Fußball ruft nach staatlicher Hilfe

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Schon während des Spiels randalierten die Kölner Fans. Auf der Heimreise eskalierte die Situation.

Berlin - Die jüngsten Ausschreitungen auf einer Autobahnraststätte haben dem deutschen Fußball wieder einmal klargemacht: Alleine ist das Gewaltproblem nicht zu bewältigen.

Der Fußball schlägt Alarm. Nach den jüngsten Attacken Kölner Fans mitten auf der Autobahn rufen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Bundesliga nach staatlicher Hilfe. Alleine sei das Gewaltproblem nicht in den Griff zu bekommen. “Generell gilt: wer Gewalt anwendet, muss konsequent von Polizei und Justiz zur Verantwortung gezogen werden. Dies kann nicht Sache des Fußballs sein“, erklärte am Dienstag Hendrik Große Lefert, Sicherheitsbeauftragter des DFB, zu den Vorkommnissen auf der A3 am Sonntagabend.

Schon am Montag hatte Liga-Präsident Reinhard Rauball angesichts der Ausschreitungen rund um den Fußball mehr staatliche Unterstützung gefordert. “Wir müssen mit der Politik Lösungen finden, ganz allein bekommen wir die Gewalt nicht raus. Wir fühlen uns ein klein wenig alleingelassen“, sagte Rauball in Hamburg.

Gladbacher Anhänger waren am Sonntagabend in ihrem Bus auf dem Rückweg vom Auswärtsspiel in Nürnberg in Höhe Bad Honnef/Linz von mehreren mit FC-Fans besetzten Wagen ausgebremst und abgedrängt worden. An einer Raststätte griffen die teilweise vermummten Fans den Bus an und schlugen Scheiben ein. Die Polizei ermittelt gegen neun Kölner Anhänger unter anderem wegen Nötigung, Bedrohung, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch.

Gewaltexzesse seien ein gesellschaftliches Problem, sagte Rauball. Der Fußball habe vor allem Probleme mit der Kontrolle der Gewalt auf den Anfahrtswegen zu den Stadien. Das sieht auch DFB-Sicherheitsbeauftragter Große Lefert so. “Präventiv arbeitet der DFB intensiv mit den Vereinen, vor allem den Sicherheits- und Fanbeauftragten sowie den Ordnungsdiensten zusammen, um ein größtmögliches Maß an Sicherheit im Stadion zu gewährleisten. Aber auf Reisewegen haben wir keinen Einfluss auf das Verhalten der Besucher von Fußballspielen“, sagte Große Lefert.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, (CDU) sagte dem “Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwoch-Ausgabe), die Strafverfolgung sei zwar “Sache des Staates“ und die “Problemzonen“ lägen “außerhalb der Stadien“. “Aber die Polizei des Bundes und der Länder stoßen langsam an ihre Grenzen“, meinte Bosbach.

Nach Angaben des 1. FC Köln von Dienstag befinden sich unter den Tatverdächtigen auch eingetragene Mitglieder des Kölner Clubs. Gegen diese Personen wurde jeweils ein Vereinsausschlussverfahren eingeleitet. Bereits am Montag hatte sich der FC beim Nachbarverein für die Ausschreitungen entschuldigt.

Ganz im Sinne des DFB und der Liga muss ein Urteil des Amtsgerichts Frankfurt vom Montag gewesen sein. Ein Anhänger von Eintracht Frankfurt wurde zu sieben Monaten Haft auf Bewährung wegen Sachbeschädigung und Landfriedensbruchs verurteilt, weil er im Mai 2001 beim Platzsturm der Eintracht-Fans eine Fernsehkamera demoliert hatte. Der 26 Jahre alte Mechatroniker hatte zudem gestanden, kurz zuvor bei Attacken auf Fans des 1. FC Kaiserslautern dabei gewesen zu sein.

dpa

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