Wegen Sammer und Heynckes

Beckenbauer sieht schon "erste Zerwürfnisse"

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Franz Beckenbauer.

München - Die Unstimmigkeiten zwischen Sportvorstand Matthias Sammer und Trainer Jupp Heynckes sollen zwar beigelegt sein, Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sieht dennoch "erste Zerwürfnisse" beim Rekordmeister.

Es war nicht viel los an der Säbener Straße. Die Stars von Bayern München hatten am Donnerstag trainingsfrei, um nach der ersten Saison-Niederlage den Kopf für das Bundesligaspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) gegen 1899 Hoffenheim frei zu bekommen. Doch die Ruhe beim FC Bayern ist trügerisch: Nach dem 1:3 des Rekordmeisters in Borissow sorgen weiterhin die Spannungen zwischen Trainer Jupp Heynckes und Sportvorstand Matthias Sammer für Gesprächsstoff - daran ändert auch ein eilig einberufener Friedensgipfel nichts.

Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sprach schon von „ersten Zerwürfnissen“, und auch Präsident Uli Hoeneß glaubt, dass das Thema die Bayern noch länger beschäftigen wird. „Das wird immer ein Problem sein. Wenn man einen starken Sportdirektor hat - und den haben wir jetzt glücklicherweise -, dann wird es immer wieder solche Unstimmigkeiten geben“, sagte Hoeneß der Münchner tz.

Gute Leistungen gebe es „nur durch Reibung. Wenn alles einschläft, werden wir nichts gewinnen“, sagte Hoeneß, lange Jahre selbst Leiter der „Abteilung Attacke“. Er stellte sich deshalb auch auf Sammers Seite. Es sei dessen Aufgabe, „dass er mal den Finger in die Wunde legt. Ich habe das 30 Jahre lang gemacht.“ Die Kritik sei weder in der Form noch in der Sache ungerechtfertigt gewesen. Damit falle seinem Kumpel Heynckes „doch in keinster Weise ein Zacken aus der Krone“, betonte Hoeneß (60), zumal Sammer ein Partner des Trainers „auf Augenhöhe“ sei.

Aussagen, die Heynckes (67) nicht gefallen dürften. Dennoch sagte er nach einem Gespräch mit Sammer und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in dessen Büro gleich im Anschluss an die Rückkehr aus Weißrussland, „dass in der Sache nie Uneinigkeit geherrscht hat. Wir arbeiten beide mit vollem Herzen und vollem Engagement für Bayern.“ Auch Sammer war bemüht, das Thema nicht noch größer werden zu lassen: „Zwischen uns passt kein Blatt. Mögliche Unstimmigkeiten haben wir ganz schnell beigelegt.“

Es ist ein brüchiger Frieden. Sammer wurde nach dem missglückten Versuch mit dem eher ruhigen Christian Nerlinger verpflichtet, um Schwung in den Laden zu bringen. Dem 45-Jährigen steht Heynckes gegenüber, ein erfahrener, starker und erfolgreicher Trainer, dem jegliche Einmischung in seine Arbeit missfällt. Schon während des Trainingslagers am Gardasee im Juli hatte sich der Bayern-Coach veranlasst gesehen, ein Plädoyer in eigener Sache zu halten. Nicht Sammer, sondern alleine er gebe in der Tagesarbeit die Linie vor.

Für Beckenbauer kommt die Geschichte „ein bisschen unglücklich rüber“, wie er bei Sky sagte: „Man hat nicht gut ausgesehen bei dieser gesamten Aktion.“

Immerhin führten die Diskussionen über das Thema Sammer/Heynckes dazu, dass die erste Pflichtspiel-Niederlage der Saison nach zuvor neun Siegen etwas in den Hintergrund geriet. Damit die Unruhe bei den Bayern nicht noch größer wird, ist ein Sieg gegen Hoffenheim vor der anstehenden Länderspielpause Pflicht.

„Es ist wichtig, dass wir sofort ein positives Zeichen setzen und das Spiel gewinnen“, forderte Rummenigge, dessen Team in der Liga mit der Maximal-Ausbeute von 18 Punkten aus sechs Spielen an der Spitze steht. Es zeige die Qualität einer Mannschaft, „dass sie schnell wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt. Wir haben jetzt eine Serie hinter uns und werden jetzt hoffentlich wieder eine neue starten.“

sid

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