Zoff fast wie bei WM 2010

Bei Frankreich kracht's! Einer bietet Abreise an

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Hatem Ben Arfa (r.) bot seine Heimreise an

Donezk - Drei Tage vor dem EM-Halbfinale gegen Titelverteidiger und Weltmeister Spanien ist die Stimmung bei den Franzosen auf dem Nullpunkt. Es gibt gleich mehrfach Krach. Ein Spieler bietet seine Abreise an.

Bis „Südafrika“ ist es für Frankreich nicht mehr weit. Kabinen-Zoff, Indiskretionen und Abreisegelüste des Mittelfeldspielers Hatem Ben Afra nach dem 0:2 gegen Schweden im letzten Gruppenspiel sorgen im EM-Quartier der Equipe Tricolore in Donezk für eine explosive Atmosphäre. Bei Routinier Florent Malouda weckt die Stimmung vor dem Viertelfinale gegen Spanien am Samstag schon schlechteste Erinnerungen an die Palast-Revolution und Selbstzerstörung bei der WM 2010. „Was ich derzeit erlebe, weckt auch Dämonen in mir“, sagte der 32-Jährige vom Champions-League-Sieger FC Chelsea.

Weil Spieler den Medien einige Interna preisgaben, wurde bekannt, dass es nach der schwachen Vorstellung gegen die Skandinavier bereits im Umkleideraum des Stadions in Kiew zu einem heftigen Streit zwischen den Verlierern gekommen war. Stürmer Olivier Giroud bestätigte den Journalisten laustarkes Gebrüll, was auch Nationaltrainer Laurent Blanc später nicht abstritt.

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„Wenn man gewinnt, dann akzeptiert man viele Dinge und ist rundum glücklich. Wenn du jedoch verlierst, dann kocht das Blut. Aber nach einer kalten Dusche ist wieder alles vorbei.“ Blanc berichtete, dass die Spieler sich die Meinung gesagt haben, aber das könne auch durchaus konstruktiv sein. „Sie haben zumindest eine Reaktion auf die Niederlage und gezeigt und bewiesen, dass sie noch unter Spannung stehen“, sagte der 46-Jährige.

Doch die Abkühlung wirkte zumindest bei Hitzkopf Ben Arfa anscheinend nicht lange. Blanc hatte den England-Legionär von Newcastle United schon in der Kabine gerüffelt, als dieser während der Nachbesprechung mit dem Team per Handy zunächst einmal ausgiebig mit seiner Familie telefonierte. Offensichtlich war der 25-Jährige dermaßen stocksauer über seine Auswechslung, dass er anschließend am liebsten sofort abgereist wäre, berichtete die große Sportzeitung L'Equipe.

Er könne nicht akzeptieren, dass er ausgewechselt wurde in einem Spiel gegen einen Gegner, der sich nicht mehr für das Viertelfinale qualifizieren konnte, obwohl „einige andere noch viel schlechter gespielt haben“, wird Ben Arfa zitiert. Teamkollege Samir Nasri mischte sich ein und versuchte zu vermitteln - vergebens. Ben Arfa ließ Blanc laut Medienberichten wissen, er könne ihn nach Hause schicken könne, falls er dies wünsche.

Nasri selbst hatte bereits nach dem Auftaktspiel für Schlagzeilen gesorgt, als er öffentlich seine Privatfehde mit L'Equipe austrug, indem er nach seinem Ausgleichstor gegen England (1:1) eindeutige Zeichen in Richtung Pressetribüne sandte.

Blanc ist derzeit mehr denn je als Psychologe gefordert und versucht den Fokus auf das Viertelfinale gegen Spanien zu lenken. Seine Hoffnungen ruhen dabei unter anderem auf Franck Ribery, einem seiner Schlüsselspieler. Dessen Blessur, wegen der er am Mittwochabend bereits nach vier Minuten das Training abbrach, stellte sich zum Glück nur als Blase am Fuß heraus. Sein Einsatz ist gesichert.

Der Münchner, einer der vermeintlichen Anführer der Revolte vor zwei Jahren in Südafrika gegen Nationaltrainer Raymond Domenech, hält sich zu allen Themen wohlweislich geschlossen. Kein Wort, er will offenbar Taten sprechen lassen und ins Halbfinale einziehen. „Viele unserer Spieler träumen von ihrem ersten Duell bei einer EM mit dem Titelverteidiger. Wir haben nichts zu verlieren, und es könnte ein unvergessliches Erlebnis werden“, sagte Abwehrspieler Laurent Koscielny, der den gelbgesperrten Philippe Mexes ersetzen wird.

Frankreich will den großen Coup schaffen, mit seiner neuformierten jungen Mannschaft sein ramponiertes Image aufpolieren und am Samstag eine Duftmarke setzen. Denn Spanien ist zugleich Gruppengegner im Kampf um die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien. Doch zunächst müssen Les Bleus „Südafrika“ umschiffen.

sid

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