"Endspiel" gegen Neapel

Frustrierten Borussen droht nächster Rückschlag

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Nach der dritten Pflichtspiel-Niederlage ist die Meisterschaft für Borussia Dortmund in weite Ferne gerückt. Nach dem 0:3 gegen Bayern München droht nun am Dienstag auch das Aus in der Champions League.

Dortmund - Nach der dritten Pflichtspiel-Niederlage ist die Meisterschaft für Borussia Dortmund in weite Ferne gerückt. Nach dem 0:3 gegen Bayern München droht nun am Dienstag auch das Aus in der Champions League.

Die Frustbewältigung und mentale Aufbauarbeit begann zusammen mit den Fans direkt nach dem Abpfiff. „Ich habe der Mannschaft gesagt, ich gebe euch fünf Minuten für Depression, dann geht“s weiter. Wir müssen an das nächste Spiel denken„, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Das vorläufige, höchstwahrscheinlich sogar endgültige Aus der Borussia im Bundesliga-Titelrennen nach dem 0:3 (0:0) gegen Tabellenführer Bayern München hat tiefe Spuren hinterlassen.

Drei Tage bleiben Klopp, um nach dem Absturz auf Tabellenplatz drei bei sieben Punkten Rückstand auf den Triple-Gewinner fatale Folgeschäden zu vermeiden, denn am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) steht das für den Verlauf der Saison noch wichtigere vorentscheidende Gruppenspiel der Champions League gegen den SSC Neapel auf dem Programm.

Die von einer Verletztenserie gebeutelten Borussen müssen innerhalb von 72 Stunden die Pleite im Prestigeduell sowie drei Pflichtspiel-Niederlagen in Folge verkraften. `Das ist eine ungewöhnliche Situation“, äußerte Klopp, denn zuletzt gab es diese Konstellation im Februar 2010. Die dritte Niederlage bezogen die Westfalen damals bezeichnenderweise ebenfalls zu Hause gegen die Bayern (1:3 am 13. Februar 2010). Es war gleichzeitig die letzte in einem Liga-Duell - bis vergangenen Samstag.

Der Stachel der Enttäuschung nach der ersten Liga-Heimniederlage der laufenden Saison im Giganten-Gipfel, dessen Ergebnis nicht annähernd den Spielverlauf widerspiegelte, saß tief. „Das tut schon weh“, bestätigte Sportdirektor Michael Zorc. „Aber wenn man drei, vier Riesen-Chancen nicht nutzt, dann kannst du nicht gewinnen. Die Effektivität vor dem Tor bleibt ein Thema. Gegen die Bayern und auch in der Champions League bekommt man nicht so viele Möglichkeiten.“

Klopp war das Ergebnis am Ende „egal“. „Wir haben vieles richtig gemacht, aber es hat nicht gereicht“, resümierte er. Die größten Sorgen um die improvisierte Abwehr hatten sich zumindest nicht bestätigt. Selbst der erst am vergangenen Mittwoch verpflichtete „Notnagel“ Manuel Friedrich erfüllte seine Aufgabe nach sechs Monaten ohne Spielpraxis im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Doch schon am Dienstag muss er wieder improvisieren, weil Friedrich für die Königsklasse nicht spielberechtigt ist. Die verletzten Mats Hummels, Neven Subotic, Marcel Schmelzer oder auch Ilkay Gündogan werden auch weiterhin nicht zur Verfügung stehen. Immerhin bestritt Lukasz Piszczek nach seiner Hüft-OP im Sommer überraschend seinen ersten Saisoneinsatz.

Für die Borussen kommt es nach drei Jahren des Feierns mit zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und dem Einzugs ins Champions-League-Finale derzeit knüppeldick. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke befand: „Die Mannschaft hat ordentlich gespielt. Und es war ja auch ein knappes Spiel. Das hört sich zwar blöd an nach einem 0:3, aber so war“s. Dass Bayern München die größten Chancen hat wieder deutscher Meister zu werden, wussten wir auch vorher.„

Dass ausgerechnet der im Sommer zum Rekordmeister gewechselte Mario Götze (66.) die Niederlage mit einem Tor einleitete, störte offenbar nur die BVB-Fans, die den 21-Jährigen mit einen ohrenbetäubenden Pfeifkonzert begrüßten. `Es ist eben ein cooler Hund, sonst hätte er nicht 37 Millionen gekostet“, so Watzke.

Der Respekt der seit nunmehr 38 Liga-Spielen unbesiegten Bayern vor dem BVB war offensichtlich - aber auch der kleine Qualitäts-Unterschied, den die Schwarz-Gelben mit Leidenschaft, taktischer Disziplin und höchstem Einsatz lange Zeit erfolgreich kompensieren konnten. „Doch dann haben wir ein bisschen die Nerven verloren“, sagte Klopp.

Die jedoch sollten die Borussen bewahren, wenn sie mit ihren gewachsenen Ansprüchen gegen Neapel nicht schon frühzeitig ihre Saisonziele begraben wollen. „Wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen, noch einen Tick Klarheit draufpacken, dann können wir dem Dienstag zuversichtlich entgegensehen“, appellierte Klopp.

SID

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