Stadion-Bomber bekommt fünf Jahre Haft

Osnabrück - Wegen eines Sprengstoffanschlags auf ein Drittliga-Fußballspiel hat das Landgericht Osnabrück am Freitag einen 24 Jahre alten Mann zu fünf Jahren Haft verurteilt. Viele Menschen wurden damals verletzt

Wegen einer Sprengstoffattacke im Osnabrücker Fußballstadion ist ein 24-Jähriger am Freitag zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Tat sei von „langer Hand geplant“ und ein „Racheakt“ gewesen, begründete der Vorsitzende Richter am Landgericht Osnabrück am Freitag die Entscheidung. Durch die Tat habe sich der 24-Jährige aus Münster Anerkennung verschaffen wollen. Das Gericht ging mit dem Urteil noch über das geforderte Maß des Staatsanwalts hinaus. Der hatte vier Jahre Haft gefordert, die Verteidigung plädierte für drei Jahre im offenen Vollzug.

Der 24-jährige Juri C. hatte gestanden, beim Drittligaspiel des VfL Osnabrück gegen Preußen Münster am 10. September 2011 einen Knallkörper geworfen zu haben. Durch die Explosion waren 33 Menschen zum Teil schwer verletzt worden, darunter fünf Kinder.

Durch die Aussagen verschiedener Polizisten und die Auswertung von Chat-Protokollen und SMS sei deutlich geworden, dass die Münsteraner Ultras die Tat geplant hätten, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. In den Textnachrichten sei von „Krieg“ und „Osna töten“ die Rede gewesen.

Sprengkörper in der Unterhose

Den Sprengkörper hatte der 24-jährige Italiener in seiner Unterhose mit ins Stadion geschmuggelt. Der Richter schilderte, dass der Angeklagte schon in seiner Heimatstadt Neapel strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Eine verhängte Haftstrafe habe er jedoch nicht antreten müssen. Von der Familie sei er aus Italien zu einem Onkel nach Münster geschickt worden, um dort in dessen Weinhandel zu arbeiten. Das habe jedoch nicht geklappt, sagte der Richter. Bei den Ultras habe er hingegen einen Familienersatz gefunden.

Strafmildernd sei das Geständnis des 24-Jährigen gewesen, sagte der Richter. Ansonsten habe er wenig Anlass gefunden, ein mildes Urteil zu sprechen. Dass der Fan zur Tatzeit unter Drogen- und Alkoholeinfluss stand, habe sich nicht auf das Strafmaß ausgewirkt. „Er hat sich Mut angetrunken, um so die Hemmungen vor der Tat zu beseitigen“, sagte der Richter. Juri C. habe sich vor Gericht auch nicht eindeutig von der Tat und der Ultra-Gruppe distanziert.

Neben der Haftstrafe muss der 24-Jährige nun auch 50.000 Euro Schmerzensgeld an die Nebenkläger zahlen. Des Weiteren stehen ihm Schadensersatzforderungen in Höhe von 200.000 Euro bevor, wie ein Polizeisprecher am Rande des Prozesses sagte.

DFB begrüßt Urteil zu Sprengstoffattacke im Stadion

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) hat das Gerichtsurteil im Prozess um eine Sprengstoffattacke im Osnabrücker Fußballstadion „als ein deutliches Signal“ begrüßt. Die mehrjährige Haftstrafe unterstreiche, „dass das Stadion kein rechtsfreier Raum ist, und Straftaten auch als solche geahndet werden müssen“, sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock am Freitag in Frankfurt am Main.

Die Entscheidung bestätige auch die klare Absage des DFB an Pyrotechnik in Stadien. Von Feuerwerkskörpern und Böllern gehe eine große Gefahr aus, sagte Sandrock. Vor dem Landgericht Osnabrück war ein 24-Jähriger am Freitag zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, weil er beim Drittligaspiel des VfL Osnabrück gegen Preußen Münster am 10. September 2011 einen Knallkörper geworfen hatte. Dabei waren 33 Menschen zum Teil schwer verletzt

dapd

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