"Hunter" als einzige Spitze

Van Gaal rasiert Superstar van Persie

+
Louis van Gaal überrascht zum Start der WM-Qualifikation mit seinen Personalentscheidungen.

Amsterdam - In seiner zweiten Amtszeit als Bondscoach regiert Louis van Gaal mit harter Hand. Wie schon bei früheren Stationen macht der Star-Trainer auch vor großen Namen nicht Halt.

„Ohne Holland fahren wir zur WM!“ - Die Schmähgesänge der deutschen Fußballfans begleiteten Louis van Gaal auch noch in seiner Zeit bei Bayern München. Das Verpassen der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea vor zehn Jahren ist bis heute der Tiefpunkt in der Vita des 61 Jahre alten Fußball-Trainers. Umso glücklicher war van Gaal darüber, dass er vom Königlichen Niederländischen Fußball-Verband nach dem Rücktritt von Bert van Marwijk die Chance bekam, die Schmach von damals auszumerzen.

Brasilien 2014 - das ist das große Ziel von van Gaal. „Es ist eine Ehre und eine fantastische Herausforderung“, sagte er bei seiner Vorstellung als Bondscoach. Doch damit auch genug der netten Worte. Schon in den ersten vier Wochen seiner Amtszeit hat der oft selbstverliebte Fußball-Lehrer deutlich gemacht, dass er das verwöhnte Oranje-Starensemble mit harter Hand zu führen gedenkt.

Bisherige feste Größen wie Rafael van der Vaart, Nigel de Jong und Gregory van der Wiel ließ er vor dem Auftakt der WM-Qualifikation gegen die Türkei in Amsterdam am Freitagabend ebenso zu Hause wie den Neu-Schalker Ibrahim Afellay. „Sie sind nicht fit und zu sehr mit ihren neuen Vereinen beschäftigt“, begründete van Gaal die überraschenden Personalentscheidungen.

Van der Vaart musste erst einmal schlucken, als er von seiner Nichtberücksichtigung hörte, hatte der große Hoffnungsträger des Hamburger SV nach dem EM-Debakel doch auf einen Neuanfang gehofft. „Ich wäre gerne dabei gewesen“, sagte der Mittelfeldspieler kleinlaut.

Auch Robin van Persie zählt zu den ersten großen Verlierern der zweiten van-Gaal-Ära. Unter van Marwijk genoss der Torschützenkönig der vergangenen Premier-League-Saison praktisch Narrenfreiheit, auch wenn er im Oranje-Trikot nur äußerst selten an seine Club-Leistungen anknüpfen konnte. Van Gaal setzt dagegen auf Klaas-Jan Huntelaar vom FC Schalke 04. „Robin hat in den vergangenen Jahren im Nationalteam nicht das gebracht, was er bringen muss. Darum gebe ich vorerst Klaas-Jan den Vorzug“, erklärte der neue Oranje-Boss.

Ein Freifahrtschein für Huntelaar ist das aber nicht. Auch der Knappen-Knipser wird an Toren gemessen. „Die Mannschaft ist wichtiger als elf Huntelaars oder elf van Persies“, meinte van Gaal zur Dauerdiskussion um die Sturmbesetzung. Festgelegt hat er sich zudem auf das System, mit dem der Vize-Weltmeister an die alten Erfolge anknüpfen soll. Statt eines 4-2-3-1 unter van Marwijk wird nun wieder im traditionellen 4-3-3 gespielt. „Ich habe den klaren Auftrag bekommen, die niederländische Schule spielen zu lassen“, erklärte van Gaal.

Dass der Auftakt in seine zweite Amtszeit mit dem 2:4 im Test beim Nachbarn Belgien gründlich daneben ging, nahm van Gaal gelassen zur Kenntnis. Auch die Tatsache, dass niederländische Medien versuchten, das Geheimtraining mit einem ferngesteuerten Hubschrauber zu filmen, trieb van Gaal nicht die Zornesröte ins Gesicht. „Ich werde deswegen keine schlaflosen Nächte haben.“ Geht aber der Start gegen die Türkei schief, könnte sich das schnell ändern.

dpa

Kommentare