Frankreich vor DFB-Spiel in der Pseudo-Krise 

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Laurent Blanc hat Zoff mit FFF-Verbandsboss Noël Le Graët

Paris - Drei Wochen vor dem Testspiel gegen Deutschland wird die französische Nationalelf wieder von einer Krise heimgesucht. Am Pranger steht Trainer Blanc - trotz einer Serie von 17 Spielen ohne Niederlage.

Kuriose Krise bei der Fußball-Nationalmannschaft Frankreichs: Trotz einer fabelhaften Serie von 17 Spielen ohne Niederlage liegen sich Trainer Laurent Blanc und FFF-Verbandsboss Noël Le Graët mächtig in den Haaren. Drei Wochen vor dem Testspiel der “Bleus“ gegen Deutschland in Bremen (29. Februar) werden Erinnerungen an die Chaos-WM der Franzosen in Südafrika wach. Nach der Zuspitzung des Konflikts um den Vertrag des Trainers in den vergangenen Tagen behauptete die Wochenzeitung “Le Journal de Dimanche“ nun sogar: “Die Scheidung ist perfekt“. Blanc werde spätestens nach der EM im Sommer seinen Hut nehmen müssen.

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Beobachter fürchten jetzt, die sich zuspitzende Affäre könne die Vorbereitung der “Équipe tricolore“ auf die Europameisterschaft im Juni in Polen und der Ukraine erheblich stören. Das Fachmagazin “France Football “ spricht in der Titelstory am Dienstag von einer “Zeitbombe“. Der frühere langjährige Bayern-Profi Bixente Lizarazu hatte schon vor Tagen gewarnt: “Man fragt sich, ob diese Situation der Leistung der “Bleus“ bei der Euro nicht schaden wird.“

Der Trainer und Le Graët räumten “Timingdifferenzen“ ein. Der Verband möchte auf jeden Fall die EM abwarten, um erst dann zu entscheiden, ob der bis Juni laufende Vertrag verlängert wird. Der 46-jährige Coach, der 2010 bei seinem Wechsel von Girondins Bordeaux zur Nationalelf auf viel Geld verzichtete, betrachtet das, so Medien, als Affront. Es gehe im Konflikt Blanc-Le Graët aber auch um einen Machtkampf, heißt es. Probleme zwischen den beiden habe es schon bei der Wahl des EM-Quartiers und Blancs Werbeverträgen gegeben.

Le Graët ist auch Blancs Manager Jean-Pierre Bernès ein Dorn im Auge. Der 54 Jahre alte mächtigste Fußball-Agent Frankreichs betreut nämlich auch viele Nationalspieler, darunter FC-Bayern-Star Franck Ribéry und Samir Nasri von Manchester City. Der mögliche Interessenkonflikt rief auch das Sportministerium auf den Plan.

Blanc ist in Frankreich eigentlich beliebt. “Le President“ führte die Equipe 1998 daheim als Kapitän zum WM-Titel. Nach dem Fiasko bei der WM 2010 mit Vorrunden-Aus, Trainingsboykott und anderen Affären brachte er als Nachfolger des umstrittenen “verrückten Professors“ Raymond Domenech die Nationalelf wieder auf Vordermann.

Doch Fans und Fußballszene stehen im Konflikt erstaunlicherweise aufseiten von Le Graët. 72 Prozent aller Fußball-Interessierten meinten in einer Umfrage von “France Football “, sie unterstützten in dieser Sache den Verband. Auch Ex-Nationaltorwart Grégory Coupet meint, der unnachgiebige FFF-Boss sei im Recht: “Ich würde in seiner Lage genauso handeln“, so der 39-Jährige im Interview mit dem Magazin. Als Nationalcoach müsse man Opfer bringen und Geduld haben.

Die Gerüchteküche brodelt derweil in Frankreich immer heftiger. Blanc werde bald einen Vertrag bei seinem früheren Verein Inter Mailand unterzeichnen, heißt es auch in Italien. Als chancenreichster Nachfolger wird Arsène Wenger genannt, der bei Arsenal eine schwere Saison durchmacht. Le Graët erhöht unterdessen den Druck auf den Coach. “Frankreich muss noch besser werden. Es ist an der Zeit, Titel zu gewinnen. Man muss Südafrika endlich vergessen“, forderte er.

dpa

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