Kein "Waka Waka" - Frauen-WM fehlt der Hit

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Shakiras Song "Waka Waka" zur WM 2010 in Südafrika ist ein echter Ohrwurm.

Berlin - Das Mitsingen ist Brauch in jedem Fußballstadion, doch bei der Frauen-WM fehlt noch eine mitreißende Hymne. Ein Nachfolger von Shakiras Südafrika-Hit ist nicht in Sicht.

Berlin - Fußballsongs sind eine eigenartige Sache: Haben sie sich einmal bei den Fans im Ohr festgesetzt, dann werden sie zum Stadion-Evergreen - egal ob sie zum eigenen Team passen, musikalisch gelungen oder plump sind. So singen deutsche Fans ungerührt den 1996er England-Hit “Three Lions (Football's Coming Home)“, weckt Shakiras “Waka Waka“ auch im Nach-Südafrika-Jahr WM-Begeisterung und reizt die eher schräge Sportfreunde-Stiller-Nummer “54, 74, 90...“ immer noch zum Mitgrölen.

Bei der Frauen-WM ist das bislang anders: Über die Hälfte aller Partien ist bereits gespielt, dennoch hat sich bislang kein WM-Lied als echter Fanmeilen- oder Stadionkracher erwiesen - obwohl es eine breite Auswahl gibt.

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Das ZDF bietet bei seinen Übertragungen passend zum Sportevent des Jahres Ex-Sporty-Spice Melanie C auf. Ihr Popsong “Rock Me“ bietet zwar schnelle Beats und einen dynamischen Rhythmus, taugt aber eher zum Tanzen in der Disco als zum Abfeiern auf der Fanmeile. Und der zweite ZDF-Song, Frida Golds “Wovon sollen wir träumen“, dürfte verträumten Anhängern deutscher Dancemusik sicherlich gefallen, aber Fußball-Fans? Wohl eher nicht.

Der offizielle FIFA-WM-Song kommt von einer Unbekannten: US-Castingsternchen Alexis Jordan singt “Happiness“ - der Titel passt zu einem Fußballfest, der Song leider nicht: Ein austauschbarer Electrobeat plätschert ohne echten Höhepunkt dahin - das Lied würde man im Stadion nicht einmal beim Bratwurstholen bemerken. Immerhin darf sie ihn bei der WM-Abschlussparty in Frankfurt singen.

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Die ARD liegt textlich ziemlich daneben mit dem nicht ganz neuen Pink-Lied “Fuckin' Perfect“, vom musikalischen Dahindriften zwischen Liedermacher-Pop und großer Pop-Geste mal ganz zu schweigen. Andererseits: Wäre ein WM-Hattrick der deutschen “Sommermädchen“ nicht irgendwie “Fuckin' Perfect“?

Apropos “Sommermädchen“: Das Wortspiel in Anspielung an das Männer-Sommermärchen 2006 hat etliche Musikschaffende inspiriert - zu mehr oder weniger originellen Kompositionen, wie ein Streifzug durchs Netz zeigt. Marry, Schlagersternchen aus dem Westerwald, trällert zu Disco-Fox-Beats “Sommermädchen fürs Sommermärchen“ - Textzeile: “Wir sind Feierbiester und holen den Pokal“. Autsch...

Weniger schmerzhaft klingt da das Amateur-Projekt Die Sommermädchen, das ein hübsches, etwas kinderliedartiges “Wir werden wieder Weltmeisterin“ singt. Damit haben sie es immerhin bis ins ZDF-“Morgenmagazin“ geschafft - auch mit diesem verbalen Ausrutscher: “Ihr habt die Eier, macht das nächste Sommermärchen wahr“. Ironische Anspielung auf Olli Kahns Ausbruch (“Eier, wir brauchen Eier“), oder?

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Auch Maskottchen Karla Kick hat einen eigenen Song: “Ready Or Not“ vom Michael Mind Project feat. Sean Kingston - doch der ist leider weit weniger nett als die WM-Katze. Schon die ersten Sekunden drücken dem Hörer einen stampfenden Billig-Beat in die Ohren - schlimm.

Immerhin singt Marta Jandovà, Frontfrau der Rockband Die Happy, für den DFB so etwas wie eine WM-Hymne, die mit den richtigen Jubelbildern unterlegt durchaus für Gänsehaut sorgen könnte: “Sister Hit The Goal“ schwächelt aber beim Mitgrölfaktor. Den hat Angela Peltner, die beim WM-Song-Wettbewerb des Nachwuchsförderungsprojektes Local Heroes gewonnen hat: “Ladies (bringt uns den Pokal nach Haus)“ - aber ob diese Außenseiter-Hymne den Stadion-DJs bekannt ist?

Was bleibt also den Zehntausenden Fans in den WM-Stadien und auf den Fanmeilen? Der Griff zu musikalischen Fußball-Allzweckwaffen: “Oh, wie ist das schön“ schallte es beim ersten Deutschland-Spiel durchs Berliner Olympiastadion, “Jetzt geht's los“ intonierten die Fans nach dem 1:0 gegen Nigeria und immer wieder heißt es: “Schalalalala“ oder “Oh, Oh, Oh, Oh, Oh, Ooh“, nach dem Rhythmus des White-Stripes-Hits “Seven Nation Army“.

Echte (Fußball)-Gefühle brauchen eben keine Worte.

dpa

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