich hatte noch nie den Gedanken, aufzuhören“, sagte Wenger. Doch er musste zugeben, dass er „einen schrecklichen Tag“ erlebt hatte: „Das tut weh. Aber wir sind nicht am Saisonende, wenn es an der Zeit ist, Bilanz zu ziehen.“

Wenger ist eine Institution bei den Londonern, eine Ikone der Fans. Die Anhänger tragen seit Jahren stolz rote T-Shirts mit seinem Konterfei und der Aufschrift „Arsene knows“, Arsene weiß es. Nach der Blamage in Manchester dürfte der eine oder andere über einen Hemdenwechsel nachdenken: Trauerfarbe Schwarz, Wenger - und die Aufschrift: „Arsene knew“, Wenger wusste es mal.

Für die englischen Medien steht nach der verunglückten Transferpolitik der jüngsten Wochen mit Abgängen von Kapitän Cesc Fabregas und Samir Nasri sowie der Ohrfeige im Old Trafford fest: Wenger kann's nicht mehr. „Alles, was er über 15 Jahre mit viel Liebe aufgebaut hat, ist zusammengekracht“, schrieb der Guardian. Die Sun verglich Wenger mit dem Herrscher im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Der Franzose stehe nackt da, nur er selbst sehe das nicht. „Nun muss das Undenkbare auf die Agenda“, schließt das Blatt, also Wengers Abgang.

Ein Punkt nach drei Liga-Spielen lautet die Bilanz, im Duell mit Udinese Calcio hat Arsenal aber die Gruppenphase der Champions League erreicht, wo unter anderem Borussia Dortmund wartet. Welche Brisanz die Lage dennoch hat, zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher. Als der Klub vor 115 Jahren gegen Loughborough Town in der Divison 2 beim 0:8 letztmals acht Gegentore hatte hinnehmen müssen, hieß er noch Woolwich Arsenal. Das „aufsehenerregendste Ergebnis der Premier-League-Historie“ sah die Daily Mail, selbst der Gegner habe Mitleid bekommen: „United hat Bambi erschossen, und selbst Ferguson tat's weh.“

Manchesters Teammanager Alex Ferguson nahm Wenger in Schutz. „Es ist nicht fair, ihn zu kritisieren“, sagte der Schotte, der das selbst noch vor dem Spiel getan hatte, als er über Arsenals sechs titellose Jahre lästerte. „Er hat über 15 Jahre einen phänomenalen Job gemacht, dem Klub eine Philosophie gegeben, unterhaltsame Spieler geholt und gute Verkäufe getätigt.“ Letztere Eigenschaft, Wengers Näschen für Transfers, steht nun auf dem Prüfstand.

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„Er muss seiner Mannschaft ein völlig neues Rückgrat einpflanzen“, urteilte Arsenal-Legende Paul Merson. Wenger betonte, genügend Geld sei vorhanden, er werde Spieler verpflichten, „wenn wir die richtigen finden“. Jedoch: Bei den Gunners gibt es deutlich weniger zu verdienen als anderswo, das erschwert die Suche. Und Wenger hat Fehler gemacht. Obwohl die Abgänge von Fabregas und Nasri früh klar waren, hat er neben Gervinho nur die Youngster Alex Oxlade-Chamberlain, Carl Jenkinson und Joel Campbell verpflichtet.

Der Transfer von Angreifer Park Chu-young, Kapitän der südkoreanischen Nationalmannschaft, für rund vier Millionen Euro vom AS Monaco steht kurz bevor. Doch der 26-Jährige ist nicht das Schwergewicht, das Arsenal sofort helfen würde. Ein Mittelfeldspieler und ein Verteidiger sollen kommen, Mikel Arteta, Phil Jagielka (beide FC Everton), Gary Cahill (Bolton Wanderers), Per Mertesacker (Werder Bremen) und Alex (FC Chelsea) sind Kandidaten.

„Ich habe schon einige gute Spieler geholt. Sie kennen mich und sollten mir Zeit geben, um zu sehen, ob ich es komplett vermurkst habe“, sagte Wenger.

Viel Zeit, da sind sich die Beobachter sicher, hat er nicht mehr.

SID

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