Historischer Showdown im Halbfinale

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Frankreich-Coach Bruno Bini plagen vor dem Halbfinale Magenprobleme.

Mönchengladbach - Die Gefühlslage könnte unterschiedlicher kaum sein: Während die US-Trainerin entspannt dem Halbfinale bei der Frauen-WM entgegen blickt, ist Frankreichs Coach schon ganz schlecht.

Pia Sundhage blieb einen Tag vor dem WM-Halbfinale gelassen, Bruno Bini war nur noch genervt. “Ich fühle mich etwas krank. Ich habe wohl zu schnell gegessen und musste mich übergeben“, sagte der Trainer der französischen Fußball-Frauen auf der Pressekonferenz am Dienstag im Borussia-Park.

Der sonst so wortgewandte Bini hatte vor dem historischen Spiel gegen die USA am Mittwoch (18.00 Uhr) in Mönchengladbach keinen Sinn für Späße und Poesie: “Ich wünsche Ihnen nicht, dass Sie sich so krank fühlen, wie ich es tue“, maulte er.

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Seine Trainerkollegin hingegen fühlt sich gut und ist voll konzentriert auf den Showdown gegen die Französinnen. “Es geht um die Mannschaft, nicht um Einzelne. Man hat gegen Brasilien den Teamgeist gesehen. Und der ist auch unsere Chance gegen Frankreich“, sagte die 51-Jährige.

“Gestern haben wir den Halbfinal-Einzug genossen, heute sind wir sehr fokussiert auf Frankreich. Wir haben gegen Brasilien ganz viel Energie aus uns herausgeholt. Ich hoffe, dass wir das gegen Frankreich wieder abrufen können.“ Die Präsidentengattin Michelle Obama spiele schon mit dem Gedanken, zum Endspiel einzufliegen, verriet OK-Präsidentin Steffi Jones.

Während das US-Team an WM-Halbfinalspiele gewöhnt ist, könnten Frankreichs Fußball-Frauen Geschichte schreiben. Schließlich steht das Team von Trainer Bini bei der zweiten WM-Teilnahme zum ersten Mal im Halbfinale. Einen Vergleich mit Frankreichs Heroen von 1998 lässt Bini aber nicht zu. “Das hier ist das Halbfinale der Frauen-WM. Jeder schreibt seine eigene Geschichte. Man kann seinen Nutzen aus der Geschichte anderer ziehen, aber man darf sie nicht leben. Jetzt sind die Mädels an der Reihe“, hatte Bini bereits im Vorfeld betont.

Und seine “Mädels“ strotzen vor Selbstbewusstsein. Für Torjägerin Marie-Laure Delie “war das Halbfinale unser Ziel. Wir sind nicht hier, um Deutschland zu besichtigen. Wir sind hier, um Weltmeister zu werden. Und wir sind jetzt in einer sehr guten Position.“

Binis Trainerkollegin Sundhage ist dann auch voll des Lobes für den Gegner. “Frankreich hat eine technisch gute Mannschaft und ist mit einigen guten Individualisten besetzt. Für uns ist es wichtig, dass wir geduldig bleiben, unseren Rhythmus finden und das Tempo diktieren. Wir wollen kein kampfbetontes Spiel.“

Die Statistik der Französinnen gegen die USA sieht indes beunruhigend aus. Lediglich zwei Mal konnte die “Equipe Tricolore“ bei 14 Aufeinandertreffen gewinnen, der letzte Sieg liegt fast 20 Jahre zurück. Für Bini kein Problem. “Wir haben nur noch zwei Spiele vor uns, um Weltmeister zu werden. Jetzt müssen wir aus der Deckung rauskommen und Farbe bekennen. Die USA ist die Nummer eins, sie haben eine starke Mannschaft. Das wird ein hartes Spiel.“

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Für einen kurzen Moment kehrte dann sein Humor zurück: “Sie dürften schon genug Probleme dabei gehabt haben, bei der reichhaltigen Auswahl die besten 21 Spieler zu nominieren.“

Die Französinnen kehren bei einem möglichen Aus nicht mit leeren Händen nach Hause zurück. “Den ersten Wettkampf haben wir schon hinter uns. Wir sind für Olympia qualifiziert. Jetzt fängt ein zweiter Wettkampf an“, sagte Bini. Der 56-Jährige zeigte sich erneut leicht genervt, als es um seine Liebe zur Poesie ging. “In Frankreich wird man schnell in eine Schublade gesteckt. Ich habe den Eindruck, dass ich als Poet abgestempelt werde. Aber man erreicht nicht drei Mal das Finale einer U-19-EM und das Halbfinale einer WM, wenn man nicht etwas vom Fußball versteht“, sagte Bini.

Einmal in Fahrt, beschwerte er sich zudem über die zahlreichen Lobeshymnen für seine Mannschaft. “Die dauernden Komplimente sind schwierig. Wir haben noch nichts erreicht. Vor dem Spiel gegen Kanada waren wir Außenseiter, danach Mitfavorit. Nach der Niederlage gegen Deutschland waren wir wieder die Verlierer.“ Sprach's und verschwand.

dapd

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