Prinz kritisiert "Hetzjagd"

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Birgit Prinz (l.) und Silvia Neid.

Wolfsburg - Selbstzweifel, mediale “Hetzjagd“ und Rücktrittsgedanken - doch Birgit Prinz hat einmal mehr menschliche Größe gezeigt und sich aus ihrem Stimmungstief gekämpft.

“Ich habe mich wieder ganz gut sortiert. So langsam kriege ich wieder meine PS auf die Straße und habe verstanden, dass ich mir zu viel Druck gemacht habe“, erklärte die Spielführerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft am Donnerstag. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der im Einvernehmen mit Bundestrainerin Silvia Neid selbstverordneten Auszeit im dritten WM-Gruppenspiel gegen Frankreich vermittelte die 33-Jährige einen gelösten Eindruck.

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Nach einigen Tagen des Nachdenkens fühlt sich die Rekordnationalspielerin nun “wieder in der Lage, zu spielen“. Sie habe sich ein “bisschen mit der Situation“ der drohenden Reserverolle “arrangiert“, hoffe aber auf weitere WM-Einsätze. “Natürlich wünsche ich mir, hier nochmal zu spielen. Ich würde gerne einen anderen Eindruck hinterlassen, und für mich das Ganze positiver abschließen“, sagte Prinz, die ihre fünfte Weltmeisterschaft spielt und mit 14 Treffern auch WM-Rekordschützin ist.

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Sollte sie nicht mehr spielen, will die “Teamplayerin“ sich in das Gefüge einordnen. Trotz aller Enttäuschung versprach sie: “Ich werde probieren, das zu tun was ich kann, der Mannschaft zu helfen. Wenn ich nicht mehr auf das Feld kommen sollte, probiere ich meine anderen Fähigkeiten einzubringen.“ Sie würde sich - ähnlich wie Oliver Kahn bei der WM 2006 - zur Not auch als Fan und Motivator von der Bank nützlich machen: “Glücklich wäre ich natürlich nicht. Wenn es die Situation momentan erfordert, werde ich damit umgehen können.“

Weil sich andere wie die zweifache Torschützin Inka Grings beim 4:2 gegen Frankreich in den Vordergrund gespielt haben, rechnet Prinz selbst nicht mit einem Starteinsatz im Viertelfinale gegen Japan am Samstag (20.45 Uhr/ZDF und Eurosport). “Ich gehe nicht davon aus, dass ich von Anfang an spielen werde. Es gibt wenig Grund, in der Offensive etwas zu ändern. Wir haben vier Tore geschossen.“

Mit einem Lächeln betrat Prinz die Bühne im DFB-Medienzentrum in Wolfsburg und beeindruckte mit einer messerscharfen und offenen Analyse, mit der sie sich großen Respekt der Zuhörerschaft erwarb, von der sie sich in den vergangenen Tagen zu Unrecht an den Pranger gestellt sah. Auch die neben ihr sitzende Teamkollegin Nadine Angerer zollte Anerkennung für den mutigen Auftritt. “Ich fand Birgit überragend. Ich hoffe jetzt haben alle verstanden was wir meinen. Sie ist einfach sympathisch und authentisch“, twitterte die Torhüterin.

Die öffentliche Kritik nach ihren beiden schwachen Auftritten gegen Kanada (2:1) und Nigeria (1:0) hatte Prinz tief getroffen. “Es war ein bisschen übertrieben. Ich stehe dazu, dass ich die ersten zwei Spiele nicht gut gespielt habe, aber es hatte ein bisschen was von einer Hetzjagd für mein Empfinden“, meinte Prinz zum medialen Echo. “Man wartete darauf, dass ich einen Fehler mache und schreiben kann, dass die Jungen besser sind als ich.“ Sie habe versucht zu verstehen, “was mich so arg trifft“: “Meistens treffen einen ja die Dinge, die man sich selber auch vorwirft.“

Danach habe sie sogar Rücktrittsgedanken gehabt und sich gefragt: “Was soll das eigentlich, was tue ich mir das noch an? Das war Gott sei Dank nur die erste Emotion, über die ich weggekommen bin.“ Den Kopf in den Sand zu stecken, kam dann aber doch nicht infrage, so habe sie sich für die zweite Lösung entscheiden. “Ich probiere, aufzustehen und schaue, was ich für die Mannschaft tun kann.“

Freimütig und gewohnt selbstkritisch räumte die dreimalige Weltfußballerin, die ihre großartige internationale Karriere bei der Heim-WM mit dem dritten Titel in Serie krönen will, eigene Fehler ein. Nach der frühen Auswechslung gegen Nigeria (52.) beim Stand von 0:0 durch Bundestrainerin Silvia Neid habe sie “emotional“, aber auch “menschlich“ reagiert. Prinz hatte ihre Kapitänsbinde auf den Boden geworfen und war dann wütend vom Feld gestapft. “Ich war enttäuscht und sauer, aber ich denke, dass ich nicht ausfällig geworden bin“, meinte sie zu der Szene, die sie sich selbst nicht noch einmal angeschaut habe. “Aber ich denke, es war im Rahmen.“

Prinz bestätigte, dass sie danach das Gefühl hatte, der Mannschaft im dritten Spiel nicht helfen zu können. “Ich habe die ersten zwei Spiele nicht so gespielt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe es nicht geschafft, mit dem Druck entsprechend umzugehen.“ Daher habe sie um die Auszeit gebeten. “Silvia Neid und ich waren uns einig, dass es sinnvoller ist, andere Spielerinnen spielen zu lassen“, bestätigte Prinz die Darstellung der Trainerin nach dem Frankreich-Spiel. Zwar sei es nicht abgesprochen gewesen, dass Neid dies nach außen kommuniziert: “Aber das ist auch kein Problem“.

dpa

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