Fußball-Frauen: Disziplin statt Rotzen und Rüpeln

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Die Frauen wissen sich zu benehmen

Köln - Männer können beim Spitzenfußball von Frauen lernen - in puncto Benehmen auf dem WM-Rasen. Die weltbesten Fußballerinnen rotzen und rüpeln weniger, zeigen mehr Disziplin und Teamgeist.

Die Weltmeisterinnen stehen zwar noch nicht fest - aber eins scheint nach gut zwei Wochen Frauen-Fußball-WM klar: Die Spitzenfußballerinnen benehmen sich auf dem WM-Rasen besser und fairer als ihre männlichen Star-Kollegen. Zu diesem Schluss kommen Experten wie Laien, Männer wie Frauen. “Es gibt weniger Fouls und Rempeleien. Die Frauen spielen nicht so stark körperbetont, sind nicht so auf körperliche Einschüchterung des spielerischen Gegners ausgelegt“, sagt Bettina Rulofs vom Institut für Sportsoziologie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Eine US-Studie hat zudem herausgefunden, dass Frauen weniger Fouls vortäuschen als Männer.

Die Damen jammern und schimpfen auch weniger, sagt eine, die es wissen muss - die Torhüterin der deutschen Nationalelf, Nadine Angerer. Das Schlimmste, was sie selbst vor einigen Jahren mal zu einer Gegnerin sagte, war: “Du blödes Rindvieh!“, wie Angerer dem Magazin “Neon“ erzählt. Unter Frauen gebe es auch weniger harte Fouls: “Frauenfußball ist kein körperloser Sport. Aber die Zahl der brutalen Fouls ist nicht so hoch.“ Vorgetäuschte Fouls seien ebenfalls seltener. Das belegt auch eine neue US-Studie, über die am Dienstag die “New York Times“ berichtete.

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Die US-Universität Wake Forest in North Carolina wertete Videos von 47 Partien der Frauen-WM-Turniere von 2003 und 2007 aus und verglich sie mit regionalen Männer-Meisterschaften. Ergebnis: Männer liegen nach simulierten oder echten Verletzungen doppelt so häufig am Boden wie ihre weiblichen Kollegen. Und wenn Frauen in die Knie gehen, dann sind sie viel häufiger wirklich verletzt als Männer. Verschiedene Erklärversuche werden ins Feld geführt: Mehr Körperkraft und -größe sowie höheres Lauftempo bei den Männern, andere Mentalitäten oder auch einfach mehr Ehrlichkeit auf der weiblichen Seite.

Die Kölner Expertin Rulofs meint, bei Fairness, Teamgeist und Zusammenhalt seien Frauen bessere Vorbilder als Männer. “Wenn man an die Wutausbrüche, das Geschrei und Macho-Gehabe mancher Fußballprofis denkt, fragt man sich, ob sie um ihre hohe Vorbildfunktion bei der Jugend wissen.“ Und: “Da könnten sich die Fußballmänner durchaus einiges von den Frauen abgucken. Zum Beispiel auch, dass Frauen klasse Fußball spielen können ohne dauernd rumzurotzen. “Das Spucken ist ein typisch männliches Verhalten, mit dem auch Missachtung vor dem anderen ausgedrückt wird.“

Da zollt auch Jugendtrainer Florian Zöller den WM-Frauen Lob. “Die spucken fast gar nicht. Das ist angenehm. Die Männer spucken ja oft schon aus, bevor das Spiel überhaupt los geht, als müssten sie ihr Revier markieren.“ Hobby-Spieler Leon (14) meint: “Viele Frauen bei der WM sehen fast so aus wie Männer, haben genauso viele Muskeln und gehen genauso ran - aber nur die wenigsten spucken ständig auf den Rasen. Das ist der große Unterschied.“

Bettina Rulofs von der Sporthochschule sieht allerdings vieles im Wandel beim Frauenfußball. “Es ist längst nicht mehr so wie früher, dass wir es mit harmlos-bescheidenen Frauen zu tun haben. Mit dem wachsenden öffentlichen Interesse kommen auch Vermarktung und die Frage nach der eigenen geschickten Präsentation stärker ins Spiel.“ So sei auch einige WM-Damen nicht mehr frei von Starallüren auf dem Platz. “Mit auffälligen Gesten auf dem Spielfeld wird man natürlich eher zum Hingucker. Aber die Spielerinnen sind insgesamt gemäßigter, disziplinierter und längst noch nicht so extrovertiert wie die Männer.“

dpa

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