"20 Frauen für einen Michael Ballack? Nein"

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Drei Frauen? Noch weit weg von einem Michael Ballack

Hamburg - Ein Sommermärchen reloaded begeistert die Republik, die mediale Aufmerksamkeit hat das Ausmaß wie bei den Männern erreicht. Also alles super? Oder nicht?

Volle Stadien, tolle Stimmung und Millionen vor den TV-Geräten - Fußball-Deutschland ist dank der Frauen-WM wieder in Party-Stimmung. Ein Sommermärchen reloaded begeistert die Republik, die mediale Aufmerksamkeit hat das Ausmaß wie bei den Männern erreicht. Also alles super? Oder nicht?

Nein! Zumindest was das Geld betrifft. Von den Millionengagen der männlichen Kollegen sind die Frauen ebenso weit entfernt wie die Erde vom Mond. „20 Frauen für einen Michael Ballack, damit kommen sie nicht hin“, sagte Konstantin Liolios, Berater des Nationalspielers Kevin Großkreutz, dem SID. Mit den Frauen sei einfach nicht so viel Geld zu verdienen wie mit den Männern. „Da werden wir auch nicht hinkommen, es gibt zu wenig Attraktivität - mit Ausnahme der laufenden WM“, sagt Liolios.

Dreifacher Trikot-Striptease und mehr: So sexy war die WM bisher

So sexy war die Frauen-WM

Ein durchschnittlicher Bundesliga-Profi kassiert etwa eine Million Euro pro Jahr an Gehalt. Bei den Frauen verdient selbst eine Nationalspielerin in ihrem Klub nur im mittleren vierstelligen Bereich, kaum eine sechsstellig pro Jahr.

Trotzdem sagte Siegfried Dietrich, Manager beim 1. FFC Frankfurt: „Der Frauen-Fußball erreicht gerade ein ganz neues Level. Die Euphorie ist riesig. Der Ball liegt im Feld und es ist an uns, ihn zu verwandeln.“ Und so läuft die Vermarktungsmaschinerie schon längst auf Hochtouren.

Es gibt eine Barbie-Puppe im DFB-Dress, Trikots, die die weibliche Figur betonen, einen eigenen WM-Ball und sogar die ersten Panini-Bildchen. „Die Frauen sind jetzt auf dem Niveau wie die Männer 1974. Ich sage, dass noch in 20 oder 30 Jahren die Gesichter von Lira Bajramaj, Kim Kulig oder Celia Okoyino da Mbabi auf der Straße erkannt werden.“

Wo Berater im Milliardengeschäft Männerfußball oft als Fluch angesehen werden, weil sie für den schnellen Euro manchmal alles zu tun bereit sind, sind die Motive beim weiblichen Geschlecht zwangsläufig andere. „Wir zielen nicht auf den schnellen finanziellen Vorteil“, sagte etwa Dietmar Ness. Seit 2006 berät er Fatmire Bajramaj und plant ihre Karriere langfristig.

Es geht ihm um Nachhaltigkeit. „Lira ist eine sehr attraktive junge Frau mit einer tollen Persönlichkeit, und sie spielt erfrischenden Fußball. Natürlich ist sie da für die Wirtschaft als Werbepartner interessant. Aber wichtig ist, dass Lira hinter dem Produkt steht. Wir setzen nicht auf Masse. Das Paket muss passen“, betonte Ness.

Jung, schön und erfolgreich: Wohl keine Spielerin verkörpert die neue Generation der Fußballerinnen besser als Bajramaj. Sie werden als sexy Spielerinnen gesehen und gepusht - und nicht mehr als kickende Mannsweiber wahrgenommen. Das ist hilfreich für den Abschluss eines Werbevertrages, aber gleichzeitig auch gefährlich. Die Strategie „Sex sells“ nutzt sich schnell ab. „Es ist kein Verbrechen, gut auszusehen, aber dieser Aspekt darf nie im Vordergrund stehen“, äußerte Dietrich, „das Paket aus Leistung, Aussehen und Persönlichkeit muss stimmen.“

Der Slogan eines großen deutschen Elektrohändlers hat sich jedenfalls schon jetzt bewahrheitet: Es wird „die schönste WM aller Zeiten“. Daran lässt sich nicht mehr zweifeln. Aber was kommt nach dem Spektakel? Tristesse? „Wenn wir mit der Frauen-Bundesliga vom Medien- und Zuschauerzuspruch das Niveau der 3. Liga bei den Männern erreichen: Das wäre schon schön“, sagte Ness.

sid

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