Freudentag für den VfB

"Wir können alles, auch Berlin"

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VfB-Mittelfeldmann Alexandru Maxim beim Jubel

Stuttgart - "Wir können alles, auch Berlin" stand auf einem Schal, den VfB-Trainer Bruno Labbadia nach dem Einzug ins DFB-Pokal-Finale trug. Er nahm den Freudentag wieder einmal zum Anlass, seinen Finger in Wunden zu legen.

Im Stadion spielten sich Szenen ab, als habe der VfB Stuttgart gerade mehr erreicht als das Finale um den DFB-Pokal gegen Bayern München. Sportvorstand Fredi Bobic sprach ruhig, aber erkennbar bewegt von einem „Wahnsinnsabend“, dagegen gebärdete sich der sonst eher steif wirkende Trainer Bruno Labbadia nach dem 2:1 (2:1) gegen den SC Freiburg fast wie ein Disko-Besucher im Rauschzustand. „Das ist ein Freudentag für uns“, sagte er, nachdem er vor der Cannstatter Kurve eigenartige Zuckungen vorgeführt hatte.

Aus seiner Haut aber konnte Labbadia dann doch nicht. Um seinen Hals hing ein Schal, auf dem stand: „Wir können alles, auch Berlin. ` Einfach mal ungehemmt zu feiern, gelang dem Coach allerdings nicht. Mitten im größten Jubel, während um ihn herum das Glück bei den Stuttgarter Spielern, Verantwortlichen und Zuschauern fast zu greifen war, sagte er auf einmal: `Man muss in so einer Situation auch mal das Negative aussprechen.“

Und das tat Labbadia dann. Kurz zusammengefasst: Als der VfB Stuttgart den sportlichen und emotionalen Höhepunkt seiner Saison erreicht hatte, als er das Ticket für Berlin und damit zugleich für die Europa League gesichert hatte, sah der Trainer den Zeitpunkt gekommen, die Kritiker zu kritisieren. Labbadia sieht sich, er sieht die Arbeit der Mannschaft nicht gewürdigt in einer Spielzeit, in der sich der VfB bislang schwer tat.

„Danke für die konstruktive Kritik in den vergangenen Wochen“, sagte Labbadia, „das hat uns angespornt.“ Es klang ein klein wenig nach Ironie, ein klein wenig nach der Wahrheit. „Ich hoffe, es haben jetzt auch die Letzten gemerkt, dass es sich lohnt, in diesen Verein und in die handelnden Personen zu investieren“, ergänzte er. Und im Zuge seiner Ansprache safte er mit süffisantem Unterton: „Leider kann ich die Champions League gerade nicht liefern.“

Es war noch einmal der Versuch von Labbadia, die in Stuttgart traditionell übertriebenen Erwartungen zu hinterfragen. „Wir sind hier seit zweieinhalb Jahren nur am Reparieren“, betonte Labbadia, und überhaupt werde das, was er, Bobic und die Mannschaft seitdem leisteten, falsch eingeschätzt, unter anderem von den Medien. Wenn man „das nicht erkennt, muss man blind sein, und da muss man nicht alles schlecht reden“. Es sei doch nicht alles „Dreck“.

Bobic stand am Ende des Raumes, in dem Labbadia seine Sicht der Dinge erläuterte - und er lächelte. „Es ist gut und richtig, was er sagt, es hat sich sehr plausibel angehört“, sagte der frühere Profi des VfB, der im Zuge der Umgestaltung der Chefetage jetzt den Titel „Vorstand Sport“ trägt. „Wir haben einen harten Weg hinter uns“, ergänzte Bobic. Er betonte: „Diese Mannschaft hat eine unglaubliche Mentalität“ - darauf „kannst du etwas aufbauen.“

Den erneuten Einzug in die Europa League, so ungeliebt sie in Stuttgart auch sein mag, wird Bobic nun immerhin zum Anlass nehmen können, den Kader aufzupeppen. In den nächsten Wochen, versicherte er, werde es einige „Überraschungen“ geben. Dann „wird man sehen, wohin wir wollen“. Zuallererst müsse die Mentalität der möglichen Neuen passen, betonte der Sportvorstand, und bezahlbar müssten sie natürlich auch weiterhin sein. „Talent haben sie alle.“

Durch den Einzug in das Pokalfinale hat der VfB nun immerhin weitere 1,5 Millionen Euro sicher, insgesamt hat er schon rund 2,7 Millionen Euro eingenommen seit jener Begegnung vergangenen August beim SV Falkensee-Finkenkrug. „Vom ersten Spiel an wollten wir ins Finale“, berichtete Labbadia. Jetzt stehen sie drin - und müssen gegen die mächtigen Bayern ran. Da könne einem „angst und bange“ werden, sagte Bobic, aber: „Sensationen gibt es immer wieder.“

Erst mal spielt der VfB - gegen den SC Freiburg. Am Sonntag. 30. Spieltag der Bundesliga. Für Freiburg, den Tabellenfünften, geht es dann immer noch um die Europa League. „Wir haben“, betonte Trainer Christian Streich am späten Mittwochabend, „verdient verloren.“ Dem deutlichen Mehr an Willen, Leidenschaft und Wucht des VfB sowie den Treffern von Arthur Boka (10.) und Martin Harnik (28.) hatte Freiburg diesmal nur das Tor von Jan Rosenthal (14.) entgegenzusetzen.

sid

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