Gomez hat im Konkurrenzkampf das Nachsehen

Gala-Klose zementiert seinen Status

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Miro Klose oder Mario Gomez - in Jogi Löws bevorzugtem System gibt es nur Platz für einen Stürmer.

Hamburg - Miroslav Klose bleibt ein Phänomen. Konkurrent Gomez schien drauf und dran, seinen Status als Stürmer Nummer 1 zu gefährden. Doch der Routinier dokumentierte gegen Holland seine Sonderklasse.

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Ein Tor geköpft, zwei vorbereitet - “Air Klose“ schwebt als Stürmer weiter über allen. Im magischen Dreieck mit Mesut Özil und Thomas Müller manifestierte Miroslav Klose als überragender Kapitän und Anführer die von seinem Konkurrenten Mario Gomez zuletzt angetastete Stürmerhierarchie in der Fußball-Nationalmannschaft.
Gomez mag die noch effektivere Tormaschine sein - der 33 Jahre alte Klose aber ist im Vergleich mit dem sieben Jahre jüngeren Bayern-Herausforderer der komplettere Mittelstürmer. “Es erübrigt sich, über Miro zu sprechen“, erklärte Joachim Löw - und dieser Satz sagt eigentlich alles über die überragende Wertschätzung aus, die der Senior der deutschen Fußball-Rasselbande beim Bundestrainer genießt.

“Er hat 113 Länderspiele und war immer in überragender Verfassung bei uns. Er weiß, wie er sich vorbereiten muss. Er hatte ein paar Probleme mit einer Verletzung zuletzt, die ihn gehemmt haben. Man hat gesehen, dass er einfach für die Mannschaft gut ist. Er ist variabel, torgefährlich, schnell“, schwärmte Löw über das Phänomen Klose.

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Nach drei verpassten Länderspielen wegen einer Sehnenreizung im linken Knie demonstrierte Klose in den 81 Spielminuten bis zu seiner Auswechslung die gesamte Bandbreite seiner Fähigkeiten: Spielstark, torgefährlich, mannschaftsdienlich. Beim 1:0 von Müller (15.) und dem 3:0 von Özil (66.) glänzte er als Vorlagengeber und mitspielender Angreifer, beim 2:0 vollendete er einen famosen Spielzug über Müller und Özil mit einem platzierten Kopfball aus zwölf Metern (26.).

Es war sein 63. Treffer im 113. Länderspiel - nur noch fünf fehlen dem Italien-Legionär damit zur Allzeitbestmarke von “Bomber“ Gerd Müller (68 Treffer in 62 Länderspielen).

Eigenlob kam nach der Galavorstellung nicht über Kloses Lippen. Der Aushilfs-Kapitän würdigte das Gesamtkunstwerk der Mannschaft. “Wir haben Lauffreude gehabt, Spaß in unserem Spiel. Das hat super funktioniert.“ Klose lässt im Alter nicht nach, er scheint vielmehr - umgeben von all den jungen Hochbegabten - sein ganzes Potenzial erst jetzt richtig ausschöpfen zu können. Der Wechsel von Bayern München zu Lazio Rom hat ihm gut getan, ebenso der Druck eines Mario Gomez.

“Ich habe ein paar Mal nicht gespielt. Der Mario hat mich eins zu eins ersetzt. Heute habe ich gespielt und versucht, meine Leistung zu bringen. Nicht nur auf unserer Position ist Konkurrenzkampf, auf jeder Position ist Konkurrenzkampf. Das ist unheimlich wichtig“, betonte Klose. In der EM-Qualifikation war er mit neun Treffern der erfolgreichste Spieler vor Gomez (6), der dafür im Länderspieljahr 2011 mit sieben Treffern Klose (5) knapp überbieten konnte.

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Klose ergänzt sich jedoch besser mit Özil & Co. Er bietet im Vergleich zum Bayern-Angreifer den größeren Mehrwert fürs Team. “Dass er sich wohlfühlt und wir ihn gerne als Kombinationsspieler haben, ist nichts Neues“, bekannte selbst Gomez' Vereinskollege Müller.

Löw verfügt Richtung EM nun auch auf der Mittelstürmerposition über den Luxus zweier Weltklasseangreifer. Zusammen mochte er Klose/Gomez gegen die Holländer nicht agieren lassen, weil das zu diesem Gegner taktisch nicht gepasst hätte. “Ich wollte das zentrale Mittelfeld starkmachen“, erläuterte der Bundestrainer. Auch beim EM-Turnier wird in der Regel einer der beiden Angreifer auf die Bank müssen - eher Gomez als Klose.

Der dann 34-Jährige möchte in seinem Geburtsland Polen sowie der Ukraine seine 2001 gestartete Nationalmannschafts-Karriere krönen. “Wir reden nicht vom EM-Titel. Aber wir haben absolut die Mannschaft dazu, weit zu kommen. Wir haben noch ein halbes Jahr. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Wir müssen weiter den Spaß am Fußball haben und diese Laufwege bringen. Dann können wir sehr weit kommen.“

dpa

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