Frauenfußball im Iran: Schleier und lange Hosen

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Katajun Chosrojar (l.) mit Teamkolleginnen.

Teheran - In der Islamischen Republik Iran ist vieles anders als im Westen - auch beim Frauenfußball. Die Spielerinnen dürfen nur streng verhüllt gegen den Ball treten, außerdem darf niemand dabei zuschauen. Dennoch hoffen die Kickerinnen auf internationale Anerkennung.

In einem islamischen Land wie Iran, wo alle Frauen in der Öffentlichkeit verhüllt sein müssen, haben Fußballerinnen es nicht leicht. Sowohl im Training als auch bei Pflichtspielen müssen alle Kickerinnen mit Schleier, langem Trikot und Trainingshose auflaufen.

Diese ideologische Vorschrift hat erst kürzlich zum Streit mit dem Fußball-Weltverband FIFA geführt. Wegen des islamischen Ganzkörper-Outfits wurde die iranische Frauenfußball-Nationalelf vom Olympia-Qualifikationsspiel in Jordanien ausgeschlossen. Die FIFA verbietet aus Sicherheitsgründen das Tragen des sogenannten Hijab-Schals (Schleier).

Damit platzte auch der Olympia-Traum von Nationalspielerin Katajun Chosrojar. “Klar ist das Outfit international nicht Standard, aber es muss doch einen Weg geben, damit auch wir Muslime international kicken können“, meint die 23-Jährige. Der Rollkragen des Hijab-Schals sei natürlich gefährlich, sagt sie, aber das Problem könne man mit einem angemessenen Design mühelos lösen.

Chosrojar ist amerikanische Staatsbürgerin mit iranischen Eltern. In ihrer Geburtsstadt Oklahoma City spielte sie schon - wie so viele US-Mädchen - als Kind Fußball und wurde später sogar Stammspielerin beim örtlichen Verein TSC 88. Mit 18 beschlossen sie und ihr Vater, in den Iran zurückzukehren. Dort wurde Chosrojar aufgrund ihrer technischen Fähigkeiten sofort Stammspielerin der iranischen Nationalelf, wo sie auf der Spielmacherposition spielt.

“Es ist zwar vieles anders als in den USA, die Infrastruktur ist natürlich viel bescheidener, aber unsere Mädels spielen mit Herz und Leidenschaft“, sagt die Iran-Amerikanerin in Persisch mit einem starken US-Akzent. Das kontroverse Outfit sei nicht das Hauptproblem der Spielerinnen, sondern dessen Qualität. Um international mithalten zu können, müsste das spezielle iranische Outfit von einem renommierten Sportartikelhersteller überarbeitet werden, meint Chosrojar. “Dafür muss man natürlich Geld ausgeben, was der Verband aber nicht hat oder nicht ausgeben will.“

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Auch die Sportjournalistin Somajeh Gudarsi sieht in den islamischen Kleidervorschriften kein echtes Problem. “Der iranische Fußballverband muss seine Lobby in der FIFA stärken, dann kann man fürs Outfit eine Lösung finden“, sagt die Journalistin. Der Iran hatte zwischen 2001 und 2007 mit Chadidscheh Sepandschi als Vizepräsidentin des Frauenfußballverbands gute Beziehungen zur FIFA, die auch zu einer positiven Entwicklung im Frauenfußball im Iran führten, wie sie erläutert. Dies sei aber nun nicht mehr der Fall. Es gab ein paar erfolglose Qualifikationsspiele zur Asienmeisterschaft, mehr nicht. Dementsprechend konnte sich die Mannschaft auch nie für Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele qualifizieren.

In dem fußballverrückten Land, das häufig unter Organisationsmängeln leidet, gibt es ohnehin erst seit 2005 offiziell eine Frauenfußball-Nationalmannschaft, die Zahl der Spielerinnen im Land ist mit 2000 überschaubar. Es existiert keine strukturierte Nachwuchsarbeit, die zwölf Mannschaften der obersten nationalen Liga können nicht regelmäßig gegeneinander spielen, weil es an vernünftigen Spielplätzen für Frauen fehlt. Chosrojar zum Beispiel wurde ohne Verein und nur wegen ihrer individuellen Fähigkeiten Stammspielerin der Nationalmannschaft.

“Wir haben nun mal islamische Vorschriften bezüglich Outfit und natürlich auch technische und organisatorische Mängel“, sagt Gudarsi. Außerdem bekommen die Spielerinnen, auch die der Nationalmannschaft, kein Geld, manchmal müssen sie sogar ihre Reisekosten, beispielsweise ins Trainingslager, selber tragen. Das liegt auch daran, dass Frauenfußball keinerlei Einnahmen hat, denn die Spiele müssen wegen der islamischen Vorschriften ohne Zuschauer auskommen und dürfen nicht vom Fernsehen übertragen werden.

“Bei den Deutschen zum Beispiel ist es ja kein Kunststück, mit soviel Unterstützung und Möglichkeiten eine gute Mannschaft zu haben, bei uns aber schon, denn wir haben zahlreiche Restriktionen und Probleme, sind aber trotzdem nur wegen der Liebe zum Fußball 51. der FIFA Rangliste“, sagt Gudarsi. Auch Chosrojar, die in Sri Lanka als Klassenbeste ihren Trainerschein gemacht hat und demnächst bei Real Madrid ein Praktikum absolvieren will, glaubt fest daran, dass der Iran demnächst international mitspielen kann. “Bei der nächsten WM in Kanada sind wir dabei - mit Schleier.“

dpa

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